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19. März 2020 Kai 0 Coronavirus, News

Alitalia soll verstaatlicht werden

Eine neue Wendung im Drama um das italienische SkyTeam-Mitglied Alitalia: Da sich offenbar auch die letzten Interessenten aus dem Bieterverfahren für den seit 2017 insolventen italienischen Flagcarrier zurückgezogen haben, will die italienische Regierung nun Pläne für eine Verstaatlichung von Alitalia vorantreiben. In einem von der Regierung beschlossenen Hilfsprogramm sind nun weitere 500 Millionen Euro an Krediten für die klamme Airline vorgesehen. Sie sollen den Weg für eine Übernahme durch das Wirtschaftsministerium oder andere staatliche Stellen ebnen.

Alitalia war jahrzehntelang eine staatliche Airline, schreibt jedoch bereits seit 2002 rote Zahlen und wurde 2008 privatisiert. Im vergangenen Jahr war die Übernahme durch ein Konsortium unter italienischer Führung gescheitert; den Italienern ist sehr stark daran gelegen, die Mehrheit am “Nationalheiligtum” Alitalia in italienischer Hand zu behalten. Das dürfte schlussendlich auch einer der Gründe gewesen sein, warum die Lufthansa Group, die in den letzten Jahren mehrfach starkes Interesse an einer Übernahme der Alitalia geäußert hatte, nicht zum Zug gekommen ist. Noch vor ein paar Tagen war aus italienischen Regierungskreisen kolportiert worden, dass Alitalia zerschlagen werden solle, wenn bis zum Stichtag 18.03.2020 kein Käufer gefunden würde. Dies war allgemein als Indiz für ein Einsteigen von Lufthansa gewertet worden, weil die Lufthansa-Gruppe genau das stets gefordert hatte (Alitalia vor der endgültigen Pleite).

Kehrtwende wegen Corona – Alitalia wird verstaatlicht

Zur Rettung von Alitalia will die Regierung eine neue Gesellschaft gründen, die vollständig vom Finanz- oder Wirtschaftsministerium kontrolliert wird oder eine Gesellschaft, die sich mehrheitlich in öffentlicher Hand befindet. Die italienische Verkehrsministerin Paola de Micheli sagte dem Nachrichtensender Rainews24, dass die Corona-Krise sie in der “Idee bestärkt habe, dass ein nationales Unternehmen von strategischer Bedeutung für Italien” sei. Mit der Verstaatlichung ist freilich keines der Probleme gelöst, die die Alitalia in den vergangenen Jahren immer tiefer in die roten Zahlen gebracht hat. Im Gegenteil wird damit eher der Status Quo verfestigt und die Notwendigkeit von dringenden Reformen wird angesichts frischer Staatsgelder vermutlich weiter ignoriert werden. So hat Alitalia mit ca. 10.000 Beschäftigten bei ungefähr 22 Millionen Passagieren im Jahr 2018 schlicht viel zu hohe Ausgaben. Eines haben Alitalia und der italienische Staat zudem gemeinsam: Beide sind praktisch pleite, so dass eine weiter dauerhafte Alimentierung aus dem Staatshaushalt unwahrscheinlich erscheint. So wird ein Szenario wahrscheinlicher, in dem die Alitalia über die Coronakrise künstlich am Leben erhalten wird, um dann in einem möglicherweise weiter bereinigten Marktumfeld interessanter für potentielle Investoren zu werden. Auch ein Einsteigen anderer Airlines wie der Lufthansa oder des Konsortiums von Delta und Air France/KLM ist nach überstandener Coronakrise sicherlich wieder eine Option.

Der neue Insolvenzverwalter hatte erst im Februar eine Verkleinerung der Flotte, Streichungen auf der Langstrecke und Kurzarbeit für 2.785 Angestellte angekündigt. Die bei Alitalia traditionell mächtigen Gewerkschaften hatten darauf mit Streiks geantwortet. Teil des Maßnahmenpakets war auch eine Auslagerung der Schulden in eine Verwertungsgesellschaft, was als Indiz gewertet wurde, dass die Verhandlungen mit der Lufthansa konkreter werden würden. Wie viel von den Plänen noch umgesetzt werden wird, ist nun allerdings wieder fraglich. Die Verstaatlichung der Alitalia muss noch von der EU-Kommission abgesegnet werden, doch gilt ein Einlenken dort als denkbar, da der italienische Staat angesichts der Wucht, mit der das Land vom Ausbruch der Coronakrise getroffen ist, nachvollziehbar auf “höhere Gewalt” plädieren könnte.

Alitalia soll verstaatlicht werden – Fazit

Das Drama um den italienischen Staatscarrier nimmt kein Ende und wird die italienische Regierung auch in den nächsten Jahren weiter beschäftigen. Dass Alitalia mit der derzeitigen Struktur im harten Wettbewerb der internationalen Luftfahrt wird mithalten können, darf auch nach der Entscheidung der Italiener für eine Verstaatlichung der Airline bezweifelt werden.

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