Vor einigen Wochen führte mich eine Reise nach China, genauer gesagt nach Chengdu. Da mir aufgrund mehrerer beruflicher Trips in diesem Jahr noch einige Miles & More Points zum Senator-Status fehlten, nutzte ich die attraktiven China Business Class Angebote ab Norwegen, um die letzten benötigten Punkte zu sammeln. Da keine Airline der Lufthansa Group Chengdu anfliegt, blieb mir als einzige Option Air China – eine Fluggesellschaft, mit der ich noch keinerlei eigene Erfahrungen gesammelt hatte. Entsprechend gespannt war ich darauf, was mich in der Air China Business Class Airbus A330-300 auf dem Flug von Frankfurt nach Chengdu erwarten würde.
Da ich selbst niemanden kenne, der bereits persönliche Erfahrungen mit Air China gesammelt hat, und die online verfügbaren Berichte eher als „Hit or Miss“ einzustufen sind, war meine Erwartungshaltung entsprechend zurückhaltend. Umso positiver überrascht war ich letztlich vom Serviceangebot, während das Kabinenprodukt im Airbus A330-300 durchaus als „in die Jahre gekommen“ bezeichnet werden kann.

Air China Business Class Airbus A330-300 – Die wichtigsten Daten
- Airline: Air China
- Flugzeugtyp: Airbus A330-300
- Kennzeichen: B-8383
- Flugnummer: CA432
- Flugzeit: 9:36 Stunden
- Tag/Nacht: Tag-/Nachtflug
- Reiseklasse: Business Class
- Kabinen-Konfiguration: 2-2-2
- Kabinen-Größe: 30 Zodiac Aura Lite Seats in 5 Reihen
- Sitzbreite: 21 Zoll / 53 cm
- Bettlänge: 76,8 Zoll / 195 cm
- Recline: 170 Grad
- Bildschirmgröße: 15 Zoll / 38 cm
Air China Business Class Airbus A330-300 – Boarding
Da ich zuvor einen Zubringerflug von Oslo nach Frankfurt hatte, wurde ich vor dem Boarding am Gate noch einmal ausgerufen, um meine persönlichen Daten überprüfen zu lassen. Dieses Prozedere schien alle Passagiere zu betreffen, die ihren Check-in nicht direkt bei Air China am Abflughafen Frankfurt durchgeführt hatten. Glücklicherweise war mit meinen Unterlagen alles in Ordnung, sodass dem Weiterflug nach China nichts im Wege stand.
Ich reihte mich als Erster in die Schlange der Business Class ein, um in Ruhe einige Fotos der Kabine machen zu können, ohne andere Passagiere zu stören. An der Abzweigung zwischen Business und Economy Class stand bereits einer der zwei Sky Marshals, die nach meiner Vermutung auf allen Langstreckenflügen nach China eingesetzt werden. Während des Fluges waren sie regelmäßig im Gang unterwegs, um nach dem Rechten zu sehen.
Air China Business Class Airbus A330-300 – Kabine & Sitz
Air China verfügt über eine sehr große Langstreckenflotte mit den unterschiedlichsten Flugzeugtypen. Das eigentliche Premium-Produkt der Airline kommt allerdings ausschließlich im Airbus A350-900 zum Einsatz, der derzeit auf keiner Strecke nach Deutschland fliegt. Entsprechend gehe ich auf das Kabinenprodukt im A330-300 nicht ganz so detailliert ein, da es sichtbar veraltet ist und vermutlich in den kommenden Jahren entweder ein Kabinen-Refresh erhalten oder durch einen anderen Flugzeugtyp ersetzt wird.
In der Business Class des A330-300 sind insgesamt 30 Zodiac Aura Lite Sitze in fünf Reihen verbaut, angeordnet in einer 2-2-2-Konfiguration. Es existiert noch eine zweite A330-Variante mit 36 Sitzen in sechs Reihen, ausgestattet mit etwas neueren Recaro-Sitzen, allerdings ebenfalls in 2-2-2-Konfiguration. Mein Platz war 11L in der ersten Reihe, in der Hoffnung auf zusätzliche Beinfreiheit durch die Fußablage vor mir. Diese Erwartung erfüllte sich jedoch nicht.

Der Monitor ist bei diesem Sitz nicht vorne an der Flugzeugwand verbaut, sondern in der Armlehne verstaut und muss ausgeklappt werden, ein Zeichen für das Alter der Kabine. Alternativ befindet sich bei anderen Sitzen ein etwa 15 Zoll großer Bildschirm in der Sitzschale vor einem. In einem seitlichen Hohlraum (in meinem Fall links) sind eine Steckdose, der Controller für das Entertainment-System, ein USB-C-Anschluss sowie die Bedienelemente für Tisch und Monitor untergebracht. Die Sitzverstellung selbst erfolgt über Tasten unterhalb der Ablagefläche der Mittelkonsole.
