Swiss A220 Unsplash
07. April 2020 Kai 0 News

Versetzt Airbus’ A220-Reihe Boeings 737 MAX den Todesstoß?

Wie viele andere Unternehmen in der Luftfahrtbranche hat es auch Flugzeugbauer Boeing nicht leicht im Moment. Doch neben der allgemeinen Krise der Luftfahrt aufgrund des Coronavirus quält sich Boeing nun schon über ein Jahr mit dem Flugverbot für seinen einstigen Kassenschlager B737 MAX herum. Nun droht weiteres Ungemach, denn es halten sich hartnäckige Gerüchte, Boeing-Konkurrent Airbus wolle seine A220’er Serie um eine 500’er Reihe erweitern und damit abwanderungswilligen Boeing-Kunden eine Alternative bieten.

Boeing hat schon eine Reihe von Kunden an den europäischen Konkurrenten verloren, die auf Airbus’ populäre A320-er Reihe – das Airbus-Äquivalent zu Boeings 737eer Reihe – umgestiegen sind. Dadurch sind die Auftragsbücher von Airbus für die Neo-Varianten des A319, A320 und A321 allerdings so voll, dass die Kapazitäten für Jahre ausgelastet sind. Auch wenn der Rückgang der Nachfrage aufgrund der aktuellen Coronakrise natürlich auch an Airbus nicht spurlos vorüber geht und Bestellungen storniert oder zumindest aufgeschoben werden, ist die Fertigung der Kurz- und Mittelstreckenreihe ausgelastet, so dass Airlines zumindest kurzfristig gar nicht von Boeing auf Airbus umsteigen könnten – selbst wenn sie wollten. 6.741 A319 Neo, A320 Neo und A321 Neo muss Airbus noch ausliefern. Als kurzfristige Alternative zu Boeings Brot-und-Butter-Modell bietet sich die A320-er Reihe daher nicht an.

Wann kommt die Stretch-Variante des A220?

Gut verfügbar sind dagegen Modelle der A220-er Reihe, die Airbus vom kanadischen Flugzeugbauer Bombardier übernommen hat, der sie unter dem CS-Kürzel entwickelt hat. Tatsächlich ist die große Variante des A220, der A220-300, nur geringfügig kleiner als die kleinste B737 MAX 7. Mit 160 Sitzplätzen passen in den A220-300 zwölf Passagiere weniger als die B737 MAX 7; auch die Reichweite ist mit 6.200 Kilometern etwa 1.000 Kilometer geringer. Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass die B737 MAX 7 die am wenigsten nachgefragte Variante ist und der Trend eher zu größeren Kapazitäten geht, wie die hohe Nachfrage nach gestretchten Varianten von Schmalrumpffliegern belegt. In Fachkreisen wird deshalb davon ausgegangen, dass die Entwicklung einer 500-er oder 900-er Variante des A220 keine Frage des Ob sondern eher des Wann ist. Gefährlich für Boeing zudem: Der europäische Flugzeugbauer Airbus fertigt die A220-Serie im kanadischen Mirabel und dem amerikanischen Mobile im Bundesstaat Alabama, womit Strafzölle auf US-Importe umgangen werden. Während Airbus so optimal auf die Entwicklung einer Stretch-Variante des A220 vorbereitet scheint, muss sich Boeing mit immer neuen Pannenmeldungen zu seiner 737 MAX auseinandersetzen. Erst im März forderte die amerikanische Luftfahrtbehörde von Boeing eine Neuverkabelung einer Schwachstelle im Heckbereich an allen bisher ausgelieferten 800 Maschinen. Kurz zuvor hatte Boeing in einer hohen Zahl der B737 MAX Fremdkörper in den Tanks gefunden. Eine Wiederzulassung scheint in immer weitere Ferne zu rücken.

Während schon der Entwickler der C-Serie Bombardier Gedankenspiele in Richtung einer Stretch-Variante angestellt hatte und sich die Marken CS-500 und CS-900 hat schützen lassen, letztlich aber nicht über das Kapital für die Entwicklung einer größeren Variante verfügte, bezeichnete Airbus-Konzernchef Guillaume Faury es letztes Jahr als “sehr wahrscheinlich”, dass es größere Varianten geben werde. Aktuell setze Airbus aber alles daran, die Produktion der bisherigen Varianten A220-100 und A220-300 hochzufahren, um diese wirtschaftlich rentabel produzieren zu können. Während Airbus offiziell also Interesse bestätigt, das Thema aber tiefer hängt, spekuliert der gut bei Bombardier vernetzte Aviation-Blog fliegerfaust.com, dass die Sache doch schon in einem weiteren Stadium stecken könnte als offiziell bekannt gegeben wird.

Vordergründig wirkt eine gestreckte Variante des A220 wie Konkurrenz zur eigenen A320 Familie, doch die ist, wie erwähnt, schon gut ausgelastet. Zudem ist der A220 das deutlich jüngere und modernere Flugzeug. Hatte der A320 seinen Erstflug 1987, hob die damalige C-Serie erst 2013 als komplette Neuentwicklung erstmals ab. Das kann auch langfristig wichtig sein, wenn irgendwann die Frage ansteht, wie der Mittelstreckenflieger der Zukunft um 2030 aussehen soll. Während sich für Airbus hier also willkommene Synergieeffekte auftun, dürften bei Boeing die Alarmglocken schrillen.

Versetzt Airbus’ A220-Reihe Boeings 737 MAX den Todesstoß – Fazit

Boeing hat eine Reihe von Problemen – globale und hausgemachte. Die Aussicht, auf ein Werk des größten Konkurrenten im Heimatmarkt, in dem Airbus möglicherweise mit einer langen Version des A220 der eigenen Boeing 737 MAX Serie Konkurrenz machen könnte, dürfte die Probleme nicht geringer werden lassen. Dass Nachfrage nach einem A220-500 auf dem Markt vorhanden ist, dürfte klar sein. Boeing wird diese kaum befriedigen können.

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