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30. April 2020 Kai 0 News

Flugtickets für mehrere Jahre – Trump prescht mit neuer Idee vor

Man solle doch mal prüfen, ob man gegen das Coronavirus nicht Desinfektionsmittel spritzen oder sich UV-Lampen irgendwie in den Körper einführen könne. Von solch zweifelhafter Qualität sind die medizinischen Vorschläge des amerikanischen Präsidenten und Anführers der freien Welt üblicherweise. Nun hat sich Donald Trump auch zu Unterstützungen der heimischen Luftfahrtindustrie geäußert und der Vorschlag hat etwas mehr Substanz als sonst – jedenfalls auf den ersten Blick. Die US-Regierung könne zur Sicherstellung der Liquidität ja Flugtickets für ihre Beamten gleich für ein paar Jahre im Voraus kaufen. Was ist dran an diesem Vorschlag?

Flugtickets auf Vorrat kaufen – Probleme der Trump-Idee

Die US-Regierung hatte bereits ein Rettungspaket für Fluggesellschaften in Höhe von 50 Milliarden US Dollar auf den Weg gebracht. Doch angesichts des Ausmaßes der Krise und auch der Tatsache, dass anders als in Deutschland, wo der Staat “nur” zwei Airlines retten muss, in den USA sehr viel mehr große Airlines ansässig sind, ist absehbar, dass 50 Milliarden nicht ausreichen werden. Trump begründet seinen Vorschlag damit, dass die US-Regierung und ihre Vielzahl reisender Beamten ohnehin einer der größten Abnehmer von Flugtickets seien und entsprechend einen festen jährlichen Bedarf hätten. Doch wäre Trump natürlich nicht Trump, wenn er nicht auch im gleichen Zug einen ordentlichen Rabatt für die Abnahme eines Mehrjahreskontingents einfordern würde und deshalb hat er gleich mal 50 Prozent als Hausnummer vorgeschlagen.

Nun ist es erstmal nicht verwerflich, auf eine Gegenleistung für staatliche Hilfen zu bestehen – eine ähnliche Diskussion wird in Deutschland ja auch gerade geführt. Doch schon wenn man sich ein paar einfache Fragen zur Umsetzung eines solchen Vorschlages stellt, wird einem schnell klar, wie halbgar eine solche Idee ist. 50% auf welchen Preis, fragt man sich zuallererst; 50% auf den reinen Flugpreis ohne Steuern und Gebühren? Und welche Buchungsklasse würde dabei zugrunde gelegt werden. Staatsangestellte reisen oft auf flexiblen und damit entsprechend teuren Tickets. Ein hohes Kontingent hochpreisiger Tickets mit einem Rabatt zu verkaufen, könnte sich für eine Airline möglicherweise noch rechnen, doch war Trump das klar, dass es unterschiedliche Preisklassen bei Flugtickets gibt? Man kann einem Präsidenten nicht vorwerfen, dass er seltener Linie fliegt als der Durchschnittsamerikaner, aber es gibt in seinem Stab sicherlich auch jemanden, der sich mit der Preisbildung in der Luftfahrt auskennt und ihn da beraten könnte, bevor man mit derartigen Vorschlägen an die Öffentlichkeit geht.

Das viel größere Problem für die Airlines dürfte sein, dass sie jetzt zwar liquide Mittel bekommen würden, aber dafür jahrelang die Flugzeuge voll haben mit Passagieren, die nicht mehr zahlen. Dazu kommt, dass Prognosen davon ausgehen, dass sich der höhere Aufwand, den Airlines nach einem Neustart mit zusätzlichen Distanzregeln, Fiebermessungen, Schutzkleidung für das Bordpersonal usw. zumindest in der nächsten Zeit haben werden, auch in höheren Preisen wird niederschlagen müssen. Wenn man nun aber ein Riesenkontingent an rabattierten Tickets verkauft, wird sich diese Preisentwicklung darin kaum wiederspiegeln. Und schließlich und endlich wird es auch schwierig, anderen Großkunden Wünsche nach Preisnachlässen abzuschlagen, wenn man die Schleusen erst einmal geöffnet hat. Zu guter letzt wäre dann auch noch die Frage, ob eine solche Aktion nicht einseitig einzelne Airlines bevorzugen würde und der Staat damit nicht zugunsten einzelner in den Wettbewerb eingreifen würde, was wiederum zu Pleiten anderer Airlines führen könnte.

Flugtickets für mehrere Jahre – Fazit

Es ist eine von Trumps Ideen, die nicht sofort in die Kategorie “dummes Zeug” einsortiert werden kann, aber sie ist mindestens nicht zu Ende gedacht. Bei den geforderten Rabatten dürften die Airlines, die ohnehin auf höhere Preise nach der Coronakrise setzen dürften, freundlich abwinken.

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