Miles & More wird zum umsatzbasierten Programm – Das sind die Gewinner und Verlierer

Gestern hat Miles & More angekündigt in Zukunft Prämienmeilen für Flüge mit ausgewählten Airlines basierend auf dem Ticketpreis, und nicht wie bisher auf Basis der Buchungsklasse und Entfernung, zu vergeben. Diese Nachricht wurde überwieged negativ aufgenommen und auch ich bin aus den verschiedensten Gründen überhaupt kein Freund von umsatzbasierten Programmen. Aus diesem Grund habe ich mir mal angeschaut, wie sich das neue System auf das Sammeln von Prämienmeilen wirklich auswirkt. Gibt es nur Verlierer oder eventuell auch ein paar Gewinner…?

Ob man zumindest in der First Class zukünftig mehr Prämienmeilen sammeln wird?

Zusammenfassung: Die Änderungen bei der Meilenvergabe in Kurzform

Zunächst sei noch einmal kurz zusammengefasst, welche Flüge überhaupt zukünftig unter die neue umsatzbasierte Regelung fallen werden. Prinzipiell sind es alle Flüge mit den folgenden Airlines: Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, United Airlines, Air Canada, LOT Polish Airlines, Croatia Airlines, Adria Airlines, Air Dolomiti, Eurowings und Brussels Airlines.

Basierend auf eurem Miles & More Status und der Airline wird der Ticketpreis dann mit einem Faktor von 4, 5 oder 6 multipliziert, um die Anzahl gesammelter Prämienmeilen zu ermitteln. Konkret erhaltet ihr je Euro Ticketpreis die folgenden Prämienmeilengutschriften:

  • 4 Prämienmeilen je Euro Umsatz für Miles & More Teilnehmer ohne Status (bei Flügen für alle von den Änderungen betroffenen Airlines)
  • 5 Prämienmeilen je Euro Umsatz für Miles & More Teilnehmer mit Frequent Traveller, Senator oder HON Circle Member Status (bei Flügen mit Eurowings oder Brussels Airlines)
  • 6 Prämienmeilen je Euro Umsatz für Miles & More Teilnehmer mit Frequent Traveller, Senator oder HON Circle Member Status (bei Flügen mit Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, United Airlines, Air Canada, LOT Polish Airlines, Croatia Airlines, Adria Airlines und Air Dolomiti)

Dabei ist der Ticketpreis nicht der Gesamtpreis, der für ein Ticket gezahlt wird. Herausgerechnet werden müssen Steuern und Gebühren, die von der Airline an Flughäfen und den Staat abgeführt werden. Für die Meilenvergabe relevant sind aber von der Airline erhobene Zuschläge, sprich Treibstoffzuschläge, bei Miles & More auch als Internationaler Zuschlag bezeichnet. Auch für diese wird man Prämienmeilen erhalten. Mehr dazu in den Beispielen weiter unten. Wichtig zu wissen ist auch, dass der Buchungsweg entscheidend ist. Nur wenn über einen Vertriebskanal der Lufthansa Gruppe gebucht wird, kann Miles & More den Ticketpreis ermitteln und als Berechnungsgrundlage für die Meilenvergabe nutzen.

„Entscheidend ist der Buchungsweg. Das neue System ist gültig für alle Tickets, die von Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Eurowings oder Brussels Airlines verkauft werden. Buchen Sie über einen Eigenvertriebskanal von Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Eurowings oder Brussels Airlines, ist das neue System die Basis für die Meilenvergabe. Buchen Sie über einen Fremdvertriebskanal, also Reisebüros oder Reiseportale, erkennen Sie anhand der Ticketnummer, ob das neue System die Basis für die Prämienmeilen-Vergabe bildet. Lauten die ersten 3 Ziffern Ihrer Ticketnummer 220 (Lufthansa), 724 (SWISS), 257 (Austrian Airlines), 082 (Brussels Airlines) oder Eurowings, gilt für Ihren Flug das neue System – wenn nicht, werden die Prämienmeilen nach der bisherigen Systematik berechnet. Eine Ausnahme bilden Tickets, die Sie über Reiseveranstalter erworben haben. Hier gilt unabhängig von der Ticketnummer die Vergabe von Prämienmeilen nach Buchungsklasse. In seltenen Fällen bei Nicht-Verfügbarkeit von Flugpreisinformationen, behält Miles & More sich vor, die Meilen weiterhin nach dem buchungsklassenbasierten System zu vergeben.“

Nicht betroffen sind dagegen Flüge mit den restlichen Partnerairlines von Miles & More, sowie alle Tickets, die nicht über die erwähnten Buchungskanäle gebucht werden. Das liegt daran, dass Miles & More hier schlicht die Möglichkeit fehlt, herauszufinden, wie viel ein Ticket gekostet hat. Es sei zudem betont, dass Statusmeilen weiterhin nach dem alten System vergeben werden. Die umsatzbasierte Regelung greift nur für Prämienmeilen.

