Klm Air France Gate Flughafen Toronto
01. Mai 2020 Kai 0 Coronavirus, News

LH, IAG, Air France/KLM – Netzwerk-Airlines in der Krise

Die Coronakrise hat die internationale Luftfahrt weiterhin fest in ihrem Griff und viele große Airlines haben gerade die Verlängerung ihrer Sonderflugpläne bis mindestens Ende Mai bekannt gegeben. Während Billigflieger erstaunlich ruhig sind in den Rufen nach staatlichen Hilfen, füllen die drei großen europäischen Netzwerk-Airline-Konzerne Lufthansa, IAG und Air France/KLM täglich die Nachrichten mit neuen Summen, die zur Rettung von Zehntausenden Arbeitsplätzen benötigt werden. Es zeichnet sich jetzt bereits ab, dass die europäische Luftfahrt nach der Krise anders aussehen wird als heute.

International Airlines Group (IAG) – Vorreiter gegen den Protektionismus?

Die Airlines der International Airline Group IAG British Airways, Iberia, Aer Lingus, Vueling und Level haben im ersten Quartal einen Verlust von über einer halben Milliarde Euro eingefahren. 535 Millionen Euro Verlust stehen dort zu Buche, wo im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 135 Millionen Euro eingefahren werden konnte. Der Umsatz sank um vergleichsweise moderate 13% auf 4,2 Milliarden Euro und der Konzern verfügt über 9,5 Milliarden Euro Finanzmittel, wovon knapp sieben Milliarden Euro kurzfristig verfügbare Barmittel sind.

Das zweite Quartal werde allerdings deutlich drastischere Verluste mit sich bringen, weil neben dem Minus aus dem operativen Geschäft noch Währungs- und Kerosinpreissicherungsgeschäfte in Höhe von 1,2 Milliarden Euro anstünden. Entsprechend der trüben Aussichten für die nächste Zeit und angesichts der Tatsache, dass man Jahre brauchen werde, um beim Passagieraufkommen auf das Niveau von 2019 zurückzukehren, kündigte IAG zudem auch an, alleine bei der Tochter British Airways 12.000 von insgesamt 42.000 Arbeitsplätzen auf den Prüfstand zu stellen. Ca. 22.600 Arbeitnehmer sind bereits in Kurzarbeit und beziehen 80% ihres Gehalts nun von der britischen Regierung. Ein Rettungspaket darüber hinaus wird es aber nach Auskunft von British Airways-Chef Alex Cruz nicht geben.

“Wir müssen diese Krise selbst überwinden. Es gibt keinen staatlichen Hilfsplan für British Airways, und wir können nicht erwarten, dass der Steuerzahler die Löhne auf unbestimmte Zeit zahlt.”

Was vielleicht für British Airways gelten mag, ist für die andere große Konzerntochter der IAG, die spanische Iberia, kaum durchzuhalten. Aktuell wird gerade der im letzten Jahr vollzogene Kauf des spanischen Konkurrenten Air Europa abgeschlossen, was nicht nur eine Milliarde Euro kostet, sondern auch eine Flotte vergrößert, die aktuell am Boden bleiben muss. Es ist augenscheinlich, dass die eine Milliarde Euro an abgesicherten Krediten durch die spanische Regierung nicht reichen wird, zumal Spanien zu den vom Coronavirus am stärksten betroffenen Ländern weltweit gehört und zu einem Großteil vom Tourismus abhängig ist. Wenn Iberia Staatshilfen bekommt, ist das durchaus pikant, denn der Mutterkonzern hatte erst vor wenigen Wochen lautstark gegen die staatlichen Hilfen Italiens für deren Flagcarrier Alitalia gewettert. Es wird spannend sein, inwieweit die IAG ihre Rolle als Vorreiter gegen den Protektionismus angesichts der tiefen Verwerfungen durchhalten kann.

