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22. November 2019 Kai 0 News

Thai Airways auch im 3. Quartal 2019 mit Rekordverlust

Die Skytrax 4-Star-Airline THAI Airways International hat auch im dritten Quartal 2019 einen Verlust in Höhe von knapp 140 Millionen Euro eingefahren. Die staatliche Airline von Thailand hat damit kumuliert im Jahr 2019 bereits 328 Millionen Euro Verlust gemacht. Als Gründe werden von offizieller Seite allgemein die konjunkturelle Abkühlung der Weltwirtschaft, der starke Baht-Kurs und die Konkurrenz mit den gerade in Asien starken Billigfliegern genannt. Doch auch das Missmanagement beim Flottenausbau und andere hausgemachte Probleme bringen den Traditionsflieger in Turbulenzen.

THAI Airways – Präsentation der Quartalszahlen

Der Präsident von THAI Airways International, Sumeth Damrongchaitham, teilte bei der Vorstellung der Quartalszahlen für das dritte Quartal 2019 mit, dass der eingeschlagene Weg der Kostensenkung zu einer Reduzierung der Ausgaben um 7,8% geführt habe. Allerdings sähen sich Fluggesellschaften im Allgemeinen derzeit einem schwierigen Wettbewerbsumfeld ausgesetzt, das geprägt sei von weltwirtschaftlicher Stagnation bei gleichbleibend hohem Wettbewerbsdruck in der Luftfahrtbranche, dem auch einige Airlines in der jüngsten Zeit schon zum Opfer gefallen seien. Für THAI kämen noch spezifische Faktoren wie der starke Baht-Kurs gegen die meisten großen Währungen und eine staatlich verordnete Rückstellung für Pensionierungen von langfristig Beschäftigten hinzu, die insgesamt für einen starken Quartalsverlust sorgten. Unter dem Strich erwirtschaftete THAI im dritten Quartal 2019 45,016 Milliarden Baht (ca. 1,34 Mrd. Euro), was einem Rückgang des Umsatzes um 6,1% im Vergleich zum dritten Quartal des vorangegangenen Jahres entspricht. Zwar konnten die Kosten im Vergleich zum Vorjahr auf 47,858 Mrd. Baht  (ca. 1,43 Mrd. Euro) um 7,8% gesenkt werden (teilweise durch Aufschub von Investitionen, wie Damrongchaitham einräumt), doch unter dem Strich ist der Schuldenberg von THAI im dritten Quartal um 4,68 Mrd. Baht (140 Mio. Euro) angewachsen.

Missmanagement und kommunikatives Desaster bei THAI

Doch das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Natürlich führen die negativen Einflüsse der Weltwirtschaft zu einem generellen Abflauen der Nachfrage nach Reiseprodukten und natürlich ist Thailand, das aufgrund des enorm starken Kurses ihrer Währung Thai Baht gegenüber fast allen großen Währungen der Welt einen Rückgang des Tourismus besonders aus europäischen Ländern, Australien und den USA zu beklagen hat, hiervon besonders betroffen. Auch politische Einflüsse, wie eine zwangsverordnete Rückstellung von umgerechnet ungefähr 80 Millionen Euro für Vorruhestandsregelungen, die das State Enterprise Labour Committee für alle Staatsbediensteten ins Leben gerufen hat, tun ihr Übriges, die prekäre wirtschaftliche Lage beim Flagcarrier weiter zu verschärfen.

Doch wirkt der Umgang mit der Krise auch nicht immer souverän. Nach Gerüchten über drohende Zahlungsunfähigkeit bei Thailands Staatscarrier, die durch kommunikatives Durcheinander weiter befeuert wurden, sah sich das Star Alliance Gründungsmitglied zu einer Richtigstellung gedrängt. Der in der thailändischen Regierung für Thai Airways zuständige Transportminister Thaworn Senneam hatte Anfang Oktober wissen lassen, dass er vom Konzern-Management Antworten auf die Frage erwarte, wie man die Spirale von immer schneller anwachsenden Schulden stoppen könne. Thai Airways Präsident Damrongchaitham hatte daraufhin in einer Mitarbeiterversammlung davor gewarnt, dass dem Unternehmen die Schließung drohen könnte, wenn die Belegschaft nicht bei der geplanten Umstrukturierung kooperieren würde, was unmittelbar zu Schockwellen in der Luftfahrtindustrie führte.

