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09. Mai 2020 Kai 0 News

Alitalia: Restrukturierung nimmt Form an

Während bei fast allen größeren Airlines Europas aktuell um Form und Ausgestaltung staatlichen Einflusses als Gegenleistung für milliardenschwere Staatshilfen gerungen wird, ist der italienische Flagcarrier Alitalia da schon einen Schritt weiter, denn die seit Jahren chronisch defizitäre Airline ist schon im März aus Mangel an Interesse von potentiellen Investoren verstaatlicht worden. Ende April gab Sonderverwalter Giuseppe Leogrande nun erstmals einen Einblick in die Pläne für die Restrukturierung und gab auch Hinweise, wie das Streckennetz künftig aussehen könnte.

Zu Beginn des Jahres sah es zunächst so aus, als könnte das jahrelange Drama um die italienische Alitalia noch ein gutes Ende nehmen. Auch die deutsche Lufthansa-Gruppe zählte damals noch zum engeren Kreis potentieller Interessenten. Doch mit der Wucht der Corona-Krise, die über die internationale Luftfahrt hereinbrach, wurde sehr schnell deutlich, dass es unmöglich werden würde, in diesem Klima einen Investor zu finden. So wurde Alitalia verstaatlicht und hinter den Kulissen wurde eifrig an einer Neuaufstellung gebastelt. Dabei ging man zur Bändigung der mächtigen Gewerkschaften im Konzern zunächst offenbar nach der Methode “Shock and Awe” vor und verbreitete im März zunächst Überlegungen, nach denen die Flotte der Alitalia auf 30 Flugzeuge (statt 113 bisher) hätte verkleinert werden sollen. Damit einhergegangen wäre ein Stellenabbau von derzeit noch über 11.500 Angestellten auf unter 4.000 Arbeitnehmer. Zum Vergleich: Als die Lufthansa noch ernsthafter Interessent war, forderte sie die Verkleinerung der Flotte auf 100 Flugzeuge und wollte 4.000 Stellen bei der Airline, deren prominentester Vielflieger der Papst ist, streichen.

Alitalia – Die neue Flottenstruktur

Nun erklärte der Sonderverwalter der italienischen Regierung, dass wahrscheinlich schon zum 01.06.2020 zwei neue Gesellschaften gegründet werden sollen, von denen die eine Personal und Flugzeuge von Alitalia und die andere von deren Regionaltocher Cityliner mieten soll. Zusammen sollen die beiden Gesellschaften dann eine Flotte von 92 Flugzeugen betreiben, was deutlich mehr ist als die 30 Flugzeuge, von denen noch vor einem Monat die Rede war. So scheint man es den Gewerkschaften ermöglichen zu wollen, die Verkleinerung der Flotte von 113 auf 92 Flugzeuge als Sieg zu verkaufen, weil eine deutlich stärkere Verkleinerung verhindert werden konnte. Dabei wird sich der Plan noch an der Realität messen lassen müssen, denn tatsächlich wird es sehr lange dauern, bis man wieder zu einem Flugverkehr zurückgekehrt sein wird, für den man auch tatsächlich 92 Flieger gebrauchen kann.

Die Flotte wird sich nach Angaben von aerotelegraph aus 20 Langstreckenflugzeugen der Marken Boeing 777 und A330, 60 Mittelstreckenfliegern A319 und A320 und 12 Embraer Kurzstreckenjets zusammensetzen. Die restlichen Maschinen sollen verkauft bzw. an die Leasingfirmen zurückgegeben werden. Zum Einsatz kommen werden in den ersten Monaten aber vermutlich lediglich 24 bis 50 Maschinen, so dass ein Großteil der Flugzeuge und ihrer Crews am Boden und vermutlich weiter in Kurzarbeit bleiben werden.

Alitalia – Das neue Streckennetz

Für unsere Leser dürfte die Frage nach dem zukünftigen Streckennetz der Alitalia vermutlich viel interessanter sein. Ein erster Ausblick macht deutlich, dass Alitalia sich mehr auf die Rolle einer Regionalairline mit einem Schwerpunkt auf Urlaubsdestinationen innerhalb Europas fokussieren könnte. Langstrecken sollen dagegen gekürzt werden. Mit Boston, New York und Los Angeles würden nur noch drei US-Destinationen im Flugkalender verbleiben. Sao Paulo und Buenos Aires in Südamerika und Tokio in Asien würden das magere Langstreckenangebot komplettieren.

Alitalia: Restrukturierung nimmt Form an – Fazit

Die Restrukturierung von Alitalia nimmt Form an, dürfte aber mit den Maßnahmen, die jetzt bekannt wurden, noch lange nicht abgeschlossen sein. Auch die Suche nach Investoren für die Nach-Corona-Zeit dürfte im Hintergrund weitergehen. Dafür sprechen auch die Gerüchte, dass man wieder mit Ex-Avianca Boss Germán Efromovich im Gespräch ist, der bereits 2019 als Interessent galt. Die italienische Saga wird weitergehen – Happy End ungewiss.

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