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01. Juni 2020 Kai 0 News

Erste Insolvenzmaßnahmen – LATAM reduziert Flotte

Weniger als eine Woche, nachdem die chilenische Airline LATAM Insolvenz nach Chapter 11 in den USA angemeldet hat, hat die Unternehmensleitung erste Maßnahmen zur Reduzierung des Liquiditätsengpasses vorgestellt. Im ersten Schritt sollen im Zuge einer Flottenreduzierung 19 Leasingverträge rückwirkend gekündigt werden. Den Antrag hierzu hat die Airline beim zuständigen Insolvenzgericht gestellt. LATAM’s Flotte umfasst 340 Flugzeuge, mehr als die Hälfte davon sind LATAM Brasil zugerechnet, während nur 140 der Maschinen auf LATAM Chile registriert sind, die den Antrag auf Insolvenz gestellt hat.

Leasingverträge drücken auf die Liquidität

Zu den 19 Flugzeugen, die LATAM nun an den Leasinggeber zurückgeben will, gehören sechs Großraumflugzeuge (vier Boeing 787 und zwei Airbus A350) sowie 13 Flugzeuge der Airbus A320-Familie. Dabei sind zehn Flugzeuge auf LATAM Brasil zugelassen, die gar nicht in Insolvenzschutz gegangen sind und nur die restlichen neun Modelle sind der insolventen LATAM-Mutter in Chile zugerechnet. Gegenüber dem Insolvenzgericht in den USA hat LATAM ausgeführt, dass bei einer Überprüfung des zukünftigen Bedarfs ein Überhang in der Flotte ausgemacht wurde, der unnötige Wartungs- und Versicherungskosten verursache. In dem Schreiben an das Gericht wird außerdem bestätigt, dass von den 320 geleasten Flugzeugen eine deutliche Mehrheit von 213 im so genannten “Finance Lease” betrieben werden, bei dem das wirtschaftliche Risiko auf den Leasingnehmer übertragen wird und nur 98 Flugzeuge im “Operational Lease” betrieben werden, bei dem das wirtschaftliche Risiko (und eine eventuelle Rendite) beim Leasinggeber verbleibt. Für die 98 Maschinen im Operational Lease zahlt LATAM aktuell monatlich rund 44 Millionen US Dollar; für die über Zweckgesellschaften finanzierten Maschinen werden bis 2028 rund 3,3 Milliarden Dollar fällig. Weitere 590 Millionen US Dollar stehen noch im Zusammenhang mit so genannten JOLCO-Leases aus – Finance Leases, bei denen im Laufe der Leasing-Zeit oder an deren Ende die Möglichkeit besteht, das Flugzeug zu kaufen. Weitere Verbindlichkeiten bestehen gegenüber den Flugzeugbauern Airbus, bei denen LATAM eine offene Bestellung über 44 Flugzeuge hat sowie Boeing, wo eine Bestellung über sieben Flugzeuge aussteht.

Mit 17 von 19 Flugzeugen gehört die Mehrheit der Leasingverträge, die von LATAM gekündigt werden soll, dem Investmentfonds Wilmington Trust, die mit 778 Millionen US Dollar der größte Gläubiger in dem Insolvenzverfahren der LATAM ist. Mit der Kündigung der Verträge haben die Leasinggeber ab dem 26. Mai 15 Tage Zeit, um ihre Flugzeuge abzuholen, mit Ausnahme der vier Boeing 787, die ab dem 03. Juni verfügbar sein werden, teilte LATAM mit. Nach 15 Tagen müssen die Leasinggeber die Versicherung und die Lagerwartung bezahlen, die LATAM zunächst übernimmt. Der zweitgrößte Gläubiger in dem Insolvenzverfahren ist die Citibank, bei der LATAM 603 Millionen US Dollar an Verbindlichkeiten hat. Dass Airlines in Zahlungsschwierigkeiten die Möglichkeit haben, Leasingverträge auch rückwirkend zu kündigen, mag ungewöhlich erscheinen, ist aber in Insolvenzverfahren offenbar regelmäßige Praxis.

LATAM kündigte an, die Geschäftsentwicklung im Auge zu behalten und fortlaufend neu zu bewerten. Insbesondere würden bereits Möglichkeiten geprüft, sich von weiteren je zwei A350 und B787 zu trennen. Diese Überlegungen sind aber noch nicht Teil des Antrags an das Insolvenzgericht.

Erste Insolvenzmaßnahmen: LATAM reduziert Flotte – Fazit

Bei einem Rückgang der Nachfrage nach Flügen um 95% bei LATAM im April 2020 und den gerade für südamerikanischen Kontinent derzeit eher geringen Aussichten auf eine schnelle Verbesserung der Lage kann man wohl davon ausgehen, dass eine Reduzierung der Flotte um 19 Maschinen nur der Anfang eines noch sehr langen Weges sein dürfte.

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