Flottenharmonisierung bei THAI dringend erforderlich

Dazu kommt, dass in der Vergangenheit der Ausbau der Flotte jeweils mehr den kurzfristigen Notwendigkeiten als einer strategischen Ausrichtung geschuldet war, was zu einem “Gemischtwarenladen” im THAI-Hangar geführt hat. So besteht die Flotte aus viel zu vielen verschiedenen Mustern, für die teilweise jeweils eigenes Personal eingestellt und geschult werden muss. Aktuell besteht die Flotte aus:

  • 15 A330-300
  • 12 A350-900
  • 6 A380-800
  • 8 Boeing 747-400
  • 6 Boeing 777-200
  • 6 Boeing 777-200ER
  • 6 Boeing 777-300
  • 14 Boeing 777-300ER
  • 6 Boeing 787-800
  • 2 Boeing 787-9
  • 20 A320-200 (operated by Thai Smile)

Die Flugzeuge haben ein Durchschnittsalter von 9,7 Jahren. Der zweistufige Restrukturierungsplan für die Flotte, den die Regierung 2011 genehmigt hatte, sieht nun eigentlich die Anschaffung von 38 weiteren Flugzeugen für insgesamt 4,67 Milliarden Euro vor, die zwischen 2021 und 2026 in Dienst gestellt werden sollten. Vor dem Hintergrund der finanziellen Situation hat das Transportministerium das THAI-Management deutlich wie nie öffentlich für das Missmanagement gerügt, das zu dem angehäuften Schuldenberg geführt habe. Es seien “wichtige Investmentprinzipien missachtet” worden und der Restrukturierungsplan mit den geplanten Neuanschaffungen müsse in den nächsten sechs Monaten überarbeitet werden. Man fordere daher sämtliche Unterlagen wie Marktanalysen, Kundenverhalten, Flugrouten, Betriebskosten, erwartete Gewinne und Nutzungspläne für die Flieger an. Man sollte eigentlich meinen, dass das bei einem Investitionsvolumen dieser Größenordnung ohnehin Usus sei. Jedenfalls hat der Verwaltungsrat der Airline die Pläne nun für sechs Monate auf Eis gelegt.

Die dringend erforderliche Flottenharmonisierung ist allerdings angesichts einer stark saisonabhängigen Nachfrage leichter gesagt als getan. Am leichtesten ließen sich sicherlich die alten Boeing 747-400 in Ruhestand schicken, zumal modernere Flugzeuge vom Typ A350 die gleiche Reichweite liefern. Die Problembären in der Flotte sind freilich die Maschinen vom Typ A380, die bei einer touristischen Hauptsaison von drei bis vier Monaten im Jahr zu selten voll ausgelastet sind. Unglücklicherweise gibt es für den A380 auch keinen echten Gebrauchtmarkt, so dass die sechs Maschinen, die allesamt kaum älter als sechs Jahre und im Besitz von THAI sind, lediglich noch Materialwert haben.

Für Vielflieger und Meilensammler wäre die Außerdienststellung von Boeing 747 und A380 nebenbei natürlich eine Katastrophe, ist doch ausschließlich in diesen beiden Flugzeugtypen eine First Class verbaut. Es ist anzunehmen, dass THAI auch aus Prestigegründen an einer First Class Bestuhlung festhalten wird.

Gibt es ein Comeback des A340?

