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13. Dezember 2020 Lothar 1 Sonstiges

Boom Overture – Comeback der Überschallflüge?

Seit einiger Zeit liest man immer wieder, dass Überschallflugzeuge vor einem Comeback stehen könnten – allen voran durch die Boom Overture des amerikanischen Unternehmens Boom Technology. In diesem Artikel wollen wir uns die Vergangenheit der Überschallflugzeuge ansehen, woran diese schließlich gescheitert sind und wie realistisch ein erfolgreiches Comeback denn wirklich ist.

Concorde & Co – die Vergangenheit der Überschallflugzeuge

In den 1960er Jahren, mitten während des kalten Krieges, gab es zwischen dem Westen (USA, Europa) und der Sowjetunion einen regelrechten Run darum, wer das erste Überschall-Passagierflugzeug auf den Markt bringt. In den USA ging die Boeing 2707 als Sieger eines staatlichen “Supersonic Transport”-Wettbewerbes hervor und sicherte sich damit die öffentliche Projektfinanzierung. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich das Thema Überschallflüge auf Grund der erwarteten Lärmbelästigung (welche etwa in den ‘Oklahoma City sonic boom tests’ auch in der Praxis erprobt wurde) in den USA jedoch immer mehr zu einem heißen Politikum. Im Jahr 1971 entzog der Senat dem Projekt schließlich die weitere staatliche Finanzierung, was einem Todesstoß gleich kam.

Die Sowjetunion produzierte mit der Tupolev Tu-144 tatsächlich das erste Überschall-Passagierflugzeug der Welt – der Erstflug fand im Jahr 1968 statt, knapp zwei Monate vor dem der Concorde. Der Passagierbetrieb wurde jedoch erst im Jahr 1977 aufgenommen, über ein Jahr nachdem dies bei der Concorde der Fall war. Mehr als einen kurzlebigen Prestigeerfolg konnte die Sowjetunion mit der Tu-144 nicht erzielen. Die Tu-144 war technisch höchst unausgegoren, noch lauter und treibstoffhungriger als die Concorde, und konnte mangels zahlungskräftigen Premiumklientels in der Sowjetunion auch nicht wirtschaftlich betrieben werden. Im kommerziellen Dienst stand die Tu-144 beim einzigen Kunden, Aeroflot, nicht einmal ein ganzes Jahr – nach einer Crashlandung im Jahr 1978 wurde der Flugbetrieb bereits wieder eingestellt. Schon während der Testphase stürzte eine Tu-144 vor Zuschauern auf der Paris Air Show 1973 ab, einen guten Ruf hatte das Flugzeug also nie besessen. Eingesetzt wurde es bei Aeroflot nur auf der Strecke zwischen Moskau und Almaty, Kasachstan.

Tupolev Tu 144 Abgestellt Pixabay
Eine abgestellte Tupolev Tu-144

Mit Abstand den meisten Erfolg hatte natürlich die französisch-britische Aerospatiale/BAC Concorde, doch auch dieser Erfolg ist relativ. Da die Concorde doppelt so viel Treibstoff wie eine Boeing 707 verbrauchte, der Ölpreis in den 1970ern auf Grund der Ölpreiskrise 1973 und darauffolgenden Wirtschaftskrise aber massiv anstieg, verursachte der Betrieb der Concorde zunächst Millionenverluste. Von den ursprünglich 76 Bestellungen von 16 verschiedenen Airlines blieben im Endeffekt nur je 7 Bestellungen von Air France und British Airways über – diese Maschinen wurden auch ausgeliefert. Sechs weitere Concorde wurden als Testflugzeuge oder zu sonstigen Zwecken produziert.

Concorde Im Museum Pixabay
Concorde sind heutzutage in verschiedenen Museen ausgestellt

Erst als Air France und British Airways in den 1980ern dazu übergingen, die Concorde als exklusives Luxusprodukt zu bewerben und begannen, auch entsprechende Preise (nach heutiger Umrechnung meist über 10.000€ pro Roundtrip) zu verlangen, wurde der Betrieb der Concorde profitabel.

Zu Beginn der 2000er Jahre überschlugen sich die Ereignisse. Zunächst stürzte am 5. Juli 2000 eine Concorde der Air France nach dem Start ab, daraufhin wurde der Concorde die Typenzulassung entzogen. Eine Woche nach der Wiederzulassung der Concorde stürzten die Terroranschläge vom 11. September 2001 die Luftfahrt in eine ihrer bisher größten Krisen – die Flugnachfrage ging deutlich zurück und die Concorde war zunehmend leerer unterwegs. Das Fass zum Überlaufen brachte dann im Jahr 2003 die Entscheidung von Airbus (in welcher Aerospatiale aufging), keine Ersatzteile für die Concorde mehr bereitzustellen. Das Flugzeug war inzwischen technisch veraltet und erforderte immer noch einen Flugingenieur im Cockpit. Air France und British Airways flotteten daraufhin sämtliche Concorde bis zum Jahresende aus.

Überschallflug-Revival mit der Boom Overture?

Es gibt aktuell wieder verschiedene Projekte für neue Überschall-Passagierflugzeuge – das vielversprechendste Modell dürfte wohl die Boom Overture des US-amerikanischen Unternehmens Boom Technology sein. Boom Technology wirbt damit, das erste privat finanzierte Überschall-Passagierflugzeug der Welt zu produzieren. Aktuell ist das Boom Overture genannte Passagierflugzeug aber noch weit von einer Produktion entfernt – zunächst entwickelt man ein kleineres “Testflugzeug”, die Boom XB-1. Der Erstflug der XB-1 ist für das Jahr 2021 geplant, der erste Flug in Überschallgeschwindigkeit soll dann gegen Ende 2021 stattfinden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in die Weiterentwicklung und Fertigstellung der Boom Overture fließen.

