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23. Mai 2020 Kai 0 Coronavirus, News

THAI-Insolvenz – 6.000 Beschäftigte müssen wohl gehen

Während das thailändische Finanzministerium den Verkauf von ungefähr drei Prozent seines Anteils an THAI Airways vorbereitet, wodurch die Airline ihren Status als Staatsunternehmen verlieren würde, haben in- und ausländische Gläubiger nach Angaben von Thai Nation den vorgesehenen Kurs für eine Restrukturierung des Unternehmens gebilligt. Unterdessen wurde bekannt, dass im Zuge der Restrukturierung vermutlich bis zu 6.000 der über 20.000 Beschäftigten von THAI Airways ihren Arbeitsplatz verlieren werden.

THAI Airways war als Staatsunternehmen in den letzten Jahren faktisch nur noch durch die immer häufiger notwendig werdenden Finanzspritzen der thailändischen Regierung am Leben erhalten worden. Die Unternehmensführung ist nicht durch ehrliche Konzepte zur Flottensanierung aufgefallen, sondern hat im Großen und Ganzen Stückwerk betrieben und sich auf den Status als Staatsunternehmen verlassen. Gespart wurde vor allem am Service und an der Modernisierung der Flugzeuge, die im Innern immer weniger zeitgemäß und doch arg angestaubt daher kamen. Dadurch hat der einstige gute Ruf der Airline bei der Kundschaft durchaus Schaden genommen.

Nur knapp die Hälfte der Unternehmen schafft die Restrukturierung in Thailand

Während aus dem thailändischen Finanzministerium Optimismus verbreitet wurde und man davon ausgehe, die Restrukturierung innerhalb eines Jahres abschließen zu können, warnt Tisco Security vor Investitionen in das Flugunternehmen, das eine lange Zeit der Restrukturierung vor sich habe, die nicht einmal bei der Hälfte der Unternehmen, die diesen Weg in Thailand bisher gegangen sind, erfolgreich war. Seit der Finanzkrise von 1997 haben 52 börsennotierte Unternehmen Insolvenzschutz beantragt. 20 davon sind gescheitert und von der Börse genommen worden, neun befinden sich aktuell noch in der Restrukturierung und nur 23 Unternehmen (44 Prozent) wurden erfolgreich umstrukturiert. Die durchschnittliche Dauer eines solchen Insolvenzverfahrens beträgt nach Angaben eines Tisco-Analysten ungefähr sieben Jahre.

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Finanzministerium verkauft Anteile

Unterdessen hat das Finanzministerium seine Pläne zum Verkauf eines dreiprozentigen Aktienanteils an den zweitgrößten Aktionär, den ebenfalls staatlichen Vayupak-Konzern, weiter vorangetrieben. Die von der Corona-Krise ebenfalls stark beanspruchte Staatskasse soll so einen Erlös von 600 bis 700 Millionen Baht einbringen (ca. 20 Millionen Euro). Offenbar hat man es auch deshalb sehr eilig, weil der Aktienkurs von THAI Airways nach Bekanntgabe der Insolvenz kurzfristig um 15 Prozent gestiegen war.

THAI Airways hatte im Jahresbericht 2019 Schulden in Höhe von umgerechnet 4,2 Milliarden Euro ausgewiesen (147,4 Milliarden Baht), wovon 1,33 Milliarden Euro auf das Leasing von Flugzeugen entfallen und 2,12 Milliarden auf Kredite, von denen wiederum 254 Millionen langfristige Kredite aus Deutschland und den USA sind. 340 Millionen Euro schuldet THAI Airways dem thailändischen Finanzministerium und insgesamt niedrige dreistellige Millionenbeträge verschiedenen thailändischen Banken.

Hatte der thailändische Ministerpräsident am Dienstag noch angekündigt, dass es das Ziel sei, die Restrukturierung ohne Arbeitsplatzverluste zu schaffen, sickerten nun auch erste Zahlen zum geplanten Stellenabbau durch. Demnach geht man nun davon aus, dass nach einem Schuldenmoratorium und der entsprechenden Umstrukturierung des Unternehmens etwa 30 Prozent der Arbeitsplätze bei THAI Airways wegfallen werden. Bei einer Belegschaft von über 20.000 Mitarbeitern kann man also von ungefähr 6.000 Entlassungen ausgehen.

THAI-Insolvenz: 6.000 Beschäftigte müssen wohl gehen – Fazit

Nach South African Airways und Avianca ist mit THAI Airways nun die dritte Airline der Star Alliance von der Insolvenz betroffen. Auch wenn bei Avianca und THAI die Zeichen auf Neuanfang stehen, haben die Airlines einen schmerzhaften und für die Mitarbeiter verlustreichen Restrukturierungsprozess vor sich. Hoffen wir, dass es für THAI, deren Flugzeuge derzeit wegen der Einreisesperre in Thailand komplett am Boden sind, weiter gehen wird.

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