Die Gewinner und Verlierer im Detail

Ich habe mir mal angeschaut, wie die Meilengutschrift nach dem alten und neuen System im Vergleich aussieht. Zum Vergleich habe ich Lufthansa Flüge auf der Kurz- und Langstrecke in der Economy, Premium Economy, Business und First Class herangezogen (es ist jeweils ein Returnflug aufgeführt). Auch geht der Vergleich in den meisten Fällen davon aus, dass ihr über keinen Status bei Miles & More verfügt. In Summe sollte trotz dieser vereinfachenden Annahmen ein ganz guter Eindruck enstehen, wie sich die Änderungen auswirken.

1] Innerdeutscher Lufthansa Flug im Angebotstarif (return)

  • Alte Meilengutschrift: 250 Prämienmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, zum Beispiel 116 Prämienmeilen auf MUC-HAM-MUC (Ticketpreis 100€ brutto / 29€ netto)

Wer bisher in der Lufthansa Class innerhalb Deutschlands fliegt und dabei meist auf günstige Tickets in den Angebotstarifen (Buchungsklasse K, L, T) zurückgreift, erhält bisher pauschal 125 Miles & More Prämienmeilen je Segment gutgeschrieben, denn das ist der Mindestsatz. Auf einem Hin- und Rückflug von München nach Hamburg ohne Umstieg wären das also insgesamt 250 Meilen. Zukünftig wird die Meilengutschrift dagegen vom Ticketpreis abhängen. Zunächst mag man hier auf die Idee kommen, dass sich das neue System positiv auswirken wird. Ein 100€ Flug gibt ja immerhin 400 Prämienmeilen für Statuslose und 600 Prämienmeilen für Statusinhaber… Mitnichten, denn nur der „Nettoticketpreis“ ist für die Berechnung relevant. Steuern und Gebühren müssen herausgerechnet werden. Bei einem Flug von München nach Hamburg und zurück, der 100€ kostet, werden zum Beispiel nur 29 Euro mit Meilen vergütet, da Steuern und Gebühren einen Großteil des Ticketpreises ausmachen. Relevant sind nur der eigentliche Ticketpreis (19 Euro) und der Internationale Zuschlag (10 Euro).

Aufschlüsselung der Steuern und Gebühren auf einem Ecoomy Flug von München nach Hamburg und zurück

Die restlichen 71 Euro des Ticketpreises sind auf Flughafengebühren und verschiedene Steuern zurückzuführen. Für diese gibt es keine Gutschrift. Die Zusammensetzung des Ticketpreises kann während der Buchung über Lufthansa übrigens unter Preisübersicht eingesehen werden, wie ihr dem folgenden Screenshot entnehmen könnt.

Für den Flug erhält man also insgesamt 4-mal 29 und damit insgesamt 116 Meilen. Das neue System benachteiligt also innerdeutsche Lufthansa Vielflieger, die primär zum Angebotstarif buchen. Solltet ihr über einen Status bei Miles & More verfügen, erhaltet ihr zwar „deutlich“ mehr Meilen (6-mal 29 = 174 Prämienmeilen). Doch nach dem alten System sind es hier mit 312 Prämienmeilen ebenfalls deutlich mehr.

