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16. April 2020 Kai 0 Coronavirus, News

Boeing-Krise: 150 Bestellungen für B737 MAX storniert

Als wären die Zeiten für den Flugzeugbauer Boeing nicht schon hart genug, gab es im März wieder Nackenschläge. Blickt man in Boeings Auftragsbuch, so stehen dort 31 Neubestellungen, was eigentlich ein bemerkenswerter Wert in der aktuellen Krise ist. Doch etwas weiter hinten im Auftragsbuch sind dafür dicke rote Striche bei eigentlich schon fixen Bestellungen. Insgesamt 150 Bestellungen ausgerechnet für den Krisenflieger B737 MAX sind allein im vergangenen Monat storniert worden.

Kaum Bestellungen von Passagierflugzeugen

Allein die Hälfte der aktuellen Stornierungen gehen auf das Konto der Leasingfirma Avolon, die eine Order aus dem November 2017 über 55 737 MAX 8 und 20 737 MAX 10 komplett stornierte. Auch bei Boeings Konkurrenten Airbus stornierte Avolon eine Order; diese war mit vier A330 Neo aber überschaubarer. Eine zweite Großbestellung, die der Krise nun zum Opfer gefallen ist, war von der brasilianischen Budget-Airline Gol Linhas Aereas, die 34 737 MAX storniert haben. Für Boeing stellt der März damit einen weiteren Tiefpunkt dar. Das wird auch nicht besser durch die Meldung, dass von den 31 neu bestellten Flugzeugen nur eine Minderheit Passagierflugzeuge waren. Mehrheitlich entfallen die März-Order auf den militärischen Sektor. Von der Boeing P-8 Poseidon, einer 737-Variante die zur Seefernaufklärung genutzt wird, verkaufte Boeing acht Stück an die USA, sechs an Südkorea und vier an Neuseeland. Eine B767-300ER geht zudem an Fedex. Lediglich eine Bestellung des japanischen Star Alliance Mitglid ANA All Nippon Airways über zwölf Dreamliner betraf Passagierflugzeuge.

Damit befindet sich die Zahl der Neubestellungen immerhin deutlich im Aufwind, wenn man beachtet, dass Boeing im Januar 2020 keine einzige Bestellung zu verzeichnen hatte und der Nettowert aus 18 Bestellungen und 41 Stornierungen im Februar ebenfalls deutlich im Minus lag. Von den 18 Neubestellungen im Februar entfielen übrigens 17 auf den Langstreckenflieger B787. Der Dreamliner ist damit derzeit das einzige Passagierflugzeug von Boeing, das sich nennenswert verkauft. Ganz neu waren die Februar-Bestellungen freilich dann doch nicht. Bei einer Bestellung handelte es sich um eine Umwandlung einer Bestellung von 19 B737 MAX in sieben B787. Das fasst das ganze Dilemma des amerikanischen Flugzeugbauers treffend zusammen. Das einstige Brot- und Butter-Geschäft mit dem Kassenschlager B737, das mit der Weiterentwicklung zur 737 MAX auf eine neue Stufe gehoben werden sollte, ist derzeit fast komplett eingebrochen. Neben der aktuellen Krise um die Coronavirus-Pandemie sind die Probleme von Boeing natürlich zu einem guten Teil auch hausgemacht.

Airbus kommt besser durch die Krise

Unter dem Strich hat Boeing das erste Quartal 2020 mit einem Netto-Minus von 147 Bestellungen beendet. Weitere 160 Bestellungen sollen wackeln. Bei Airbus, die natürlich auch Stornierungen im Rahmen der Coronakrise zu verbuchen haben, beträgt die Netto-Bilanz im ersten Quartal 290 Bestellungen im Plus. Airbus hatte im März ein paar Stornierungen beim A350 zu verkraften. So hat LATAM Bestellungen der 9-er und 10-er Varianten um insgesamt zehn Flugzeuge reduziert. Auch Kuwait Airways halbierte seine Bestellung von A350-900 auf fünf. Den Stornierungen standen aber immerhin auch Neubestellungen in Höhe von 10 Stück beim A350 gegenüber. Der Hauptunterschied zu Boeing besteht aber weiterhin im Mittelstreckengeschäft, wo Airbus seine Kassenschlager aus der A320-er Familie in der Neo-Variante weiter wie geschnitten Brot verkauft. Sieben stornierten A320 Neo und zwei A321 Neo standen im März Neubestellungen von je 25 A320 Neo und 25 A321 Neo gegenüber. Und mittelfristig scheint Airbus den Erzfeind auch noch in dessen Heimatmarkt mit einer gestretchten Variante des A220 angreifen zu wollen.

Boeing-Krise: 150 Bestellungen für B737 MAX storniert – Fazit

Boeing muss eher kurz- als mittelfristig sein Mittelstreckengeschäft wieder in den Griff bekommen, sonst könnte die aktuelle Krise ernsthaft existenzbedrohend für den einstigen Monopolisten werden. Zwar wird keine US-Regierung Boeing jemals über die Klinge springen lassen – dazu sind die USA viel zu sehr auf die militärischen Kapazitäten angewiesen – aber eine dauerhafte Alimentierung aus dem US-Haushalt erscheint ebenfalls konfliktträchtig. Eine Wende im Mittelstreckengeschäft muss her; ob das mit der skandalgeschüttelten B737 MAX noch möglich ist, erscheint zunehmend fraglich.

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