Covid-19
21. März 2020 Kai 0 Coronavirus, News

IATA-Prognose: Airlines brauchen bis zu 200 Milliarden Dollar Staatshilfe

Gemäß einer Progonose des Weltluftfahrtverbands IATA wird die Luftverkehrsbranche bis zu 200 Milliarden Dollar Staatshilfe benötigen, um die Coronakrise einigermaßen unbeschadet zu überstehen. Damit hat der Verband seine eigene bisherige Prognose, nach der Verluste in Höhe von 113 Milliarden Dollar gedroht hätten, beinahe verdoppelt. Man sei bisher von einem Worst Case Szenario ausgegangen, bei dem sich die Situation in anderen Ländern analog zu der Lage in China entwickeln würde. Dieses Szenario sei zwischenzeitlich durch die sich dramatisch zuspitzende Lage überholt.

Brian Pierce, Chefökonom der IATA, erklärte dazu in einer Telefonkonferenz mit Journalisten, dass “113 Milliarden zweifellos zu wenig” sein würden. Man sei bei der Prognose von einer Nachfrage ähnlich der in China während des Höhepunktes des dortigen Ausbruchs ausgegangen. Mit Grenzschließungen und dem kompletten Grounding mehrerer Airlines habe man dabei nicht gerechnet. Während sich die Situation in China nach drei Monaten zusehends entspanne, habe sich die Lage im Rest der Welt seit Schließung des ungefähr 20 Milliarden Dollar schweren Transatlantikmarktes durch die USA massiv verschlechtert.

IATA-Prognose: Liquidität nur für 3 Monate

Dramatisch ist die Lage in der Branche, weil die positive Entwicklung der letzten Jahre vor allem von ungefähr 30 Airlines getragen wurde, während sich die restlichen Airlines gerade so über Wasser halten können. Wenn da über einen längeren Zeitraum keine Tickets verkauft werden können, weil zum einen keine Nachfrage da ist und zum anderen immer weniger Länder überhaupt noch eine Einreise erlauben, dann schwindet die Liquidität schnell und Airlines geraten in Zahlungsverzug. Anfang des Jahres hätte die IATA eine Studie gemacht, nach der 75% aller Airlines nur über Liquidität für die nächsten drei Monate verfügen würden. Wenn in dieser Situation die Regierungen ihren Airlines nicht helfen würden, werde es noch zu vielen Pleiten kommen. IATA-Generaldirektor Alexandre de Juniac macht allerdings deutlich, dass die Regierungen es nicht mit komplettem Zahlungsausfall zu tun hätten, sondern “mit einem vorübergehenden Mangel an Liquidität”. Den Bedarf schätzt de Juniac mit 150 bis 200 Milliarden Dollar allerdings recht hoch ein. Es ist zu bezweifeln, dass bei solchen Summen auch nur eine Mehrzahl der Airlines in der Lage sein wird, die staatlichen Hilfen irgendwann wieder zurückzuzahlen.

Unterdessen bekräftigen in den USA die Big Four (United, American Airlines, Delta und Southwest), die in dem Bündnis “Airlines for America” zusammengeschlossen sind, ihre Forderung nach Staatshilfen in Höhe von insgesamt 50 Milliarden Dollar. Auf Unverständnis stößt, dass auch Flugzeugbauer Boeing offenbar bereits über staatliche Hilfen mit der US-Regierung verhandelt, obwohl das Unternehmen seinen Aktionären Dividenden auszahlt und der Vorstand – anders als bei den Airlines – auch nicht auf sein Gehalt oder zumindest Teile davon verzichtet. In Deutschland hat sich der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Thomas Jarzombek, offen für staatliche “Liquiditätshilfen” gezeigt. In Frage würde ein Kredit ebenso kommen wie – im Extremfall – eine staatliche Beteiligung am Lufthansa-Konzern.

IATA-Prognose: Airlines brauchen bis zu 200 Milliarden Dollar Staatshilfe – Fazit

Auch wenn wohl noch niemand eine seriöse Schätzung über den letztendlichen Bedarf an staatlichen Hilfen zum derzeitigen Zeitpunkt abgeben kann, zumal die Coronakrise in den meisten Ländern ja noch in vollem Gange ist, dürfte die Branche in einer enormen finanziellen Schieflage aus der Pandemie hervorgehen. Es ist wahrscheinlich, dass im Zuge dieser Krise eine Marktbereinigung stattfinden wird, die für so manche Airline das Aus bedeuten wird.

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