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22. Juni 2020 Markus 0 Coronavirus, News

Steht die kontrollierte Pleite der LOT bevor? – Klon beantragt offenbar Betreiberzeugnis

Gerade erst haben wir über die finanziellen Schwierigkeiten der LOT Polish Airlines berichtet und sind darauf eingegangen, dass die Polish Aviation Group (PGL), Muttergesellschaft der LOT, ein weiteres Tochterunternehmen mit dem Namen „LOT Polish Airlines“ gegründet hat. Von einem LOT-Klon ist in den Medien die Rede. Im Falle einer kontrollierten Pleite der LOT Polish Airlines könnte der Klon zum Nachfolger aufgebaut werden. Laut polnischen Medien hat er hierfür einen wichtigen Schritt unternommen, indem er ein Betreiberzeugnis beantragt hat.

LOT Polish Airlines kam schon früh in der Corona-Krise in Turbulenzen. Das Star Alliance-Mitglied war Mitte März eine der ersten Fluglinien, die, aufgrund von staatlichen Restriktionen, ihren Flugverkehr komplett einstellte. Mitte April nahm LOT offiziell Abstand von der geplanten Übernahme des deutschen Ferienfliegers Condor. Die Entdeckung des LOT-Klons durch die polnische Presse fachte Spekulationen an, dass der polnische Staat an einer kontrollierten Pleite der „echten LOT“ arbeite. Laut PGL diene der LOT-Klon nur dazu, betriebliche Aktivitäten zu ordnen und Jacek Sasin, stellvertretender Ministerpräsident Polens und Minister für Staatsunternehmen, verwies diese Spekulation Anfang Juni ins Reich der Fabeln.

Mittlerweile hat Sasin sich korrigiert und nannte einen kontrollierten Bankrott der Staatsairline als letzten, aber möglichen Ausweg. Das polnische Portal Pasazer, das den Klon überhaupt entdeckte, will herausgefunden haben, dass jener Klon ein Betreiberzeugnis, ein sogenanntes Air Operator Certificate (AOC), beantragt habe. Um Flüge durchführen zu können, benötigt jede Airline ein solches Betreiberzeugnis. Voraussetzung hierfür sind qualifiziertes Personal, ausreichend finanzielle Mittel und eine Flotte von mindestens einem Flugzeug. Sollte der LOT-Klon tatsächlich ein AOC erhalten, wird eine kontrollierte Pleite der alten LOT immer wahrscheinlicher. Der große Vorteil einer Insolvenz wäre, dass alle Arbeits- und Leasingverträge ihre Gültigkeit verlieren würden. Dadurch ließen sich durch Neuverhandlungen die Kosten für Personal und Leasing wohl deutlich verringern. Ähnliches hat auch British Airways vor. Sollten die Tarifverhandlungen nicht schnell zu einem schnellen Abschluss kommen, so drohte British Airways damit, alle Piloten der Airline zu entlassen und dann unter neuen Konditionen neu einzustellen.

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