Fazit: Letztendlich war die Meilengutschrift auf innerdeutschen Economy Flügen in den günstigen Buchungsklassen immer schon sehr schlecht. Auch wenn das neue umsatzbasierte System schlecher ist, viel zu verlieren hat man hier am Ende nicht…

2] Innerdeutscher Lufthansa Flug im Flex Tarif (return)

  • Alte Meilengutschrift: bis zu 2.000 Prämienmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, zum Beispiel 900 Prämienmeilen auf MUC-HAM-MUC (Ticketpreis 296€ brutto / 225€ netto)

Vielleicht gehört ihr aber auch zu den Personen, die tendenziell eher die teuren Economy Tarife buchen. Das dürfte zum Beispiel auf viele Geschäftsreisende zutreffen. Im besten Fall heißt das, dass euer Ticket in eine der höheren Buchungsklassen gebucht ist. Im teuersten Economy Tarif (Buchungsklasse B, Y) erhält man derzeit 1.000 Miles & More Prämienmeilen je Segment (mit Status sogar 1.250). Wenn wir beim Beispiel München – Hamburg – München bleiben, sind das immerhin 2.000 Meilen für den Returnflug (2.500 mit Status). Um diese Gutschrift auch zukünftig zu erhalten, müsste der Flug also mindestens 500€ kosten.

Aufschlüsselung der Steuern und Gebühren auf einem Ecoomy Flug von München nach Hamburg und zurück

Auch hierzu ein Beispiel. Wer im Economy Flex Tarif bucht und 296€ für das Ticket zahlt, kann damit rechnen, dass 225€ des Tickets für die Meilengutschrift anrechenbar sind. Somit erhält man 900 Prämienmeilen. Auch hier wirkt sich das neue System also tendenziell nachteilig aus. Erst wenn ein Ticket richtig teuer wird, profitiert man vom neuen System. Und auch in diesem Fall dürfte die Freude natürlich eingeschränkt sein. Es sei denn jemand anderes zahlt für das Ticket. Einschränkend sei allerdings erwähnt, dass nicht jedes teure Ticket automatisch in eine der hohen Buchungsklassen bucht. Dies führt zu einer niedrigen Meilengutschrift im alten System. Der Vergleich ist daher nicht ganz einfach zu ziehen. Ist ein Ticket teuer, bucht aber in eine niedrige Buchungsklasse, geht man unter dem neuen umsatzbasierten System als Gewinner hervor.

Fazit: Zusammen mit dem erste Beispiel haben wir nun die teuerste und günstigste Lufthansa Buchungsklasse untersucht. Natürlich gibt es noch verschiedene Konstellationen zwischen diesen beiden Extremen, doch tendenziell sollte sich das neue umsatzbasierte System für die meisten Economy Class Reisenden auf der Lufthansa Kurzstrecke nachteilig auswirken.

3] Innereuropäischer Lufthansa Flug im Angebotstarif (return)

  • Alte Meilengutschrift: 250 Prämienmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, zum Beispiel 196 Prämienmeilen auf FRA – LHR – FRA für 129€

Ein ähnliches Bild zeigt sich auch auf günstigen Lufthansa Economy Flügen innerhalb Europas. Bisher gibt es mindestens 125 Prämienmeilen je Segment und damit mindesten 250 Meilen für einen Returnflug. Wer zukünftig beispielsweise von Frankfurt nach London und zurück fliegt und dafür 129€ zahlt, muss davon ausgehen, dass etwa 80 Euro auf nicht anrechenbare Steuern und Gebühren entfallen. Die Meilengutschrift beträgt also 4-mal 49€ = 196 Prämienmeilen bei Miles & More.

Aufschlüsselung der Steuern und Gebühren auf einem Economy Flug von Frankfurt nach London und zurück (Light Tarif)

Auch hier hat man also im alten System mehr Meilen sammeln können. Ein Status bei Miles & More, würde zu einer sechsfachen Gutschrift und damit 6-mal 49 = 294 Prämienmeilen führen. Damit ist man auf Augenhöhe mit dem alten System, nach dem es 312 Prämienmeilen geben würde.

Fazit: Auch bei innereuropäischen Economy Flügen mit Lufthansa in den günstigen Buchungsklassen gilt: Die Gutschrift ist so gering, dass es eigentlich keinen Unterschied macht nach welchem System man sammelt.

4] Innereuropäischer Lufthansa Flug im Flex Tarif (return)

  • Alte Meilengutschrift: bis zu 2.500 Prämienmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, zum Beispiel 1.232 Prämienmeilen auf FRA – LHR – FRA (Ticketpreis 388€ brutto / 308€ netto)

Auch hier gilt wieder, wer die teuersten und umbuchbaren Flex-Tarife bucht und zum Beispiel 388€ für den gleichen Lufthansa Flug nach London zahlt, wird davon 308€ anrechnen können. Die Meilengutschrift nach dem neuen System beträgt also 1.232 Miles & More Prämienmeilen. Erst ab einem Preis von über 625€ ließe sich die bisherige maximale Gutschrift von 2.500 Prämienmeilen überbieten.

