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11. April 2020 Kai 0 Coronavirus, News

Trotz Corona: Nur ein Drittel aller Flugzeuge am Boden

Täglich lesen wir neue Horrorzahlen, um wie viel Prozent einzelne Airlines ihr Flugangebot zusammengestrichen haben. Bei den meisten Airlines liegt dieser Wert – wie auch bei der Lufthansa – jenseits der 90%. Umso erstaunlicher ist es, dass trotz eines solch enormen Rückgangs nur vergleichsweise wenig Flugzeuge geparkt oder gar eingelagert werden. Nach Angaben von CH-Aviation sind weltweit derzeit gerade einmal 35% der Flugzeuge in der zivilen Luftfahrt stillgelegt. Selbst in Europa, wo das faktische Grounding besonders stark zu spüren ist, sind es mit 48% gerade mal knapp die Hälfte. Wir erklären, warum die Airlines für weniger als 10% ihres Flugplans noch auf über 50% ihrer Flugzeuge setzen.

Jeder, der regelmäßig fliegt, ist derzeit von Flugausfällen betroffen. Lufthansa z.B. hat den Flugplan um 95% reduziert. Für Turkish Airlines, TAP Portugal oder Ryanair gelten ähnliche Größenordnungen- Die einzigen europäischen Airlines, die im Moment noch mehr als 50% ihrer Flüge durchführen, sind mit Aer Lingus und der regionalen Wideroe nicht gerade zwei Schwergewichte der europäischen Luftfahrt. Zahlen von Eurocontrol zu den durchgeführten Flügen am letzten März-Wochenende vom letzten Jahr (27.822) im Vergleich zu diesem Jahr (3.352) sprechen eine klare Sprache. Man sollte annehmen, dass den Airlines für die verbleibenden Flüge eine Handvoll Flugzeuge ausreichen würde, um den Rumpf-Flugbetrieb – außerhalb der Rückholflüge – aufrecht zu erhalten.

Flottenstabilität als Hoffnung auf die Zukunft

Tatsächlich wäre das wohl auch möglich, doch die Airlines haben ein Interesse nicht allzu viele Flugzeuge zu parken oder gar einzulagern. Sie hoffen und spekulieren auf eine wiedereinsetzende Nachfrage, wenn die Flugverbote und Einreisebeschränkungen gelockert werden und wollen dann bereit sein, die Flugpläne schnell wieder hochzufahren. Von weltweit 32.000 im Flugbetrieb befindlichen Flugzeugen, sind derzeit noch 21.000 aktiv und selbst in Europa sind nicht mal die Hälfte der 8.000 Flieger aktuell am Boden. Diese Zahlen sind umso beeindruckender, wenn man bedenkt, dass in der Zahl der geparkten Flugzeuge auch jene enthalten sind, die derzeit in der Wartung sind. Gewartet wird in der Vor-Osterzeit traditionell viel, um die Maschinen in der Sommersaison fit zu haben.

Viele Airlines betreiben ihren Rumpfbetrieb im Moment gewissermaßen in Teilzeit. Statt ein Flugzeug sechs bis acht Mal am Tag abheben zu lassen, werden jetzt sechs bis acht Flugzeuge je einmal täglich geflogen. So wird einerseits die Verspätungsquote eines ausoptimierten Flugplans geringer gehalten und andererseits auch die Belegschaft im Betrieb gehalten. Betriebswirtschaftlich ist das Konzept etwas aufwändiger, als wenn man den Großteil der Flotte einfach geparkt hätte, doch auch beim Parken fallen Kosten an, denn Flugzeuge können nicht unbegrenzt lange einfach so rumstehen. Das Parken macht regelmäßige aufwändige Funktionstests und Werkstattflüge erforderlich. Auch müssen Wartungsintervalle eingehalten werden. Bei der Lagerung, die nur bei längeren Standzeiten sinnvoll ist, werden zu Beginn sensible Teile ausgebaut und andere wichtige Teile gegen Schmutz und Feuchtigkeit geschützt. Dieser Prozess der Vorbereitung auf das Einlagern dauert etwa eine Woche. Als Faustformel gilt daher, dass eine Lagerung erst bei Standzeiten von mehr als drei Monaten wirtschaftlich sinnvoll ist. Die globale Luftfahrtindustrie scheint darauf zu setzen, dass der Flugbetrieb früher schneller wieder anzieht. Hier die Zahlen der stillgelegten Flugzeuge nach Kontinenten (Quelle: Wirtschaftswoche):

  • Europa: 48% von 7.986
  • Asien: 33% von 10.810
  • Afrika: 56% von 1.547
  • Nordamerika: 24% von 9.974
  • Ozeanien: 26% von 953
  • Südamerika: 39% von 1.414
  • Gesamt: 35% von 32.684

Trotz Corona: Nur ein Drittel aller Flugzeuge am Boden – Fazit

Es ist auffällig, dass fast alle Airlines die gleiche Strategie für die Bewältigung des derzeitigen Ausnahmezustandes wählen und einen Großteil ihrer Flotte im Dienst belassen; eine Strategie, die von der Hoffnung genährt wird, dass sich die Nachfrage nach Aufhebung von Flugverboten wieder entspannen wird. Hoffen wir alle gemeinsam, dass die Rechnung der Airlines in diesem Punkt aufgehen wird.

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