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26. April 2020 Kai 0 News

Embraer-Übernahme durch Boeing gescheitert

Es hätte der große strategische Befreiungsschlag werden können, doch es endet im Fiasko. Das von langer Hand geplante Joint Venture zwischen dem amerikanischen Flugzeugbauer Boeing und dem brasilianischen Embraer-Konzern, das praktisch eine Übernahme der zivilen Sparte des Kurzstrecken-Spezialisten gewesen wäre, ist gescheitert, nachdem Boeing nun einen Rückzieher gemacht hat.

Es sah aus wie der ganz große Wurf als Boeing und Embraer im Juli 2018 das geplante Joint Venture vorstellten, bei dem Boeing 80 Prozent der neuen Gesellschaft gehalten hätte und die zivile Sparte von Embraer, die hoch profitabel ist, somit faktisch übernommen hätte. Embraer hatte im vorhergehenden Jahr einen Betriebsgewinn von 390 Millionen Euro verzeichnet – bei 2,5 Milliarden Euro Umsatz ist das eine traumhafte Rendite von fast 16%. Dazu kommt, dass Embraer, die auf kleine Kurzstreckenflieger spezialisiert sind, und Boeing deren kleinstes Flugzeug, die B737-300, 126 Plätze hat, kaum Überschneidungen in der Produktpalette haben. Man hätte also Airlines mit dem Argument locken können, alles aus einer Hand geliefert zu bekommen, was für Einkäufer attraktiver ist, als zwei kleine Bestellungen bei verschiedenen Herstellern aufgeben zu müssen. Hier hat Boeings Hauptkonkurrent Airbus auch durchaus eine offene Flanke, denn Airbus hat sich zwar mit der Übernahme der CS-Serie vom kanadischen Flugzeughersteller Bombardier ebenfalls für den Markt auf der Kurzstrecke neu aufgestellt, doch das kleinste Flugzeug der CS-Serie hat immer noch 120 Sitzplätze.

Boeing zieht bei Embraer die Reißleine

Nun ist seit Juli 2018 viel passiert in der Luftfahrt und im Speziellen auch bei Boeing. Bei Abgabe der Willenserklärung zu der geplanten Liaison war noch keine B737-MAX abgestürzt – geschweige denn die ganze weltweite Flotte an 737-MAX gegroundet – kein heimtückisches Virus hatte die gesamte internationale Luftfahrt in Existenzschwierigkeiten gebracht und die Zivilsparte von Embraer war den damals noch hoch potenten Amerikanern satte 4,2 Milliarden US Dollar wert. Inzwischen ist der Börsenwert des gesamten Embraer-Konzerns auf 1,07 Milliarden US Dollar zusammengeschmolzen. Das dürfte wohl auch der Hauptgrund für Boeings 180-Grad-Wende sein, die auf entsprechend wenig Gegenliebe bei den Brasilianern stieß.

Embraer zeigte sich in ersten Reaktionen ernsthaft verärgert, um es vorsichtig auszudrücken. Man hatte am Firmensitz in São José dos Campos seit geraumer Zeit an der organisatorischen Trennung der verbleibenden Militär- und Businessbereiche von der Zivilsparte gearbeitet. Formal hatte sich Boeing auf ein Kündigungsrecht berufen, das für den Fall vereinbart war, dass Embraer bis zum Stichtag 25.04.2020 bestimmte Bedingungen nicht erfüllt. In der Erklärung dazu blieben die Amerikaner entsprechend vage. Deutlicher wurde dafür Embraer in seiner Stellungnahme. Dort ist die Rede von falschen Anschuldigungen, die Boeing alleine deshalb aufstellen würde, weil das Unternehmen nach dem 737 MAX Desaster wegen Business- und Glaubwürdigkeitsproblemen nicht mehr in der Lage sei, den vereinbarten Kaufpreis zu stemmen. Die Presseerklärung endet etwas pathetisch: In der 50-jährigen Firmengeschichte habe es viele Siege und einige schwere Momente gegeben, die man alle überstanden habe. Man werde alle Möglichkeiten ausschöpfen, um gegen Boeing vorzugehen.

Embraer-Übernahme durch Boeing gescheitert – Fazit

Die ganze Geschichte erinnert ein bisschen an die Posse zwischen LOT und Condor. Auch da suchte der Käufer einen Vorwand, um aus einem geschlossenen Vertrag herauszukommen. Die heftige Reaktion von Embraer lässt vermuten, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Betriebswirtschaftlich ist die Entscheidung von Boeing natürlich nachvollziehbar. Aber es droht eine lange Schlammschlacht, was ganz sicher das Letzte ist, was Boeing im Moment gebrauchen kann.

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