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22. Februar 2020 Kai 6 Coronavirus, News

Singapore Airlines streicht Hunderte Flüge – auch nach Deutschland

Man kann die Hysterie um das Coronavirus COVID-19 aus medizinischer Sicht für übertrieben halten, doch in wirtschaftlicher Hinsicht sind die Auswirkungen des im Dezember 2019 in der chinesischen Provinz Hubei ausgebrochenen Virus gerade in der Luftfahrtbranche immer ernsthafter zu spüren. Nun hat Singapore Airlines die Streichung von über 700 Flügen, darunter auch einige nach Deutschland und Europa, bekannt gegeben.

Es handelt sich bei den gestrichenen Flügen nicht um Verbindungen nach China (diese werden wie von vielen anderen Fluglinien schon lange nicht mehr bedient) sondern um Streichungen von Flügen im restlichen globalen Netzwerk von Singapore Airlines. In der knapp gehaltenen Mitteilung auf der Webseite von Singapore Airlines weist die Airline darauf hin, dass durch den Ausbruch des Corona-Virus die Nachfrage nach Flügen deutlich zurück gegangen sei. Man werde weiterhin die Lage im Auge behalten und gegebenenfalls auch weitere Anpassungen am Flugkalender vornehmen, wenn das erforderlich ist. Betroffene Passagiere würden auf andere Flüge umgebucht werden, teilt Singapore Airlines weiter mit, verweist aber auch Passagiere, die nicht direkt über die Webseite der Airline gebucht haben, an ihr Reisebüro.

Am stärksten von den Streichungen betroffen sind die Verbindungen zwischen Singapur und Japan und Südkorea. Zwischen Seoul und Singapur werden allein über 80 Flüge gestrichen, darunter auch sehr kurzfristig Flüge für die kommende Woche. Auch beide Airports in Tokio, Haneda und Narita, werden deutlich weniger von Singapore Airlines angeflogen. FLug SQ630 nach Tokio Haneda ist zum Beispiel für fast den gesamten Mai 2020 gecanceled. Überhaupt scheint der Mai am stärksten von den Streichungen betroffen. Viele Routen nach Australien, wie Sydney, Melbourne oder Perth werden im Mai zusammen gestrichen.

Auch Frankfurt und Düsseldorf betroffen

Auch die beiden Strecken zwischen Singapur und Deutschland, Flug SQ326/325 nach und von Frankfurt, sowie SQ338/337 nach und von Düsseldorf sind von der Ausdünnung des Flugplans betroffen. Folgende Verbindungen wurden gestrichen:

  • SQ326 Singapur nach Frankfurt: 10.03.20, 24.03.20, 07.04.20, 28.04.20, 05.05.20, 12.05.20, 19.05.20 und 26.05.20, sowie die Rückflüge am gleichen Tag
  • SQ325 Frankfurt nach Singapur: 10.03.20, 24.03.20, 07.04.20, 28.04.20, 05.05.20, 12.05.20, 19.05.20 und 26.05.20
  • SQ26 5th-Freedom Flug von Singapur über Frankfurt nach New York: 10.05.20, sowie der Rückflug
  • SQ25 New York über Frankfurt nach Singapur: 11.05.20
  • SQ338 Singapur nach Düsseldorf: 12.05.20, 19.05.20, 26.05.20, sowie die Rückflüge
  • SQ337 Düsseldorf nach Singapur: 13.05.20, 20.05.20, 27.05.20

Wer auf einen dieser Flüge gebucht war, sollte eigentlich automatisch auf einen alternativen Flug umgebucht werden, doch macht es sicherlich Sinn, sich in diesem Fall auch eigeninitiativ an Singapore Airlines zu wenden, wenn ihr denn direkt über Singapore Airlines gebucht habt. Es ist allerdings mit langen Wartezeiten in der Callcenter-Warteschleife zu rechnen, denn bei einer Ausdünnung des Flugplans in diesem Ausmaß werden kaum kurzfristig ausreichende Kapazitäten an der Hotline zugeschaltet werden können.

Weitere Einschränkungen im Flugverkehr zwischen Singapur und Europa gibt es vereinzelt auf den Strecken nach Paris und Kopenhagen und stärkere Einschränkungen auf der Strecke nach London, wo der Flug SQ318/321 fast für den gesamten Mai gestrichen wurde. Die Auflistung aller gestrichenen Flüge findet ihr hier.

Singapurs Anfälligkeit einer “Global City”

Singapur als Reiseziel leidet offenbar unter der Lage und der Rolle des Stadtstaates. Obwohl Singapur kein direktes Nachbarland zu China ist und auch schon sehr frühzeitig rigoros die Einreise und den Transit für Reisende aus Festland-China unterbunden hat, scheint man hier besonders vom generellen Rückgang des Tourismus und der geschäftlichen Reisetätigkeit in Südostasien betroffen zu sein. Obwohl es in Singapur weniger bestätigte Fälle von COVID-19 als in Deutschland und auch den allermeisten anderen Ländern in Asien gibt, scheinen Reisende generell Angst vor der Ausbreitungsfähigkeit solcher Epidemien in großen Städten zu haben. Dazu kommt auch eine allgemein verringerte Reiselust angesichts der Corona-Epidemie. In der Handels- und Finanzdrehscheibe Singapur reagieren Firmen auf das Corona-Virus, indem man Mitarbeiter von zu Hause arbeiten lässt und die Reisetätigkeit von und nach Singapur deutlich einschränkt.

Während ein solcher Umsatzeinbruch, der mit der Streichung einer solchen Menge an Flügen unweigerlich einhergeht, so mancher klammen Fluggesellschaft das Genick brechen könnte, gehen Analysten davon aus, dass Singapore Airlines die Quartalsdelle gut wegstecken dürfte, zumal die Regierung des Stadtstaats bereits umfangreiche Hilfspakete geschnürt hat, von denen auch die Staats-Airline im Notfall profitieren könnte. Singapore Airlines ist mit dem Rückgang der Passagierzahlen im asiatisch-pazifischen Raum natürlich nicht allein. Die australische Fluglinie Qantas hatte erst kürzlich ebenfalls eine Ausdünnung des Flugkalenders um ca. 15% bekannt gegeben.

Singapore Airlines streicht hunderte Flüge – Fazit

Immer deutlicher wird, dass Virus-Epidemien in einer globalisierten Welt nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Singapore Airlines streicht über 700 Flüge und ich selbst wäre auf meinem Rückflug von Seoul in ein paar Tagen beinahe davon betroffen. Wer nicht nur beinahe sondern unmittelbar betroffen ist, sollte sich aktiv um Umbuchungen kümmern und idealerweise schon selbstständig nach Alternativen suchen und diese bei der Hotline ansprechen – wenn man denn durchkommt.

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