Eurowings Parkende Flugzeuge Unsplash
22. April 2020 Kai 0 News

Luftfahrtgesellschaft Walter ist insolvent

Die deutsche Airline Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW), die als Wet-Lease-Partner von Eurowings zahlreiche Regionalstrecken bedient hat, ist zahlungsunfähig. Nachdem Eurowings im Zuge der Coronakrise, die weltweite Verwerfungen in der Luftfahrtbranche verursacht hat, den Vertrag mit der LGW kurzfristig aufgekündigt hatte, blieb kein anderer Schritt, als Insolvenz anzumelden. Eurowings war der einzige Kunde der LGW. Was aus den 354 Beschäftigten wird, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Von Air Berlin zur Lufthansa – Die Geschichte der Luftfahrtgesellschaft Walter

Die Luftfahrtgesellschaft Walter, 1980 gegründet von Fluglehrer Bernd Walter, blickt auf eine illustre und lange Geschichte zurück, in der sie sowohl Teil von Air Berlin als auch nach deren Insolvenz Teil von Lufthansa war. Angefangen hatte die Airline mit Rundflügen und einem “Seebäderdienst” zu den Nordseeinseln. Nach der Deutschen Einheit wurden dann viele Strecken in die neuen Bundesländer bedient. Im Jahr 2007 schließlich ging die LGW eine Kooperation mit der damals noch zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin ein und beteiligte sich auch an deren Vielfliegerprogramm Topbonus. 2009 führte Walter den letzten Flug unter eigenem Namen von der Insel Sylt nach Düsseldorf durch; seither hat die LGW nur noch Flüge für Air Berlin und nach deren Pleite dann für Eurowings durchgeführt. Im Mai 2017 gerade erst formal von Air Berlin übernommen und in den Konzern integriert, wurde die Luftfahrtgesellschaft Walter nur wenige Monate später im Zuge der Pleite von Air Berlin zur Insolvenzmasse und landete schließlich bei der größten deutschen Fluggesellschaft, der Lufthansa-Gruppe, für die sie im Wet-Lease Flüge für deren Billigtochter Eurowings durchführte.

Erst vor gut einem Jahr verkaufte Lufthansa die Airline, die ihren Flugbetrieb mit 15 Dash 8 Propellermaschinen von De Havilland durchführt, an die Zeitfracht Unternehmensgruppe, die zuvor bereits Teile der Techniksparte von Air Berlin übernommen hatte. Zeifracht führte die LGW mit ihrer zweiten Wet Lease Gesellschaft WDL Aviation zusammen und ließ den Flugverkehr unter der gemeinsamen Marke German Airways durchführen. Für das kommende Jahr war eigentlich eine große Flottenerneuerung geplant. Die alten DHC 8-400 sollten im Zuge dieser Erneuerung Stück für Stück gegen Embraer E 190 ausgetauscht werden.

Geschäftsführer Dominik Wiehage erklärte nun, dass nach der kurzfristigen Kündigung der Verträge durch Eurowings alle Versuche gescheitert sind, neue Partner zu finden, was angesichts des weltweiten Groundings ganzer Flotten von Fluglinien nicht wirklich erstaunlich ist. 354 Angestellte sind von der Insolvenz betroffen. 294 Beschäftigte sind dabei Kabinenpersonal und 60 weitere Beschäftigte Bodenpersonal in Technik und Verwaltung. Auch bei der Schwester-Airline unter dem Dach der Zeitfracht-Gruppe, der WDL Aviation, sieht es düster aus, denn deren Hauptkunde, die schwedische Regional-Airline Braathens, musste vergangene Woche bereits Insolvenz anmelden.

Luftfahrtgesellschaft Walter ist insolvent – Fazit

Das Konstrukt, das viele Airlines wählen, um Einfluss auf die Kostenstruktur zu behalten, indem man mit Wetlease-Partnern arbeitet, gibt den Airlines nun eine Galgenfrist in der Coronakrise, lässt dafür aber die Partner zuerst über die Klinge springen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die traditionsreiche Luftfahrtgesellschaft Walter noch nicht der letzte Nachruf sein wird, den wir in dieser Krise lesen werden.