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08. März 2020 Lothar 11 Coronavirus, News

Coronavirus: Lufthansa groundet A380-Flotte bis Mai [Update]

Aktuell überschlagen sich in Folge des Coronavirus die Nachrichten in der Luftfahrtbranche und der Lufthansa Gruppe. Nachdem zuletzt bereits zahlreiche Routen (insb. Italien, Iran, China) massiv reduziert oder ganz eingestellt wurden, gab die Lufthansa nun bekannt, als weiteren Schritt auch die temporäre Außerdienststellung sämtlicher Airbus A380-800 sowie die Reduktion des Flugangebotes um bis zu 50% zu prüfen.

Update:Wie aero.de mit Verweis auf ein internes Rundschreiben berichtet, ist die Entscheidung bereits gefallen. Bis mindestens Mai, potentiell womöglich aber sogar bis in den Juni hinein wird die gesamte A380-800 Flotte (14 Maschinen) außer Dienst gestellt und an den jeweiligen Standorten (Frankfurt, München) geparkt. Die durchschnittliche Flugauslastung bei der Lufthansa betrage in Folge des Coronavirus derzeit nur rund 35% – naheliegend also, dass der Betrieb der mit 509 Sitzen konfigurierten A380-800 derzeit besonders unwirtschaftlich ist.

Auch Maßnahmen auf personeller Ebene werde man in den nächsten Tagen mit den Mitarbeitern besprechen, vorstellbar wären wohl unbezahlte Urlaube oder Kurzarbeit. Letzteres ist bei der Konzerntochter Austrian bereits der Fall, die österreichische Fluglinie hat vor zwei Tagen beim Arbeitsmarktservice einen Antrag auf Kurzarbeit eingereicht.

Wird die A380-800 Flotte temporär außer Dienst gestellt?

Wie Lufthansa heute bekanntgab, soll die Kapazität innerhalb der gesamten Lufthansa Gruppe in den kommenden Wochen um bis zu 50% reduziert werden. Begründet wird dies mit der desaströsen Buchungslage in Folge der Verbreitung des Coronavirus. Im Rahmen dessen prüft die Lufthansa derzeit auch, die gesamte Airbus A380-800 Flotte (14 Maschinen) temporär außer Dienst zu stellen. Der A380 ist bei der Lufthansa in einer 4-Klassen-Konfiguration mit 509 Sitzen konfiguriert und somit bei der niedrigen Nachfrage zur Zeit umso schwieriger zu füllen.

Lufthansa A321 Außer Dienst Copyright
Auch ein Airbus A321-100 wurde bereits außer Dienst gestellt © Lufthansa

Massive Reduzierung des Angebots innerhalb der Lufthansa Gruppe

Bereits seit längerem sind sämtliche Direktflüge der Lufthansa Gruppe nach Festlandchina ausgesetzt und zuletzt auch Flüge nach Italien drastisch reduziert worden, allen voran jene in den Norden des Landes (Lufthansa ändert Flugplan wegen Coronavirus). Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Flüge nach Norditalien gänzlich eingestellt werden. Die österreichische Regierung ist hier bereits vorgeprescht und hat am Freitagabend sämtliche Direktflüge von und nach Südkorea, Norditalien und Iran untersagt.

Auch auf personeller Ebene werden bei der Lufthansa Gruppe derzeit Maßnahmen überlegt – von unbezahltem Urlaub und Bildungskarenz für nicht benötigte Mitarbeiter ist die Rede.

Birgt der Coronavirus existenzbedrohende Auswirkungen für Luftfahrtunternehmen?

Es sinkt nicht nur die Nachfrage nach Flügen in die derzeitigen Hauptkrisenregionen (Italien, Iran, Südkorea), sondern die Nachfrage nach Flügen allgemein. Dies hat natürlich katastrophale Auswirkungen auf die Fluglinien, denn mit halbleeren Flugzeugen herumzufliegen ist höchst unwirtschaftlich. Das Problem dabei: die EU-Slot-Verordnung besagt, dass ein Slot (Zeitfenster, in dem ein bestimmter Flug starten oder landen darf) innerhalb einer Flugplanperiode von der Fluglinie zumindest zu 80% genutzt werden muss, widrigenfalls der Slot neu vergeben wird (sog. “80/20-Regel”). Eine temporäre Aussetzung der “80/20”-Regel für Flüge nach Festlandchina war bisher zwar möglich, eine Aussetzung der Regel für den gesamten Sommerflugplan lehnt die EU bisher aber ab. Die IATA vertritt hier die Interessen der Fluglinien und versucht, eine Lösung mit der EU herbeizuführen.

Mit großer Sorge wird derzeit ferner die Ausbreitung des Coronavirus in den USA beobachtet. Sollten die USA – ähnlich wie etwa Israel, das ua. eine Einreisesperre für Reisende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz verhängt hat – umfassende Einreisebeschränkungen einführen, hätte dies wohl desaströse Konsequenzen für die europäischen Luftfahrtunternehmen (Wegbrechen des Transatlantikgeschäfts) und könnte womöglich sogar zu der ein oder anderen Insolvenz führen. Bereits jetzt ist mit Flybe die erste (Regional-)Fluglinie der Krise zum Opfer gefallen.

Wie seht ihr die Auswirkungen des Coronavirus auf die Luftfahrt? Alles nur Panikmache, oder hat die nächste Krise der Luftfahrt bereits angefangen?

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