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25. Mai 2020 Kai 0 News

Emirates, Etihad, Qatar – wie Corona die Golfregion trifft

Lange galten die Golf-Airlines Emirates, Qatar Airways und Etihad als Angstgegner der europäischen und nordamerikanischen Luftfahrt-Konzerne. Mit Hyperwachstum, Kampfpreisen und scheinbar niemals ausgehender staatlicher Unterstützung trieb die “Generation Golf” die etablierten Airlines vor sich her und blamierte Lufthansa & Co mit exzellentem Bordservice. Doch spätestens die Coronakrise scheint das beeindruckende Wachstum am Golf nun zumindest abzubremsen. Wie geht’s weiter mit den Golf-Airlines?

Die strategisch günstige Lage am Persischen Golf, durch die Passagiere aus den USA oder Europa mit nur einmal Umsteigen an jeden beliebigen Ort in Asien oder Ozeanien fliegen können und einem Bordservice, der das Fliegen insgesamt auf ein neues Niveau gehoben hat, hat den drei großen Airlines am Golf, Emirates, Etihad und Qatar Airways in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren Wachstumsraten beschert, von denen die Konkurrenz nur träumen konnte. Das wurde möglich durch Kampfpreise, die angeboten werden konnten, weil die Fluggesellschaften aufgrund der Unterstützung ihrer in Petrodollars schwimmenden Regierungen über schier unendliche Liquidität verfügten und die Finanzierung neuer Flugzeuge durch die staatliche Absicherung von Krediten schlicht viel günstiger war – und sicherlich auch, weil sie im Gegensatz zu den Europäern keine lästigen Gewerkschaften zu fürchten hatten, so dass die Kostenstruktur bei den Betriebskosten niedrig blieb.

etihad first class lounge abu dhabi bar

Das Ergebnis waren jährliche Wachstumsraten jenseits der 20% in den letzten 20 Jahren und ein beeindruckendes Flottenwachstum mit einem klaren Fokus auf den lukrativen Langstrecken. Emirates besaß Ende März 2020 ausschließlich Langstreckenflugzeuge der Modelle Boeing 777 (155 Flugzeuge, drei Ausführungen) sowie 110 Airbus A380-800. Die Flotten von Qatar Airways und Etihad sind zwar etwas diversifizierter, aber auch deutlich auf die Langstrecke ausgelegt und unter weitgehender Vernachlässigung der wenig rentablen Kurzstrecke. Dies war aufgrund der geographischen Lage auch zweckmäßig, denn während sich europäische Airlines die Passagiere mit unrentablen Kurzstreckenflügen zu ihrem Hub einsammeln müssen, können die Golf-Airlines die finanziell attraktivere Variante des Umstiegs von der Langstrecke auf die Langstrecke anbieten.

Corona und der neue Sparzwang für die Golf-Airlines

Dieser Vorteil ist in Zeiten von Corona nun mindestens vorläufig pulverisiert, denn jetzt sind es gerade die Kurz- und absehbar die Mittelstrecke, die den Flugbetrieb der Airlines überhaupt noch am Laufen halten, während die Langstrecke aufgrund der vielen Einreisebeschränkungen und Quarantäne-Bestimmungen mindestens noch bis zum Jahresende 2020 unattraktiv bleiben wird. Entsprechend neu sind die Meldungen, die wir seit Wochen aus den erfolgsverwöhnten Emiraten am Golf zu hören bekommen: 30.000 Arbeitsplätze stehen z.B. bei Emirates zur Disposition – das ist fast ein Drittel der weltweiten Gesamt-Belegschaft.

Noch härter könnte es Etihad treffen, die auch aufgrund ihrer zahlreichen glücklosen Beteiligungen in den letzten Jahren (Air Berlin, Alitalia) schon vor der Corona-Krise ins Schlingern geraten war und die eigene Flotte bereits deutlich verkleinert hatte. Branchenkenner erwarten eine deutlich geschrumpfte Etihad und um ca. 25% verkleinerte Emirates und Qatar Airways. Nicht ausgeschlossen wird auch, dass die beiden Airlines der Vereinigten Arabischen Emirate, Etihad und Emirates, zusammen gelegt werden könnten. Auch beim Bordservice wird sich der für die Golf-Airlines vollkommen neue Sparzwang manifestieren – Lunchbox und Wasser statt Bordmenu mit erlesenem Wein sind jetzt schon die Regel und es gibt berechtigte Befürchtungen, dass dieses Sparpotential, das die europäischen Airlines schon längst entdeckt haben, auch bei den arabischen Airlines zur “neuen Normalität” gehören könnten.

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Qatar Airways QSuite in der Boeing 777-300

Ausschließen kann man aufgrund der starken staatlichen Unterstützung zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch, dass eine der drei Airlines ernsthaft von Insolvenz bedroht werden könnte. Selbst Etihad dürfte die Krise wenn auch mit ein paar Schrammen überstehen können. Doch die zweistelligen Wachstumsraten dürften für die nähere Zukunft erst einmal der Vergangenheit angehören. Das eröffnet aber Spielraum für neue Allianzen. War eine engere Zusammenarbeit mit Emirates für europäische Fluggesellschaften in der Vergangenheit riskant, weil die schnell wachsende Golf-Airline den Europäern die Kunden weggenommen hätte, kann eine Kooperation mit einem geerdeten Konkurrenten, der Wachstumszahlen in Höhe des Marktes generiert, eine attraktive Alternative für beide sein. Qatar Airways hat diesen Schritt ja schon längst gemacht und hat sich inzwischen nach jahrelangen Austrittsgerüchten offenbar in der Oneworld-Allianz eingerichtet. Die Star Alliance sucht ihrerseits seit Jahren händeringend nach einem zuverlässigen starken Partner in der Region Nahost/Indien. Lufthansa-Chef Spohr sowie Emirates-Boss Tim Clark wird eine hohe gegenseitige Wertschätzung nachgesagt.

Wie Corona die Golfregion trifft – Fazit

Die Zeiten des ungebremsten Wachstums der Golf-Airlines dürften mit der Corona-Krise einstweilen vorbei sein, was neue Chancen für Kooperationen und Allianzen mit sich bringen könnte. Auf jeden Fall wird die Krise auch eine Neustrukturierung in dieser Weltregion mit sich bringen und es wird interessant sein, wie sich die einstigen Überflieger vom Golf neu aufstellen werden.

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