Der Sitz lässt sich nicht vollständig in eine 180-Grad-Lie-Flat-Position bringen, sondern erreicht lediglich einen Neigungswinkel von etwa 170 Grad. Der Fußhocker bietet Platz für Schuhe, jedoch nicht für einen Rucksack, zumindest nicht in Reihe 11. Eine kleine Leselampe hinter dem Sitz rundet die grundlegenden Funktionen ab.
Grundsätzlich bin ich kein Fan der 2-2-2-Konfiguration, insbesondere als Alleinreisender. Auf dem Hinflug hatte ich jedoch Glück und der Sitz neben mir blieb frei. Der Rückflug erfolgte mit einer Boeing 777-300, ebenfalls in 2-2-2-Bestuhlung, allerdings mit einem etwas moderneren Kabinenprodukt. Da es sich hierbei um einen reinen Nachtflug von Peking nach Frankfurt handelte, wird es dazu keinen separaten Review geben.
Air China Business Class Airbus A330-300 – Service und Essen
Kommen wir zum Service auf meinem Flug nach Chengdu. Dieser hat mich wirklich positiv überrascht. Ich bin mit eher niedrigen Erwartungen an Bord gegangen, was sich im Nachhinein als klarer Trugschluss herausstellte. Lediglich bei der englischen Kommunikation hakte es gelegentlich, insgesamt funktionierte sie jedoch besser als erwartet und sogar besser als auf meinem letzten Flug mit ITA Airways (Review: ITA Airways Airbus A330-900Neo Rome to Bangkok), wo Englisch ebenfalls nicht zu den Stärken der Crew zählte.
Bereits beim Boarding wurde ich freundlich begrüßt und auf den zweiten Gang der ersten Reihe verwiesen. Kaum angekommen, blieb mir fast keine Zeit, in Ruhe Fotos zu machen, denn die zuständige Stewardess war sofort in ihrem Element. Sie bot an, meine Jacke abzunehmen, brachte mir kurz darauf Slipper und stellte eine Flasche Wasser bereit. Anschließend hatte ich die Auswahl zwischen Champagner, Orangensaft, Wasser und Tomatensaft. Ich entschied mich für den Champagner, der bis zum Abflug, aufgrund leichter Verspätung, insgesamt dreimal nachgefüllt wurde. Ein Service, den man selbst in der Business Class nicht überall erlebt. Positiv fielen mir auch die Untersetzer mit Air China Logo auf, ein kleines, aber stimmiges Detail.
Im weiteren Verlauf wurden regelmäßig Hot Towels gereicht, so häufig, dass ich irgendwann aufgehört habe zu zählen. Vor und nach dem Essen, nach dem Aufwachen und auch zwischendurch wurde stets ein heißes Tuch angeboten.
Ein gedrucktes Menü gab es leider nicht, stattdessen erklärte mir die Stewardess die Auswahl mündlich. Zur Verfügung standen Beef Rice, Beef Noodles und Pasta. Der Service war zweimal vorgesehen, etwa 40 Minuten nach dem Start sowie rund drei Stunden vor der Landung. Aufgrund der frühen Ankunftszeit gegen 7 Uhr morgens wurde sowohl für das „Mittagessen“ als auch für das Frühstück dieselbe Auswahl angeboten, so wie ich es verstanden habe.
Das Catering stammte von GIC International Catering, einem neuen Anbieter, der seit Mitte September exklusiv für den Air China Flug nach Chengdu tätig ist. Geschmacklich war das Essen solide, wenn auch nicht besonders ansprechend präsentiert. Nach dem Start wurden zunächst Nüsse sowie ein kleiner Gruß aus der Küche serviert, ein Stück Beef und ein Shrimp mit Hummus, bevor das Hauptgericht folgte. Ich hatte Beef Rice gewählt, erhielt jedoch Beef Noodles, was wohl auf die angesprochenen Sprachbarrieren zurückzuführen ist. Zum Dessert gab es frische Früchte sowie eine Kugel Eis.
Während des gesamten Fluges zeigte sich die Crew sehr präsent. Die Stewardessen gingen regelmäßig durch die Kabine, erkundigten sich nach Getränkewünschen und hielten die WCs sichtbar sauber. Zu den Amenities zählten unter anderem Zahnbürsten und kleine Stoffhandtücher. Ein charmantes Detail waren die kleinen Spülbecher mit Panda Motiv, vermutlich exklusiv auf der Chengdu-Strecke, passend zum nahegelegenen Panda-Reservat. Zudem hatte die Crew im vorderen Kabinenbereich eine kleine Snack- und Getränke-Ecke eingerichtet, mit frischem Obst, Snacks und Softdrinks zur Selbstbedienung.