Aufschlüsselung der Steuern und Gebühren auf einem Economy Flug von Frankfurt nach London und zurück (Flex Tarif)

Auch hier hängt die Gutschrift nach dem alten System und der Vergleich aber auch wieder davon ab in welche Buchungsklasse euer Ticket tatsächlich bucht. Ein teures Ticket ist keine Garantie die höchste Buchungsklasse zu erzielen. Zwar erhält man im alten System bis zu 2.500 Meilen für den Returnflug, doch es ist ebenso möglich, dass der selbst ein teures Ticket im Flex Tarif in eine nicht ganz so hohe Buchungsklasse bucht. In diesem Fall kann sich das neue umsatzbasierte System positiv auswirken.

Fazit: Auch wer teure innereuropäische Economy Tickets mit Lufthansa bucht, wird in Zukunft wohl zumindest nicht mehr Meilen als bisher sammeln.

5] Lufthansa Economy Flüge auf der Langstrecke (return)

  • Alte Meilengutschrift: 25% bis 150% der Entfernungsmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, zum Beispiel 3.392 Prämienmeilen auf FRA – LAX – FRA für (Ticketpreis 1.000€ brutto / 848€ netto)

Für Economy Flüge mit Lufthansa auf der Langstrecke erhält man bisher 25% bis 150% der Entfernungsmeilen gutgeschrieben. Wer zum Beispiel von Frankfurt nach Los Angeles und zurück fliegt, und damit eine Strecke von insgesamt 11.614 Meilen zurücklegt, kann je nach Buchungsklasse mit einer Meilengutschrift von 2.898 bis 17.382 Prämienmeilen rechnen.

  • Buchungsklasse K,L,T: 2.898 Prämienmeilen
  • Buchungsklasse Q,S,V,W: 5.794 Prämienmeilen
  • Buchungsklasse H,M,U: 11.588 Prämienmeilen
  • Buchungsklasse B,Y: 17.382 Prämienmeilen

Ab dem 12.03.2018 ist dagegen der Ticketpreis relevant. Sucht ihr heute nach einem Economy Flug im April 2018, lassen sich Preise um die 1.000 Euro finden. Das ist jetzt nicht unbedingt ein günstiger Preis, um von Deutschland an die Westküste der USA zu fliegen. Doch auch bei diesem recht hohen Preis beträgt die Meilengutschrift nach dem neuen System nur 3.392 Prämienmeilen, unter der Annahme, dass 848 Euro auf den eigentlichen Ticketpreis und internationale Zuschläge entfallen. Damit liegt man nur leicht über dem bisherigen Mindestwert von 2.898 Meilen. Wer ein gutes Angebot findet und zum Beispiel für 600€ nach LA fliegt, ist also im neuen umsatzbasierten System definitiv ein Verlierer.

Aufschlüsselung der Steuern und Gebühren auf einem Economy Flug von Frankfurt nach Los Angeles und zurück

Um den bisherigen Maximalwert von 17.382 Prämienmeilen (Economy Ticket in Buchungsklasse B oder Y) auch nach dem 12.03.2018 noch zu erzielen, müsste man mindestens 4.346 Euro für dieses Ticket ausgeben. Ein eher unwahrscheinliches Szenario für ein Economy Ticket.

Fazit: Wer günstige Economy Tickets auf der Langstrecke bucht, gehört zu den Verlierern des zukünftigen umsatzbasierten Systems. Eigentlich gehören alle Economy Reisende auf der Langstrecke zu den Verlierern, es sei denn man ist bereit Business Class Preise für ein Economy Ticket zu zahlen.

6] Lufthansa Premium Economy Flüge auf der Langstrecke (return)

  • Alte Meilengutschrift: 100% bis 150% der Entfernungsmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, zum Beispiel 5.272 Prämienmeilen auf FRA-LAX-FRA für (Ticketpreis 1.456€ brutto / 1.316€ netto)

Bisher sehr großzügig war die Gutschrift für Premium Economy Tickets mit Lufthansa. Nicht ohne Grund sind diese Tickets eine der besten Möglichkeiten schnell Prämien- und Statusmeilen zu sammeln (13 Möglichkeiten günstig Miles & More Statusmeilen zu sammeln). Auch für die günstigsten Tickets (Buchungsklasse N) ließen sich mindestens 100% der Entfernungsmeilen als Prämienmeilen sammeln. Im besten Fall (Buchungsklasse E, G) waren es sogar 150%. Auf einem Flug von Frankfurt nach Los Angeles und zurück sind es somit 11.588 oder 17.382 Prämienmeilen. Keine schlechte Ausbeute bisher…

