Portugal treibt die Teilprivatisierung von TAP Air Portugal weiter voran. Mit der Lufthansa Group und Air France-KLM haben zwei große europäische Airline-Gruppen fristgerecht verbindliche Angebote eingereicht. IAG hatte sich zuvor aus dem Bieterverfahren zurückgezogen.
Portugal will bis zu 44,9 Prozent von TAP verkaufen
Schon 2015 hatte die portugiesische Regierung die Airline mehrheitlich privatisiert, später jedoch wieder vollständig verstaatlicht. Nun geht Portugal erneut die Teilprivatisierung seiner Nationalfluggesellschaft an. Die portugiesische Regierung will bis zu 44,9 Prozent der Anteile an TAP an einen strategischen Investor aus der Luftfahrtbranche verkaufen. Weitere bis zu fünf Prozent der Anteile sind für TAP-Beschäftigte reserviert. Nicht gezeichnete Mitarbeiteranteile kann der ausgewählte Investor zusätzlich erwerben, sodass seine Beteiligung auf bis zu 49,9 Prozent steigen könnte. Der Staat soll mindestens 50,1 Prozent der Anteile halten und damit Mehrheitsgesellschafter bleiben. Im November 2024 erklärte Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz, dass es Interessenbekundungen von mehr als zwölf nationalen und internationalen Interessenten gegeben habe, darunter auch Interessenten außerhalb Europas. Für die Investoren sind die Marktanteile in Südamerika, insbesondere auf den Brasilien-Routen, von Interesse. TAP Air Portugal bietet von ihrem Drehkreuz in Lissabon sowie ab Porto zahlreiche Verbindungen nach Brasilien an.
Lufthansa und Air France-KLM bieten für TAP
Nach ihren unverbindlichen Angeboten vom 2. April 2026 reichten Air France-KLM und die Lufthansa Group am 29. Juli 2026 auch verbindliche Angebote bei Parpública, der portugiesischen Gesellschaft für Staatsbeteiligungen, ein. IAG, der Mutterkonzern von British Airways und Iberia, hatte auf ein unverbindliches Angebot verzichtet und war damit aus dem Verfahren ausgeschieden.
Die Lufthansa Group strebt zunächst den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an, um eine langfristige Partnerschaft mit TAP Air Portugal zu begründen und die Zukunft der Airline als nationale Fluggesellschaft Portugals abzusichern. „Unser Interesse an einer Beteiligung an unserem Star Alliance Partner TAP Air Portugal ist der nächste logische Schritt. Wir wollen die nationale Airline Portugals als Teil der Lufthansa Gruppe und führende Fluggesellschaft für den Südatlantik mit Lissabon als strategischem Drehkreuz stärken“, erklärt Carsten Spohr, CEO der Lufthansa Group, in einer Pressemitteilung. Der Konzern verweist dabei auf seine Erfahrung mit SWISS, Austrian Airlines, Brussels Airlines und ITA Airways, die unter Wahrung ihrer nationalen Identität weiterentwickelt wurden.
Bereits am 20. November 2025 hatte die Lufthansa Group ihr Interesse an TAP Air Portugal offiziell mit einer Pressemitteilung bekundet und seither wiederholt bekräftigt. In einem Interview mit der „FAZ“ vom 14. April 2026 erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr, der Konzern sei weiterhin an einem Einstieg bei TAP Air Portugal interessiert. Zwar favorisiere die Lufthansa Group eine vollständige Übernahme, doch auch die aktuelle Vorgabe, die zunächst nur eine Beteiligung von bis zu 44,9 Prozent vorsieht, „ist für uns kein Hinderungsgrund“, so Spohr. Das TAP-Drehkreuz in Lissabon würde die Drehkreuze der Lufthansa Group in Frankfurt, München, Zürich, Wien, Brüssel und Rom ideal ergänzen. Die Lufthansa Group sieht Lissabon als mögliches atlantisches Drehkreuz innerhalb ihres Netzwerks.
Diese Position bekräftigte Spohr Ende Juni 2026 erneut beim offiziellen Spatenstich für die neue Lufthansa Technik-Anlage in Santa Maria da Feira. Dort erklärte er, Portugal habe sich zu einem der strategisch wichtigsten Standorte des Konzerns außerhalb seiner Heimatmärkte entwickelt. Die Lufthansa Group ist seit mehr als 70 Jahren in Portugal aktiv, beschäftigt derzeit mehr als 500 Fachkräfte im Land und bietet 353 wöchentliche Flüge von und nach Portugal an. Mit der neuen Wartungsanlage für Triebwerksteile und Flugzeugkomponenten soll die Beschäftigtenzahl bis 2030 auf mehr als 1.000 steigen. Zudem bezeichnete Spohr TAP Air Portugal als „natürliche Erweiterung der Partnerschaft mit Portugal“, die der Konzern seit Jahrzehnten aufgebaut habe.

Air France-KLM bietet nach eigenen Angaben für eine Beteiligung zwischen 44,9 und 49,9 Prozent. Lissabon könnte dabei zum „einzigen Drehkreuz der Gruppe in Südeuropa“ werden. Von dort will der Konzern vor allem Verbindungen nach Brasilien, in weitere Teile Amerikas und nach Afrika stärken.
Bei einem Einstieg dürfte TAP Air Portugal perspektivisch auch enger an das Vielfliegerprogramm des Investors angebunden werden. Lufthansa und TAP arbeiten bereits über ihre Mitgliedschaft in der Star Alliance zusammen.
Entscheidung über TAP-Verkauf im September erwartet
Parpública prüft nun die verbindlichen Angebote und soll den für Finanzen und Luftverkehr zuständigen Regierungsmitgliedern innerhalb von 30 Tagen einen Bericht vorlegen. Fordert die Gesellschaft zusätzliche Erläuterungen von einem oder beiden Bietern an, ruht diese Frist bis zum Eingang der Antworten. Nach Prüfung des Berichts kann die Regierung einen oder beide Bieter zur Abgabe eines nachgebesserten Schlussangebots auffordern. Infrastrukturminister Miguel Pinto Luz strebt weiterhin einen Abschluss des Verfahrens im September 2026 an.
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