Auf dem Rückflug von Peking nach Frankfurt wurde zwar ein Menü ausgegeben, der Service wirkte insgesamt jedoch deutlich weniger aufmerksam als auf dem Hinflug. Zudem wollte ich meinen Sitz wechseln, da ein Gangplatz in der mittleren Sektion frei war. Dies wurde von der Crew jedoch abgelehnt. Meine Vermutung ist, dass dieser Platz für einen der Sky Marshals reserviert war, auch wenn dieser während des Fluges einige Reihen weiter hinten saß und der angefragte Sitz durchgehend unbesetzt blieb.
Air China Business Class Airbus A330-300 – Amenity Kit
Das Amenity Kit hat mir hingegen wieder sehr gut gefallen, insbesondere die hochwertige Hülle. Diese ist innen gepolstert und eignet sich hervorragend für die Weiterverwendung auf zukünftigen Reisen, etwa zur Aufbewahrung kleinerer Gegenstände oder von Ladekabeln, ein praktischer Mehrwert über den Flug hinaus.
Die enthaltenen Pflegeprodukte stammen von L’Occitane, was dem Amenity Kit insgesamt eine solide Note verleiht. Die Ausstattung selbst ist ordentlich und vollständig, ohne dabei echte Highlights zu setzen. Inhaltlich bewegt sich das Kit auf einem Niveau, das man auch von vielen anderen internationalen Fluggesellschaften kennt. Zum Inhalt gehörten eine Zahnbürste, ein Kamm, Ohrenstöpsel, eine Augenmaske sowie Lippenbalsam und Bodylotion.
Air China Business Class Airbus A330-300 – Entertainment/WiFi
Eine ausführliche Besprechung des Entertainment-Programms kann man sich in diesem Fall fast sparen, denn es ist ebenso oldschool wie das Kabinenprodukt selbst. Die Auswahl an Filmen und Serien fiel sehr überschaubar aus und dürfte selbst wenig anspruchsvolle Vielflieger begeistern. Auch die Bildqualität des Monitors ließ deutlich zu wünschen übrig, ebenso wie die Bedienung per Touch, die insgesamt träge und wenig präzise reagierte.
Ergänzt wurde das Ganze durch ein veraltetes Fluginformationssystem, das weder optisch noch inhaltlich auf dem aktuellen Stand ist. Wer Wert auf Unterhaltung legt, ist hier gut beraten, ein eigenes Tablet oder Notebook mitzubringen.
Positiv hervorzuheben sind immerhin die Noise-Cancelling-Over-Ear-Kopfhörer, die qualitativ das beste Element des gesamten Entertainment-Angebots darstellten.
Das WLAN konnte ich während des Fluges leider nicht nutzen. Nach dem ersten Informationsbildschirm wechselte die Oberfläche vollständig ins Chinesische, sodass weder eine Verbindung hergestellt noch Preise eingesehen werden konnten.
Air China Business Class Airbus A330-300 – Fazit
Insgesamt hat mich der Service auf diesem Flug wirklich positiv überrascht. Obwohl ich mit eher niedrigen Erwartungen an Bord gegangen war, hinterließ die Aufmerksamkeit und Freundlichkeit der Crew einen nachhaltigen Eindruck. Kleine Details wie regelmäßige Hot Towels, die gut bestückte Snack-Ecke und der persönliche Umgang mit den Passagieren machten den Unterschied und zeigen, dass Air China beim Serviceangebot durchaus punkten kann.
Das Kabinenprodukt im Airbus A330-300 hingegen bleibt deutlich hinter modernen Standards zurück. Die 2-2-2-Konfiguration, die veralteten Sitze und das eingeschränkte Entertainment fallen klar negativ auf. Wer ein komfortables, zeitgemäßes Business Class Erlebnis sucht, wird hier enttäuscht.
In Summe ergibt sich für mich ein gemischtes Bild. Starker Service trifft auf ein in die Jahre gekommenes Kabinenprodukt. Daraus ergibt sich meine durchschnittliche Bewertung von 3 von 5 Sternen. Mit einem modernen Sitz, wie im Airbus A350, verbessertem Entertainment und einem insgesamt zeitgemäßen Kabinenprodukt könnte Air China auf Langstrecke sicherlich ein wirklich überzeugendes Business Class Erlebnis bieten.
Was ist eure Meinung zur Business Class von Air China und habt ihr das Premium Produkt im Airbus A350 testen können? Hinterlasst einen Kommentar!
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