Aufschlüsselung der Steuern und Gebühren auf einem Premium Economy Flug von Frankfurt nach Los Angeles und zurück

Zahlt man dagegen 1.456 Euro für das Ticket, was ein fairer Preis für einen Flug in der Premium Economy ist, erhält man nach Herausrechnen der Steuern und Gebühren aus dem Ticketpreis zukünftig nur noch 5.272 Prämienmeilen. Das neue umsatzbasierte System benachteiligt Premium Economy Reisende also extrem. Erst ab einem Ticketpreis von fast 6.000 Euro könnte man damit rechnen mehr Meilen unter dem neuen System als unter dem alten zu sammeln. Diesen Preis dürfte in der Praxis wohl niemand für ein Premium Economy Ticket zahlen (wollen).

Fazit: Premium Economy Reisende gehören zu den großen Verlierern der Umstellung auf ein umsatzbasiertes System

Reisende in der Lufthansa Premium Economy gehören zu den großen Verlierern des neuen umsatzbasierten Systems für die Vergabe von Prämienmeilen

7] Lufthansa Business Class Flüge auf der Langstrecke (return)

  • Alte Meilengutschrift: 100% bis 200% der Entfernungsmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, zum Beispiel 15.088 Prämienmeilen auf FRA – LAX – FRA für (Ticketpreis 3.910€ brutto / 3.772€ netto)

Bleiben wir bei dem Flug Frankfurt – Los Angeles als Beispiel und schauen uns die Meilengutschrift für Flüge in der Business Class an. Bisher erhielt man 100% (Buchungsklasse P) bis 200% (Buchungsklasse C, D, J) der Entfernungsmeilen. Das entspricht 11.588 bis 23.176 Prämienmeilen für den gesamten Flug.

Aufschlüsselung der Steuern und Gebühren auf einem Business Class Flug von Frankfurt nach Los Angeles und zurück

Unter dem neuen System kann man wohl tendenziell mit etwas weniger Meilen rechnen. Wer zum Beispiel für 3.910 Euro in der Business Class nach Los Angeles und zurück fliegt, kann bei einem Netto-Ticketpreis von 3.772 Euro mit einer Gutschrift von 15.088 Prämienmeilen rechnen – ähnlich viel wie bisher. Erst wer fast 6.000 Euro ausgibt, wird aber den bisherigen Maximalbetrag von 23.176 Prämienmeilen einstreichen können. In diesen Bereich stößt man nur vor, wenn man entweder sehr spontan bucht oder ein teures Flexticket kauft. Auch Statusinhaber, die 6 Meilen je Euro erhalten, sammeln bei einem Nettopreis von 3.772 Euro nur 22.632 Meilen.

Fazit: Wer den vollen Preis für ein Business Class Ticket bezahlt, sammelt auch in Zukunft eine ähnlich große Anzahl an Prämienmeilen. Verlierer dürften diejenigen sein, die nach günstigen Business Class Angeboten Ausschau halten.

8] Lufthansa First Class Flüge auf der Langstrecke (return)

  • Alte Meilengutschrift: 300% der Entfernungsmeilen
  • Neue Gutschrift: 4x Ticketpreis, ca. 20.000 bis 48.000 Meilen

Damit bleibt noch die Frage, wie sich das neue System für die Meilengutschrift auf Flüge in der First Class auswirkt. Bisher gibt es hier immer 300% der Entfernungsmeilen. Wer nach Los Angeles und zurück fliegt, sammelt also 34.764 Prämienmeilen. Demnach muss man zukünftig fast 9.000 Euro oder mehr ausgeben um die gleiche Meilengutschrift unter dem neuen System zu erzielen. Wer nach einem First Class Flug nach LA über die Lufthansa Webseite sucht, wird generell Preise von ca. 5.000 bis 12.000 Euro finden, abhängig davon, ob man den Basic oder Flex Tarif bucht. Somit erhält man 20.000 bis 48.000 Meilen. Hier dürfte es also sowohl Gewinner als auch Verlierer geben.

