Coronavirus Schutzmaske Unsplash
20. April 2020 Lothar 2 News

Kommt die Maskenpflicht beim Fliegen?

Europa bewegt sich in Richtung einer neuen Phase der langsamen Lockerung der Maßnahmen rund um das Coronavirus und des langsamen Wiederhochfahrens der Wirtschaft. Als besonders von der Krise betroffener Wirtschaftszweig hat die Luftfahrt natürlich ein immenses Interesse daran, wieder vermehrt Passagiere zu transportieren. Doch um dies ohne der Gefahr massiver Neuansteckungen zu bewerkstelligen, werden nur zahlreiche Maßnahmen, inklusive einer Maskenpflicht beim Fliegen, angedacht.

Maskenpflicht vom Boarding bis zum Aussteigen

Wie die deutsche Tageszeitung FAZ heute berichtet, sieht ein neues, zwischen den deutschen Fluggesellschaften und Flughäfen abgestimmtes Konzeptpapier zahlreiche, großteils temporäre Maßnahmen vor. Die markanteste Maßnahme ist dabei zweifellos eine Maskenpflicht für Passagiere sowohl während des Boardings, als auch über die gesamte Flugdauer hinaus bis zum Aussteigen. Die Masken sollen zudem verpflichtend von den Passagieren selbst mitgebracht werden. Die Maskenpflicht soll darüber hinaus nicht nur für kurze Flüge, sondern unabhängig von der Flugdauer und somit auch bei Langstreckenflügen gelten.

Dass dies einen starken Komfortverlust darstellt, dürfte selbsterklärend sein. Offen bleibt, welche Auswirkungen dies auf das On-Board-Catering hätte – mit einer Maske dürfte sich ein mehrgängiges, warmes Essen relativ schwierig gestalten. Es würde uns daher nicht überraschen, falls Fluglinien dies zum Anlass nehmen würden, gerade das Essensangebot in der Economy Class – wo sich das Social Distancing am schwierigsten gestalten dürfte – noch weiter zusammenzustreichen bzw. zu vereinfachen (Stichwort “hochwertiges Sandwich”).

Ein Blick über den Tellerrand zeigt, dass etwa Kanada bereits am vergangenen Freitag eine vergleichbare Maskenpflicht angekündigt hat, welche mit dem heutigen Tag in Kraft getreten ist.

Keine freien Mittelsitze und sonstige Maßnahmen

Easyjet hat vor wenigen Tagen angekündigt, in der Startphase nach der Krise zunächst die Mittelsitze freilassen zu wollen, um damit mehr Abstand zu erreichen und somit potentiell Neuansteckungen zu verhindern. Auch  Lufthansa lässt die Mittelsitze seit Ende März in der Economy und Premium Economy Class frei, ausgenommen davon sind Rückholflüge. Dazu ist wohl aber anzumerken, dass die meisten Flüge im derzeitigen Rumpfflugplan ohnehin extrem schwach ausgelastet sein dürften und ein freier Nebensitz wohl ohnehin eher die Regel als die Ausnahme darstellen dürfte.

In dem neuen Konzeptpapier ist von freien Mittelsitzen hingegen keine Rede mehr – zu groß wäre offenbar der wirtschaftliche Nachteil einer solchen Maßnahme. Weitere Maßnahmen sind etwa Temparaturscreenings sowie eine verpflichtende Bestätigung beim Online-Check-In, dass man nicht mit dem Coronavirus infiziert ist (wohl analog zur derzeitigen “gefährliche Gegenstände an Bord”-Bestätigung) – unklar ist aber, ob und was für Konsequenzen hier eine falsche Bestätigung hätte.

Wichtig ist es hervorzuheben, dass es sich bisher nur um ein Konzeptpapier der deutschen Industrie handelt – es handelt sich um Vorschläge, die bisher keinerlei verbindliche Wirkung haben und erst einer gesetzlichen Umsetzung – auf Grund der Internationalität der Luftfahrt sinnvollerweise wohl auf europäischer bzw. internationalener Ebene – bedürfen würden. Zudem soll es sich um temporäre Maßnahmen handeln – was allerdings angesichts der nach wie vor herrschenden Unklarheiten hinsichtlich potentieller, weiterer Wellen des Coronavirus in der Zukunft zeitlich schwer einzugrenzen ist.

Kommt die Maskenpflicht beim Fliegen? – Fazit

Aus einer gesundheitlichen Perspektive erscheint es durchaus nachvollziehbar, dass – wie schon in sonstigen öffentlichen Verkehrsmitteln – auch eine Maskenpflicht beim Fliegen herrschen soll. Andererseits hinterlässt es durchaus einen negativen Beigeschmack, wenn nun nach jahrelangen Verschlechterungen in Sachen Economy Sitzbreite/Sitzabstand ausschließlich die Kunden zu Kompromissen gebeten werden, während aus “social distancing” Sicht von den Fluglinien keine verpflichtenden Maßnahmen getroffen werden sollen. Dazu kommt, dass eine Maskenpflicht bei Langstreckenflügen wohl eine große Komforteinbuße darstellt und vielleicht sogar wiederum unhygienisch wäre. Womöglich schreckt dies mehr Kunden ab als es Kunden wieder zu nicht-essentiellen Langstreckenflügen anregt.


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