Boom Technology Xb1 Copyright
Das XB-1 Testflugzeug © Boom Technology

Die Boom Overture soll bis zu 75 Passagiere in einer reinen Business Class Konfiguration über eine Distanz von bis zu 8.300 Kilometern befördern können. Die präsentierte Business Class in einer 1-1 Sitzanordnung erinnert dabei optisch eher an eine etwas hübschere, inneramerikanische First Class – um Lie-Flat Sitze handelt es sich nicht, diese könnten aber in noch fernerer Zukunft nachgereicht werden. Die reine Business Class Bestuhlung liegt, ähnlich wie schon bei der Concorde, darin begründet, dass die entstehenden Kosten auf Grund der geringen Größe des Flugzeuges auf weniger Passagiere verteilt werden müssen und man vor allem Geschäftsreisende und zahlungskräftige Kunden ansprechen will – ein durchschnittliches Returnticket soll etwa 5.000 Dollar kosten. Im Vergleich zu Concorde-Tickets immer noch recht günstig.

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Das Overture Überschall-Passagierflugzeug © Boom Technology

Die Flugzeiten sollen nur halb so lang ausfallen, wie dies bei normalen Nicht-Überschallflugzeugen der Fall ist. Der Flug von New York nach London soll in rund 3 Stunden und 30 Minuten möglich sein. Eine große Einschränkung gibt es jedoch bei den Flugzielen – die meisten Länder werden, wie dies zur Zeit der Concorde schon der Fall war, Überschallflüge über Land untersagen oder haben diese bereits untersagt. Dies liegt am sogenannten Überschallknall, welcher während des Überschallfluges hinter dem Flugzeug “mitgezogen” wird und für die jeweils darunter befindlichen Personen wie eine laute Explosion samt Vibrationen wahrnehmbar ist.

Zum Vergleich: Bei der Luftraumüberwachung kommt es ab und zu vor, dass ein Kampfjet zum Abfangen eines Flugzeuges aufsteigt (in der Regel wenn ein Flugzeug in den Luftraum eindringt und die Piloten vergessen haben, rechtzeitig Kontakt mit der Flugsicherung aufzunehmen oder das Radio defekt ist) und dabei über bewohntem Gebiet mit Überschallgeschwindigkeit fliegen muss. Die wahrgenommenen Überschallknalle haben meist hunderte, wenn nicht tausende Anrufe über vermeintliche Explosionen sowie Beschädigungen zur Folge.

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Details der Overture © Boom Technology

Auf Grund dessen kann nur über den Ozeanen mit Überschall geflogen werden, was die Auswahl der Routen natürlich massiv einschränkt und etwa premiumlastige Strecken wie New York nach Los Angeles ausschließt. Hauptrouten dürften daher wieder transatlantische Strecken werden, aber auch Flüge von der Westküste nach Hawaii wären möglich. Längere transpazifische Routen können auf Grund der maximalen Reichweite nur mit einem Zwischenstopp zum Auftanken geflogen werden. Diese Tankstopps sollen angeblich weniger als eine Stunde dauern, trotzdem relativiert sich der Geschwindigkeitsvorteil dadurch natürlich ein wenig. Bei der Overture sollen ausschließlich Bio-Treibstoffe zur Anwendung kommen, womit man vermutlich dem Image der Überschallflugzeuge als besonders umweltfeindlichen Maschinen entgegenwirken möchte.

Im weiteren Fahrplan zur Boom Overture ist derzeit vorgesehen, dass der erste Prototyp im Jahr 2025 fertiggestellt wird und zu Flugtests abheben kann. Irgendwann zwischen 2027 und dem Ende des Jahrzehnts sollen die Überschallflugzeuge dann offiziell bei den Kunden in Dienst gestellt werden. Apropos Kunden – laut Boom Technology gibt es bisher 76 Bestellungen, darunter auch von bekannten Fluglinien. Allen voran hat hier Japan Airlines investiert und ist für 20 der 76 Bestellungen verantwortlich. 10 Bestellungen gehen auf das Konto des Milliardärs und Inhabers der Virgin Gruppe, Richard Branson. Dieser ist interessanterweise auch selbst an der Entwicklung eines anderen Überschallflugzeuges beteiligt – Virgin Galactic arbeitet an einem eigenen Überschall-Passagierflugzeug, welches sogar Mach 3 Geschwindigkeit erreichen soll.

Comeback der Überschallflüge mit der Boom Overture – Fazit

Das Hauptproblem von Überschall-Passagierflugzeugen ist und bleibt ganz einfach der Lärm. Während die reine Triebwerkslautstärke der Boom Overture auf Grund der modernen Technik deutlich geringer als jene der Concorde ausfallen dürfen, gibt es in Sachen Überschallknall einfach noch keine wirklichen Verbesserungen – und ohne Überlandflüge fällt ganz einfach ein riesiges Marktsegment weg, insbesondere auf den längsten inneramerikanischen Strecken. Solange sich hier nichts Maßgebliches ändert, wird auch die Boom Overture wohl maximal ein Nischendasein als Luxustransport für recht wenige Menschen fristen können. Sollte es hingegen irgendwann gelingen, den Überschallknall wirklich massiv abzudämpfen, könnten Überschall-Passagierflugzeuge in (weit entfernter) Zukunft doch noch eine bedeutende Rolle spielen.

Glaubt ihr an ein Comeback der Überschall-Passagierflugzeuge?

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