Spannend wird es auch für Statusinhaber. Der bisherige Executive Bonus beträgt 25 Prozentpunkte. Das heißt Frequent Traveller, Senatoren und HON Circle Member sammeln 325% statt 300% der Entfernungsmeilen. Ein recht kleiner Unterschied, genau gesagt sammelt man als Statusinhaber 1,08-mal soviele Meilen, wie ein Nicht-Statusinhaber. Unter dem neuen System sammeln Statusinhaber aber 6 statt 4 Meilen je Euro Ticketpreis, das ist das 1,5-fache. Statusinhaber werden also zukünftig stärker bevorzugt. Bei einem First Class Ticketpreis von 5.000 bis 12.000 Euro könnte man also ca. 30.000 bis 72.000 Prämienmeilen sammeln. Bisher sind es bei einer Gutschrift von 325% für Statusinhaber maximal 37.662 Meilen.

Fazit: Verlierer an dieser Stelle sind Reisende in der First Class, die den Basic Tarif buchen. Gewinner sind dagegen HON Circle Member mit tiefen Taschen ;)

Das sind die Gewinner und Verlierer –  Fazit

Basierend auf den obigen Vergleichen lässt sich ohne Weiteres behaupten, dass sich das neue System für die Meilenvergabe für die Mehrheit der Miles & More Teilnehmer negativ auswirken dürfte. Zu den klaren Verlieren gehören:

  • Schnäppchenjäger in allen Reiseklassen
  • Economy Reisende auf der Langstrecke
  • Premium Economy Reisende

Schnäppchenjäger und der durchschnittliche bzw. die Mehrheit der Reisenden verlieren also, während sich für Reisende mit teuren Tickets zumindest ein paar Szenarien die Möglichkeit ergibt, in Zukunft ein paar mehr Meilen zu sammeln als bisher. Als klare Gewinner würde ich aber auch diese nicht bezeichnen. Selbst viele Business Class Reisende sehe ich zukünftig im Nachteil. Freuen dürfen sich dagegen alle, die zur elitären Gruppe der First Class Flex buchenden Statusinhaber gehören. Im Extremfall ist es möglich fast doppelt so viele Meilen wie zuvor zu sammeln.

Alle anderen sollten es positiv sehen und sich ins Gedächtnis rufen, dass Flüge schon lange nicht mehr die beste (und schon gar nicht die günstigste) Möglichkeit darstellen Miles & More Prämienmeilen zu sammeln. Deutlich einfacher ist es bei den zahlreichen Partnern am Boden, ob es nun das Abschließen von Zeitschriftenabos oder Umsätze mit Kreditkarten sind…

 Was haltet ihr von den Änderungen bei der Meilenvergabe? Zählt ihr euch zu den Gewinnern oder Verlierern?

Zum weiterlesen:

25 Kommentare

  1. Ich fühle mich auch verarscht.
    Ich bin Verlierer bei der umsatzbasierten Variante, denn meine Standardstrecke Premium Economy Flex von Breslau über Warschau nach Chicago wurde mit Executive Bonus mit 18.856 Meilen vergütet. Jetzt werden es wohl um die 6.000 sein. Gerade mit der Hotline gesprochen – mein gekauftes Ticket vom 4. März bis zum 13. März wird zu Teil nach alten und zum anderen Teil nach neuen Regeln vergütet. Das finde ich einfach sch%$§“@!

  2. Ich werde meine Miles and More Karte entsorgen. War bis jetzt schon Verarschung,aber jetzt kommt bei 3 Langstrecken-Fluegen pro Jahr ja gar nichts mehr heraus. Gott sei Dank habe ich nie Geld ausgegeben,um mehr Meilen zu sammeln fuer eine Flugpraemie,die ich dann doch nicht bekomme.

  3. Was soll das Gezeter? Wer mehr zahlt, kriegt mehr Meilen, das ist doch eigentlich logisch und vom LH-Standpunkt aus gesehen richtig. (Unlogisch ist m.E., dass gleichzeitig Statusmeilen wie bisher vergeben werden.) Davon abgesehen war das Miles&More-Programm doch eigentlich noch nie wirklich attraktiv. Ich bin vor vier Jahren zu Miles & Smiles (Turkish Airlines) gewechselt und habe es nicht bereut. Schon nach 40.000 Meilen hat man den Star Alliance Gold Status, der zwei Jahre gilt, und Requalifikation ist viel einfacher als bei Miles&More.

