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15. Juli 2020 Markus 0 News

Politikbrief der Lufthansa – Eine Zusammenfassung

Lufthansa hat einen Politikbrief veröffentlicht, der viele Maßnahmen und Vorgänge der letzten Wochen zusammenfasst. Neben vielen bereits bekannten Informationen sind auch ein paar interessante neue Informationen, Zahlen und Stellungnahmen dabei, sowie auch Forderungen der Lufthansa an die Politik. Wir haben die neuen Erkenntnisse aus dem Politikbrief herausgezogen, die so noch nicht in den Pressemitteilungen der letzten Wochen zu lesen waren.

Flugangebot im Vergleich zu 2019 – Verlust von 1 Mio. Euro pro 1,5 Stunden

Im ersten Teil des Schreibens geht Lufthansa auf den deutschen Luftverkehr ein. Der absolute Tiefpunkt der Flugangebots an deutschen Flughäfen lag in Kalenderwoche 17 (20.04.2020 bis 26.04.2020) bei weniger als 5% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Seitdem erholt sich das Flugangebot langsam und entsprach in KW28 (06.07.2020 bis 12.07.2020) rund 27% des Vorjahresniveaus. Eine ähnliche Entwicklung kann man am Flughafen Frankfurt, dem größten Flughafen in Deutschland, feststellen (Verkehrszahlen des Flughafen Frankfurt im Verlauf von Corona).

Bereits Anfang April hatten wir davon berichtet, dass die Lufthansa Group eine Million Euro pro Stunde verliert. Bis Ende des Jahres wird sich die Situation laut Lufthansa nur leicht verbessern, was sich auch an der Zunahme der Flugangebots ableiten lässt. Die Lufthansa Group geht davon aus Ende 2020 nur noch alle 90 Minuten eine Million Euro Verlust zu machen.

Politikbrief 07 2020 Der Lufthansa Verlauf Des Flugangebots In Deutschland
Verlauf des Flugangebots an deutschen Flughäfen © Lufthansa

Lufthansa kontert Ryanair Kritik

Wiederholt hat Ryanair angekündigt, gegen alle staatlichen Hilfen für Netzwerk-Airlines Klage einzureichen (Ryanair klagt gegen Lufthansa Rettungspaket). Nicht nur Lufthansa ist davon betroffen, sondern auch KLM, Air France oder Finnair. Der Billigflieger sieht durch die staatlichen Rettungspakete eine Verzerrung des Wettbewerbs in Europa. Auf diese Kritik hat Lufthansa nun mit einem Statement reagiert.

„Staatliche Eingriffe können den internationalen Wettbewerb einschränken. Sie müssen eine Ausnahme in der Krise und zeitlich begrenzt sein. Darauf hinzuweisen, ist grundsätzlich richtig. Wer aber Äpfel mit Birnen vergleicht und sich zugleich niedrige Sozialstandards zunutze macht – dessen Kritik überzeugt nicht.“

Denn erstens hätten Netzwerk-Airlines viel höhere Fixkosten und benötigten eine längere Zeit, um sich zu erholen. Zweitens musste Lufthansa sich gegenüber der EU verpflichten bis zu 24 Slots an die Konkurrenz abzugeben, um das Rettungspaket in Höhe von neun Milliarden Euro zu erhalten (Lufthansa Aufsichtsrat stimmt Rettungspaket zu – LH muss Slots abgeben). Dies sei ein deutlicher Eingriff in das Geschäftsmodell einer Netzwerk-Airline.

Lufthansa führt dies am Beispiel eines ausgewählten Langstreckenfluges von Frankfurt nach San Francisco aus. Laut Lufthansa starteten lediglich 20% der Passagiere ihre Reise in Frankfurt, die restlichen 80% kamen mit Zubringern aus 81 Destinationen nach Frankfurt geflogen, um von dort weiter in die USA zu reisen. Damit möchte Lufthansa verdeutlichen, wie schwerwiegend der Wegfall von Slots ist. Zubringerflüge fallen weg und Passagiere auf der Langstrecke gehen verloren.

Politikbrief 07 2020 Der Lufthansa Beispiel Einer Umsteigeverbindung In Frankfurt
Verteilung der Passagiere eines Langstreckenflugs nach SFO an einem Beispiel © Lufthansa

Forderungen der Lufthansa an die Politik

Auch wenn der Luftverkehr sich langsam wieder erholt sieht Lufthansa die Politik in Deutschland und der Europäischen Union in der Pflicht. Der Reiseverkehr müsse weiter gestärkt werden und mehr Planungssicherheit für Fluglinien entstehen.

Reisebeschränkungen

Einreiserestriktionen sollen vereinheitlicht und synchronisiert werden, da Reisende mittlerweile den Überblick verloren haben, welche Beschränkungen gelten oder aktuell sind. Zudem sollen die Einreiserestriktionen regelmäßig überprüft und wo möglich auch gelockert werden. Aktuell gilt die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amts nämlich noch für ungefähr 160 Länder.

Die Liste der EU-Kommission, die Staatsbürgern von 15 Ländern die Einreise in die Europäische Union ermöglicht, wurde von Deutschland nur teilweise umgesetzt. Momentan dürfen nur Staatsbürger aus 11 Ländern, die auf dieser Liste stehen, in die Bundesrepublik einreisen. Hier sieht Lufthansa einen Wettbewerbsnachteil. Außerdem befürwortet die Lufthansa das Prinzip: Mehr Tests, weniger verpflichtende Quarantäne bei Einreise.

Aussetzung der Slot-Vergabe

Aktuell ist die Slot-Regulierung durch die EU noch bis Oktober ausgesetzt. Sollte diese nicht verlängert werden, müssten die Fluggesellschaften im Winterflugplan 2020/21 wieder 80% der Flüge auf diesen Routen bedienen, um die Slots nicht zu verlieren. Um leere Flüge zu vermeiden, spricht sich die Lufthansa für die Verlängerung der Aussetzung aus.

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