Lufthansa Group – Arbeitsplatzverluste und staatlicher Einfluss

Die Zahlen der Lufthansa-Gruppe sind noch etwas schlechter als die der IAG, doch bemühen sich die Airlines der LH-Gruppe in ihren jeweiligen Heimatländern aktiv um staatliche Unterstützung. Die Gesamtsumme, die aktuell im Raum steht, bewegt sich deutlich über zehn Milliarden Euro (10 Milliarden Euro Staatshilfe – Lufthansa macht Milliardenverlust). Allein für die deutsche Lufthansa soll es ein Paket geben, das ungefähr neun Milliarden Euro schwer sein dürfte. Auch bei der Lufthansa geht es natürlich um Arbeitsplätze. Bis zu 10.000 Stellen stünden zur Disposition, erklärte Konzernlenker Spohr. Da es schwer vorstellbar ist, dass eine Bundesregierung Milliardensummen in die Hand nimmt, um einen Arbeitsplatzabbau finanziell abzusichern, dürfte die hohe Zahl vor allem Drohkulisse bei den Verhandlungen mit der Bundesregierung sein. Dennoch ist es absehbar, dass auch bei der Lufthansa Arbeitsplätze verloren gehen werden – vermutlich aber sozialverträglicher im Rahmen von Altersteilzeit-Regelungen etc.

Lufthansa Flugzeuge Flughafen Frankfurt

Auch die Regierungen von Österreich, Belgien und der Schweiz, mit denen die weiteren Konzerntöchter der Lufthansa-Gruppe um staatliche Hilfen verhandeln, haben natürlich Interessen, die sie mit der Gewährung von Hilfen verbinden und das Hauptinteresse gilt dabei natürlich immer der Aufrechterhaltung der Infrastruktur und Sicherung von Arbeitsplätzen im eigenen Land, denn in der Krise ist man schließlich stets sich selbst am nächsten. Wenn aber jedes Land seine Bedingungen für die Gewährung von Hilfen durchsetzt, ist auf der anderen Seite eine einheitliche Konzernstrategie schwer zu verfolgen. So ist auch der Konter der österreichischen Regierung auf die Drohung mit einer Insolvenz der Austrian Airlines zu verstehen, dass man in dem Fall eben eine Neugründung mit anderen Partnern prüfen würde. Sicherlich ist dies im Falle von AUA nicht viel mehr als Theaterdonner, doch es beschreibt die Probleme, die multinationale Konzerne in einer Krise bekommen können. Konnte man Gewerkschaften in guten Zeiten mit Arbeitsplatz- und Standortverlagerung drohen, ist man nun auf die Hilfe der nationalen Regierungen angewiesen.

Air France/KLM – Scheidung auf Raten

Was passiert, wenn man unterschiedliche nationale Interessen in einem multinationalen Konzern nicht mehr unter einen Hut bekommt, kann man im Moment gut an der dritten großen europäischen Netzwerk-Airline beobachten. Schon seit 2018 der neue Konzernchef Benjamin Smith das Ruder bei Air France/KLM übernommen hat und seither eine engere Verzahnung der beiden größten Airlines des Verbundes betreibt, knirscht es zwischen den beiden Partnern gewaltig. Als Reaktion hat die niederländische Regierung ihren Aktienanteil Anfang 2019 deutlich auf 12,68% erhöht. Ziel ist mit Frankreich gleichzuziehen, um auf Augenhöhe mitreden und die eigenen nationalen Interessen effektiver vertreten zu können. Die Coronakrise könnte nun bei Air France/KLM als Brandbeschleuniger dienen. Beide großen Airlines haben staatliche Hilfen beantragt; Frankreich gewährt Air France ca. sieben Milliarden Euro Staatshilfe, KLM kann mit ungefähr vier Milliarden Euro rechnen. Beide Regierungen haben aber bereits angekündigt, dass das Geld nicht zur Rettung der jeweils anderen Airline zweckentfremdet werden dürfe.

Vor der Krise stand KLM wirtschaftlich sehr viel besser da als der französische Partner. Während bei Air France auch durch viele Personalrochaden nie wirklich Ruhe einkehrte und keine einheitliche Strategie verfolgt wurde, war KLM-Chef Pieter Elbers extrem erfolgreich. Steigerung der Passagierzahlen seit seinem Amtsantritt 2011 um 50% und eine Auslastung, die zuletzt stattliche 89% erreichte, befeuern die Diskussion um die Frage, ob man alleine oder im Verbund mit anderen neuen Partnern nicht vielleicht erfolgreicher sein könnte als unter dem Dach von Air France/KLM.

Netzwerk-Airlines in der Krise – Fazit

Ein Ergebnis der Krise wird nicht nur die Verkleinerung von Flotten sein, sondern wir werden möglicherweise auch eine Renationalisierung von Airlines aus einem multinationalen Airline-Verbund erleben. Nicht auszuschließen ist auch, dass sich neue Formationen bilden und die bisherigen großen Player einzelne Airlines verlieren werden.

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