    • Naja, was soll das Gezeter? Wenn ich alles laufend immer schlechter mache und meinen Statuskunden vor die Füße spucke durch ständig neue Gängeleien, nur weil es jetzt grade mal wieder Aufwind gibt (5. Stern, Quasi-Monopol in D), dann muss ich mich doch nicht wundern!

      Es werden auch wieder schlechtere Zeiten kommen für den Kranich und dann kann er sich warm anziehen, denn (und insoweit hast Du absolut recht) es gibt zahlreiche andere Vielfliegerprogramme, bei denen der Status schneller und günstiger erreicht wird und bei dem die (mittlerweile wirklich absurd hohen) Phantasiegebühren nicht oder wesentlich geringer anfallen…

      Der Kunde merkt sich das. Und wenn er erstmal gewechselt ist, weil es ihm anderswo besser gefällt, kommt er so schnell nicht mehr zurück…

  4. Endgültig nun meine Entscheidung, meine mittlerweile 150000 Meilen abzufliegen – und zwar nicht mit Lufthansa und ihren tollen Mega Gebühren bei relativ schlechter Business Class – und zu wechseln. Keine Lust mehr auf die Verarsche. Schade, denn ich bin eigentlich gern ein treuer Kunde, egal wo….. Aber nun reicht es bei M&M. Waren genug downgrades in kurzer Zeit. Will raus bevor auch noch das Einlösen der Meilen teurer wird.

    • Mir geht es leider genau gleich. Bei Lufthansa werde ich zukünftig nur noch meine Meilen abfliegen, aber keine neuen durch bezahlte Flüge hinzufügen. Hier werde ich lieber zur Konkurrenz wechseln. Meilen sammeln kann man bei M&M nur noch mit den Schnäppchenaktionen, wie z. B. Zeitschriften-, Telekom-Abos, usw.

  5. Hi Mark,

    glaubt man dem VFT, kommt die Änderung für Statusmeilen für 2019 mit Bekanntgabe am 30. September 2018.

    Und da wird man froh sein können, wenn es nur „nicht besser“ wird. Manch einer spricht da schon von erheblichen Kröten, der der eine oder andere zu fressen bekommen wird…

  6. Vor kurzer Zeit wollte ich ein Upgrade von Premium Economie auf Businessclass machen. Das würde mir verwehrt, weil die Buchungsklasse dies nicht zuließe. Für dieses Ticket bezahlte ich € 1450,00. hätte ich 1400,00€ für nur Economie bezahlt, wäre ein Upgrade möglich gewesen. Zur Zeit habe ich 125000 Prämienmeilen. Mehrfach habe ich schon erfahren müssen, daß ein Upgrade bei der LH sehr schwer zu bekommen ist. Die Vielflieger erhalten Upgrade sofort, egal welche Buchungsklasse sie haben. Ein Flug von Ffm nach Rio wollte ich Ein Upgrade von Economie auf Premium Economie. Es war nicht möglich wegen der Buchungsklasse . Bei Zuzahlung von 600,00 € wurde es allerdings möglich. Bei einem Flug von Sao Paulo nach Ffm wurde mir das Upgrade verweigert, weil angeblich kein Platz mehr vorhanden war. Das war eine Lüge. Mehr als die Hälfte der Sitze waren leer. Von dieser Airline fühle ich richtig verarscht zumal ich noch die teure Kreditkarte von Miles and More habe. Das werde ich in Zukunft ändern und all denen abraten an diesem Rattenfängerprogramm teilzunehmen. Mit lautem trara wird hier Werbung für ihr Miles and More Programm gemacht. Vor einiger Zeit bekam man noch für 1€ eine Mile. Das wurde stillschweigend geändert auf 2€ pro Mile. Auch die Statusmile wurde stillschweigend geändert. Es gab ja kein Grund damit Werbung zu machen, wenn man ein Zustand verschlechtert. Ich sehe für mich dieses Programm als Auslaufprogramm und werde in Zukunft andere Wege gehen.

