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20. März 2020 Kai 0 Coronavirus, News

American Airlines stellt (fast) alle Langstreckenflüge ein

Auch an der größten Airline der Welt geht die Coronakrise nicht spurlos vorüber. American Airlines hat jetzt mitgeteilt, dass fast alle Langstreckenflüge eingestellt würden und die Langstreckenflotte größtenteils vorläufig bis mindestens 06.06.2020 am Boden bleibe. 135 der 150 Langstreckenflieger, überwiegend A330 sowie die Boeing Modelle 767, 777 und 787, werden jetzt geparkt; für die Boeing 767 könnte es sogar das vorgezogene Aus sein. Oneworld-Mitglied American Airlines wird nur drei Langstreckenverbindungen in den nächsten Wochen aufrechterhalten.

Die internationalen Verbindungen werden in den kommenden Wochen um 75% reduziert. Betroffen sind Verbindungen nach Asien, Australien, Europa und Südamerika. Den Flugverkehr auf der internationalen Mittelstrecke nach Kanada, Mexiko, in die Karibik sowie Mittelamerika will American mit kleineren Flugzeugen ebenso aufrecht erhalten wie den Inlandsflugverkehr in den USA. Bei letzterem plane man mit Flugstreichungen im Bereich von 20 bis 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auf der Langstrecke will American Airlines drei Strecken weiter bedienen: die Verbindungen von Dallas/Fort Worth (DFW) nach London Heathrow und Tokio Narita sowie die Strecke von Miami nach London Heathrow – immer vorbehaltlich der täglich neuen Entwicklungen in der Covid-19-Pandemie.

American Airlines hatte zudem bereits angekündigt, wegen der eingebrochenen Nachfrage die Außerdienststellung der 17 alten Boeing-Jets der Baureihe 767, die für 2021 vorgesehen war, in den Mai 2020 vorzuziehen. Die Flieger seien ineffizient, was den Treibstoffverbrauch angehe und würden höhere Instandhaltungskosten verursachen als neuere Flugzeuge. Mit dem nun verkündeten Grounding der Langstreckenflotte wird womöglich keine B767 mehr beim in Texas ansässigen größten Luftfahrtunternehmen der Welt abheben. Ebenfalls vorgezogen wird die Ausmusterung von 34 Boeing 757 auf den Sommer 2021; eigentlich war deren Dienstende für 2025 geplant, wenn Airbus mit der Lieferung der neuen A321XLR beginnt.

Auch die Konkurrenz ist unter Druck

Schon einige Tage zuvor hatte American’s Konkurrenz, das SkyTeam Mitglied Delta angekündigt, ungefähr 300 Flugzeuge vorübergehend zu parken und die eigenen weltweiten Kapazitäten um ca. 40 Prozent zurückzufahren. Beobachter sprechen von den stärksten Einschnitten auf dem US-amerikanischen Markt seit den Anschlägen des 9/11 in 2001. Damals war die Nachfrage in der Luftfahrtindustrie für einige Monate um 20 bis 25 Prozent gefallen. Auch der dritte Große im Bunde, das Star Alliance Mitglied United hatte als erste US-Airline schon sehr früh im März einen Cut von 20 Prozent der internationalen Verbindungen und 10% der Inlandsflüge verkündet. Zahlen, die sich angesichts der Dynamik sehr schnell überholt haben.

Neben der Außerdienststellung großer Teile der Flotte zur Bewältigung der aktuellen Krise fordern die US Airlines von der US-Regierung auch Staatshilfen von mehr als 50 Milliarden Dollar. Das Bündnis “Airlines for America”, dem alle großen US-Fluggesellschaften angehören, fordert 25 Milliarden Dollar sofortige Nothilfe zur Sicherstellung der Liquidität und weitere 25 Milliarden Dollar an mittelfristigen, zinslosen Krediten. Zudem werden weitere Subventionen z.B. in Form von Steuernachlässen gefordert.

American Airlines stellt (fast) alle Langstreckenflüge ein – Fazit

Die weltweiten Verwerfungen in der Luftfahrtbranche, die durch die Covid-19-Pandemie ausgelöst werden, treffen auch die größten der Branche. Inwieweit American Airlines Nothilfe des Staates benötigen wird, wird davon abhängen, wie schnell sich die Lage rund die Ausbreitung des Coronavirus wieder normalisiert. Das aktuell von den meisten Airlines projizierte Szenario, nach dem sich die Lage am Himmel ab Mai wieder entspannt, mag derzeit noch sehr optimistisch anmuten.

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