Das Transport-Ministerium hat noch eine weitere Idee aus dem Hut gezaubert: THAI hat seit Anfang 2015 sechs außer Dienst gestellte A340-600 auf dem kleinen Regionalflughafen U-Tapao geparkt, wo die millionenschweren Flieger, die THAI selbst gehören, nun seit bereits fast fünf Jahren vor sich hinrosten – damals übrigens auf politischen Druck hin. Nun meint das Ministerium, man solle doch bitte prüfen, ob die Flieger nicht mit einem frischen Interieur ausgestattet und wieder verwendet werden können.

Nun war die Einmottung 2015  ja nicht ohne Grund geschehen. Die A340 sind mit ihrer vierstrahligen Ausstattung viel ineffizienter als die zweistrahligen A330 oder A350 oder auch Boeing 777 oder 787. Einige Airlines wie Etihad oder Qatar haben ihre A340 daher bereits eingemottet, andere wie Iberia reduzieren den Bestand schneller, als es die Lebensdauer eigentlich gebieten würde.

Ein weiteres Problem ist die premium-lastige Bestuhlung des A340 von THAI. Ganze 60 Business Class-Sitze sind hier verbaut, genau so viele wie in dem viel größeren A380. Es müssten also nicht nur ein paar neue Sitze und ein frisches Kabinendesign her sondern eine grundlegende Rekonfiguration der gesamten Kabine. Dies würde sicherlich auch deutlich länger als ein Jahr dauern. Die A340-600 von THAI wurden zwischen 2005 und 2008 ausgeliefert und wären bis zur Wiederaufnahme des Flugbetriebs wohl ca. 13 bis 16 Jahre alt. Auf der anderen Seite kosten die Maschinen auch Geld, wenn sie weiterhin in Ban Chang vor sich hin rosten und auf einen Käufer warten, der voraussichtlich nie kommen wird.

Das Hin und Her um den Ladenhüter A340, der dereinst für die kurzlebigen US-Direktflugträume angeschafft wurde, veranschaulicht eines der augenscheinlichsten Probleme bei THAI: Fehlende Konsistenz bei der Ausrichtung und Schnelllebigkeit bei der Besetzung der Managementposten. Auch bei früheren Bestellungen von Flugzeugen wurde oft auf kurzfristige Pläne und Ideen, aber selten auf die langfristige Ausrichtung Rücksicht genommen. So hat man einen Flickenteppich von Mustern in der Flotte und viele Routen werden vollkommen unwirtschaftlich mit zu großen Maschinen bedient, weil entweder keine kleinere Maschine oder kein Personal für den Flugzeugtyp zur Verfügung steht.

THAI Airways – Fazit und Ausblick

Die Situation bei Thai Airways ähnelt aufgrund des staatlichen Einflusses ein wenig der Situation bei der Deutschen Bundesbahn vor der Verstaatlichung. Durch die finanzielle Absicherung aus dem Staatshaushalt ist der Druck zu Effizienzsteigerungen gering, so dass strukturelle Probleme gar nicht oder nur sehr zimperlich angegangen werden. Dazu kommt die thailändische Mentalität sich auf der Management-Ebene kaum Sachverstand von außerhalb Thailands einzukaufen.

In Thailand gibt es eine lange Tradition des Wechsels von Aktionismus und Lethargie. Einer langen Periode des Laissez-faire folgt dann eine kurze Periode von Aktionismus, in der möglichst die Versäumnisse der jüngeren Vergangenheit innerhalb kürzester Zeit komplett beseitigt werden müssen. Es ist schwer einzuschätzen, wie viel Zeit THAI Airways angesichts der sich verschärfenden finanziellen Krise noch bleibt. Auf der anderen Seite gilt der nationale Carrier bisher in Politik und Gesellschaft als sakrosankt. Schwer vorstellbar, dass eine Regierung der Airline irgendwann tatsächlich einmal den Stecker ziehen würde. Es wird also weitergehen für THAI Airways – irgendwie.

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