  7. Der größte Verlierer ist Lufthansa, weil dieser hämische Schlag ins Gesicht der Kunden diejenigen mit Wahlmöglichkeit sehr motiviert, bei der Konkurrenz zu buchen

    • Es wäre hier nichts gekommen, wenn LH bei Skytrax mit 4 Sterne heute dasteht
      und AirBerlin fliegt weiter wie wenn nichts passiert wäre…
      Gruß
      MD

      • Und die 4 Sterne sind ja wohl ein Witz! Wo wurden die denn gefunden? Unter dem engen Sitzen der Langstrecke-Economy? Oder zwischen den wieder mal ungewollt anstoßenden Fußpaaren in der Business? Oder unter dem Billig-Gulaschsuppentopf der angeblich erstrebenswerten Lounge? (LH-Business-Lounge-Essen? Da zahl ich lieber 20€ und esse woanders was Gutes…)

      • Ach ja, will ich auch mal sagen, Mark! Was für eine tolle Webseite du da gemacht hast bzw weiter machst!
        So viel Mühe und Recherche im Detail! Ich glaube ich habe ziemlich viel Ahnung von Flugreisen – aber deine Seite ist wirklich toll! So viel Information, die jedem noch viele weitere Neuigkeiten bietet. Große Gratulation!!!

  8. Bisher habe ich mit 5 Flügen von Berlin nach Houston in der Premium-Eco meinen SEN Status immer verlängern können. Sehe ich das richtig, dass es bald dann statt 20,000 Meilen pro Flug nur noch 6,000 gibt (bei 1,000€ Flugpreis)?

    • Korrekt, Premium Eco-Buchungen gehören zu den größten Verlierern leider. Habe auch dieses Jahr mit zwei Flügen nach Dallas & Detroit den FTL bestätigen können.. daraus wird wohl nix mehr :-(

    • Leider ja… Du gehörst damit quasi zu den Extremfällen. Aber: Es geht aber vorerst nur um die Prämienmeilen, Statusmeilen werden weiterhin nach dem bisherigen System vergeben… Wobei es natürlich möglich ist, dass Miles & More auch hier mittelfristig umstellt…

  9. Hallo Mark,
    danke für ausführlichen Info hier.
    D.h. man sollte auf Partner-Airlines in Zukunft
    wie z.B. Thai, SIA, SAS, ANA, Avianca usw. ausweichen,
    um volle Prämienmeilen zu bekommen ? Oder Pauschalreisen
    mit Flug ? Da sind ja noch Schlupflöcher, richtig ?
    Gruß
    MD

    • Genau, ein paar Möglichkeiten das zu „umgehen“ gibt es wie du sagst. Man muss dann halt etwas rechnen, was sich lohnt und ggf. einen Aufpreis wert ist. Wer einen Status erfliegen möchte, sollte dann auch noch die Statusmeilen in die Rechnung mit einbeziehen… Es wird nicht einfacher ;)

      • Danke Mark.
        Wie sieht dann bei Codeshare-Flug aus?
        Z.B. ich fliege mit SIA-Maschine unter LH-Nummer oä.
        Oder soll man nur unter SQ- , TG- oder NH-Flugnummer usw. buchen?
        Gruß
        MD

        • Letztendlich hängt es davon ab, auf welchem Weg zu buchst. Ich ziziere mal die FAQ von Miles&More: „Entscheidend ist der Buchungsweg. Das neue System ist gültig für alle Tickets, die von Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Eurowings oder Brussels Airlines verkauft werden. Buchen Sie über einen Eigenvertriebskanal von Lufthansa, SWISS, Austrian Airlines, Eurowings oder Brussels Airlines, ist das neue System die Basis für die Meilenvergabe. Buchen Sie über einen Fremdvertriebskanal, also Reisebüros oder Reiseportale, erkennen Sie anhand der Ticketnummer, ob das neue System die Basis für die Prämienmeilen-Vergabe bildet. Lauten die ersten 3 Ziffern Ihrer Ticketnummer 220 (Lufthansa), 724 (SWISS), 257 (Austrian Airlines), 082 (Brussels Airlines) oder Eurowings, gilt für Ihren Flug das neue System – wenn nicht, werden die Prämienmeilen nach der bisherigen Systematik berechnet. Eine Ausnahme bilden Tickets, die Sie über Reiseveranstalter erworben haben. Hier gilt unabhängig von der Ticketnummer die Vergabe von Prämienmeilen nach Buchungsklasse. In seltenen Fällen bei Nicht-Verfügbarkeit von Flugpreisinformationen, behält Miles & More sich vor, die Meilen weiterhin nach dem buchungsklassenbasierten System zu vergeben.“

          Wenn du SIA etc. fliegst ist es also kein Problem…

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