alitalia flugzeug
16. März 2020 Kai 0 Coronavirus, News

Coronavirus: Alitalia vor der endgültigen Pleite

Während immer mehr Fluglinien aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus auf den Flugverkehr ins Straucheln geraten, ist der Kampf bei der seit Jahren krisengeschüttelten und chronisch defizitären Alitalia offenbar nun vorbei. Dem ehemaligen Staatsunternehmen, das seit drei Jahren pleite ist und nur noch mit fortlaufenden Staatskrediten künstlich am Leben gehalten wurde, droht offenbar die Zerschlagung. Davon könnte auch die Lufthansa-Gruppe profitieren.

Im Frühjahr 2017 hatte die italienische Fluglinie, die zur SkyTeam-Allianz gehört und deutschen Vielfliegern als Transferpartner der deutschen American Express Kreditkarte ein Begriff ist, Insolvenz angemeldet. Seither ist das einstige Staatsunternehmen, das ähnlich wie die deutsche Lufthansa mit mehreren Sparten-Gewerkschaften zu kämpfen hat, von fortlaufenden Staatskrediten abhängig, die sich mittlerweile auf mehrere Milliarden Euro belaufen und bei denen es höchst unwahrscheinlich ist, dass diese jemals zurück gezahlt werden können. Dies hat zwischenzeitlich auch EU-Wettbewerbshüter auf den Plan gerufen, denn die Staatshilfen sind offenkundig keine Kredite mehr sondern versteckte Subventionen, die nach EU-Recht verboten wären.

Alitalia – Suche nach neuen Geldgebern erfolglos

2019 sah es dann so aus, als hätte sich ein Konsortium um die italienische Staatsbahn, den mit Benetton verwobenen Infrastrukturkonzern Atlantia, die amerikanische Fluggesellschaft Delta Airlines und den italienischen Staat gefunden, die dringend notwendige Rekapitalisierung für den klammen Flagcarrier aufzulegen und Alitalia, die für Italiener ein Stück nationales Kulturgut zu sein scheint, in italienischer Hand zu behalten. Auch die Lufthansa hatte schon lange Interesse an der Alitalia angemeldet, doch wollte sie nicht Teil eines Konsortiums unter italienischer Führung sein sondern eine restrukturierte und am liebsten filetierte Alitalia übernehmen. Das Konsortium kam schließlich nicht zustande, wohl auch, weil das Verhältnis zwischen der Benetton-Gruppe und der italienischen Regierung als belastet galt.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als könnte sich Alitalia doch noch einmal aus eigener Kraft in der Luft halten, als dem Konkurrenten Air Italy, die mit Qatar Airways einen potenten Anteilseigner im Hintergrund hatten, nach einer Reihe desaströser strategischer Fehlentscheidungen und dem Pech, dass drei ihrer zwölf Maschinen Boeing 737 MAX waren, schließlich im Februar 2020 der Stecker gezogen wurde und Air Italy in die Insolvenz ging. Alitalia hingegen hatte 2019 trotz eines Millionenverlustes einige Hoffnungsschimmer zu verzeichnen. Insbesondere das Geschäft auf der Langstrecke hatte sich mit einem Plus von 5% bei den Passagierzahlen zufriedenstellend entwickelt. Auf dem hart umkämpften Inlandsmarkt, auf dem sich neben Air Italy, die über ein sehr robustes Inlands-Netzwerk verfügt haben, auch die Billigflieger EasyJet und Ryanair tummeln, hätte Alitalia vielleicht neue Anteile gewinnen und so eine Basis schaffen können, nach 15 Jahren ohne Gewinne wieder in Richtung Plus zu fliegen.

Alitalia Pleite – Greift Lufthansa doch noch zu?

Mit den radikalen Verwerfungen, die die Coronakrise weltweit, insbesondere aber in Italien verursacht, scheint das zarte Pflänzchen Hoffnung nun aber auf das endgültige Ende zuzusteuern. Die italienische Regierung hat deutlich gemacht, dass der Kredit über 400 Millionen Euro aus dem November 2019, der Italiens Flagcarrier bis Ende Mai 2020 in der Luft halten sollte, nun endgültig der letzte war. Da das Geld wegen des Corona-bedingten Einbruchs nun nicht mehr bis Ende Mai reichen wird, läuft die Frist für die Käufersuche in etwa einer Woche ab. Findet sich nicht in letzter Sekunde ein Geldgeber, der die Airline als Ganzes übernehmen will, droht dann die Zerschlagung.

Neben Lufthansa, die schon ein Sanierungskonzept vorgelegt haben soll und die Marke Alitalia wie schon bei Swiss und Austrian Airlines als eigenständige Airline in der Lufthansa-Gruppe erhalten will, gilt noch ein Bündnis aus Delta Airlines und KLM/Air France als interessiert. Lufthansa, mit der Konzerntochter Air Dolomiti bereits auf dem wichtigen italienischen Markt vertreten,  soll aber als Favorit gelten. Für die SkyTeam-Allianz könnte das Jahr 2020 zu einem Debakel werden, denn mit Korean Air und Alitalia sind gleich zwei ihrer Mitglieder aktuell vom Aus bedroht.

Coronavirus: Alitalia vor der endgültigen Pleite – Fazit

Aktuell straucheln mehr als eine Handvoll Airlines und mit den massiven Verwerfungen durch die Corona-Krise werden wir vermutlich noch eine Marktbereinigung größeren Ausmaßes im Luftfahrtsektor erleben.

Das könnte dich auch interessieren: