Flugzeug Air Baltic Airbus A220 300 Zurich
14. August 2026 Markus 0 News

Neuer Businessplan: airBaltic verkleinert Flotte deutlich

airBaltic verabschiedet sich vorerst von ihren ambitionierten Wachstumsplänen. Statt langfristig annähernd 100 Flugzeuge zu betreiben, will airBaltic die Flotte von aktuell 54 Airbus A220-300 bis Ende 2026 auf rund 36 Maschinen verkleinern. Bis 2031 ist nur noch ein moderates Wachstum auf etwa 40 Flugzeuge vorgesehen. Der laufende Flugplan und bestehende Buchungen sollen von der Restrukturierung nicht betroffen sein.

airBaltic reduziert Flotte bis Ende 2026 auf rund 36 Flugzeuge

airBaltic hat einen grundlegend überarbeiteten Businessplan beschlossen. Wie die lettische Fluggesellschaft mitteilte, haben künftig finanzielle Stabilität und Profitabilität Vorrang vor weiterem Wachstum. Das wirkt sich insbesondere auf die Flottenplanung aus: Aktuell betreibt airBaltic 54 Airbus A220-300. Zum Jahresende 2026 sollen es nur noch rund 36 Flugzeuge sein. Bis 2031 soll die Flotte anschließend wieder auf etwa 40 Maschinen wachsen.

Gleichzeitig soll Riga als primäres Drehkreuz noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Statt das Streckennetz breit auszubauen, will airBaltic bestehende Märkte gezielter bedienen und insbesondere dort die Frequenzen erhöhen, wo Nachfrage und Profitabilität dies rechtfertigen. Die übrigen Basen sollen weiterhin ausgewählte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen anbieten.

Trotz der deutlich kleineren Flotte geht airBaltic davon aus, die angebotene Kapazität langfristig weitgehend stabil halten zu können. Erreicht werden soll dies durch eine höhere Nutzung der Flugzeuge sowie einen stärkeren und gleichmäßigeren Einsatz im ACMI-Geschäft. Die für den eigenen Linienverkehr angebotenen Sitzkilometer sollen zunächst von rund 9,6 Milliarden im Jahr 2026 auf 8,7 Milliarden im Jahr 2027 sinken. Bis 2031 ist wieder ein Anstieg auf etwa 10,5 Milliarden vorgesehen.

Aus fast 100 geplanten Flugzeugen werden rund 40

Der neue Businessplan stellt eine deutliche Kehrtwende gegenüber den bisherigen Flottenplänen dar. Noch im August 2024 hatte airBaltic zehn weitere Airbus A220-300 bestellt. Damit erhöhte sich die Zahl der Festbestellungen auf insgesamt 90 Flugzeuge. Damals erklärte die Airline, langfristig eine Flotte von annähernd 100 Airbus A220-300 betreiben zu wollen.

Von diesem Wachstumskurs rückt airBaltic nun ab. Als Gründe nennt die Airline unter anderem eine schwächere Entwicklung von Nachfrage und Erlösen als ursprünglich erwartet, geopolitische Unsicherheiten durch die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sowie die anhaltenden Verfügbarkeitsprobleme bei den Pratt & Whitney-Triebwerken der Airbus A220-300. Diese hatten airBaltic bereits in den vergangenen Jahren dazu gezwungen, zeitweise einen Teil ihrer Flotte am Boden zu lassen.

Unklar bleibt allerdings, was der neue Businessplan für die noch nicht ausgelieferten Flugzeuge aus der bestehenden Airbus-Bestellung bedeutet. airBaltic macht in der aktuellen Mitteilung keine Angaben zu möglichen Stornierungen, Verschiebungen oder anderen Änderungen am Auftragsbestand. Ebenso wird nicht erwähnt, auf welchem Weg die Zahl der betriebenen Maschinen innerhalb weniger Monate von 54 auf rund 36 reduziert werden soll.

airBaltic benötigt 225 Millionen Euro Zwischenfinanzierung

Die drastisch veränderte Flottenstrategie ist Teil einer umfassenderen Restrukturierung. airBaltic benötigt kurzfristig 225 Millionen Euro an Zwischenfinanzierung. Diese Mittel sollen den Liquiditätsbedarf decken, bis eine dauerhafte Finanzierungslösung umgesetzt werden kann. Eine Einigung über die Finanzierung steht allerdings noch aus. Für Passagiere betont airBaltic ausdrücklich, dass der normale Flugbetrieb weiterläuft. Der aktuelle Flugplan und die angebotenen Dienstleistungen sollen durch die Umsetzung des Businessplans nicht beeinträchtigt werden.

ACMI-Geschäft gewinnt für airBaltic an Bedeutung

Eine größere Rolle soll künftig das ACMI-Geschäft spielen. Dabei stellt airBaltic anderen Fluggesellschaften Flugzeuge einschließlich Besatzung, Wartung und Versicherung zur Verfügung. Die Airline will solche Partnerschaften verstärkt ganzjährig nutzen. Dadurch sollen saisonale Schwankungen reduziert und Flugzeuge insbesondere in den nachfrageschwächeren Wintermonaten produktiver eingesetzt werden.

Für Reisende im DACH-Raum ist dabei vor allem die Zusammenarbeit mit der Lufthansa Group relevant. Die Lufthansa Group und airBaltic arbeiten bereits seit 2019 im Wet Lease zusammen. Die Partnerschaft wurde ab dem Sommerflugplan 2025 um weitere drei Jahre verlängert. Seit August 2025 geht die Zusammenarbeit über das Wet Lease hinaus. Die Lufthansa Group hält seitdem eine Minderheitsbeteiligung von zehn Prozent an der lettischen Airline. Die Lufthansa Group bezeichnete den bestehenden Wet-Lease-Vertrag ausdrücklich als Grundlage für eine weitere Vertiefung der kommerziellen Partnerschaft.

airBaltic selbst erwartet durch den neuen Businessplan wiederkehrende finanzielle Verbesserungen von rund 45 Millionen Euro pro Jahr. Diese sollen überwiegend durch niedrigere Kosten, aber auch durch zusätzliche Erlösmöglichkeiten entstehen.

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