Flugzeug Air Baltic Airbus A220 300 Zurich
22. September 2026 Markus 0 News

airBaltic startet Chapter-11-Restrukturierung – Flugbetrieb läuft weiter

airBaltic hat im Zuge ihrer laufenden Restrukturierung freiwillig ein Verfahren nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts eingeleitet. Das zuständige Gericht hat inzwischen erste Anträge genehmigt und der Airline vorläufig Zugriff auf 140 Millionen Euro einer insgesamt 350 Millionen Euro umfassenden Finanzierung gewährt. Für Passagiere soll sich dadurch nichts ändern: Flüge finden weiterhin wie geplant statt, bestehende Buchungen und Tickets bleiben gültig. Parallel setzt airBaltic den im August vorgestellten Businessplan um, der eine deutliche Verkleinerung der Flotte vorsieht.

airBaltic erhält Zugriff auf 140 Millionen Euro aus DIP-Finanzierung

Am 16. September 2026 erhielt airBaltic vom United States Bankruptcy Court for the Southern District of New York die Genehmigung für wesentliche First Day Motions im laufenden Chapter-11-Verfahren. Wie die Airline in einer Pressemeldung mitteilte, darf sie damit ihren Flugplan und den übrigen Geschäftsbetrieb weiterhin ohne Unterbrechung fortführen. Zugleich genehmigte das Gericht die Debtor-in-Possession-Finanzierung, kurz DIP-Finanzierung, vorläufig. airBaltic kann dadurch unmittelbar auf eine erste Tranche von 140 Millionen Euro zugreifen. Insgesamt haben Finanzierungsgeber 350 Millionen Euro zugesagt. Weitere Beträge sollen im Verlauf der Restrukturierung gemäß den Finanzierungsbedingungen und gegebenenfalls nach weiteren gerichtlichen Genehmigungen verfügbar werden.

Die Finanzierung wurde von Strategic Value Partners arrangiert und wird von Barclays, Hayfin Capital Management, Morgan Stanley, Oaktree Capital Management sowie Strategic Value Partners bereitgestellt. Zusammen mit den laufenden Einnahmen soll sie den Geschäftsbetrieb und die Restrukturierung während des Chapter-11-Verfahrens finanzieren.

Chapter 11 soll finanzielle Restrukturierung ermöglichen

airBaltic und bestimmte Tochtergesellschaften hatten das Chapter-11-Verfahren am 14. September 2026 freiwillig eingeleitet. Wie die Airline in der entsprechenden Pressemeldung erklärte, soll das gerichtlich überwachte Verfahren dazu genutzt werden, finanzielle Verpflichtungen neu zu strukturieren und eine langfristig tragfähigere Kapitalstruktur zu schaffen.

Chapter 11 ermöglicht Unternehmen eine finanzielle Reorganisation unter Aufsicht eines US-Gerichts, ohne den normalen Geschäftsbetrieb einstellen zu müssen. Für Passagiere hat airBaltic deshalb ausdrücklich keine Änderungen angekündigt. Flüge sollen wie geplant durchgeführt werden und bestehende Tickets und Reservierungen bleiben gültig. Auch Gutscheine und Loyalty-Punkte sollen weiterhin anerkannt und Erstattungen entsprechend den bestehenden Bedingungen bearbeitet werden. Passagiere mit bereits gebuchten Reisen müssen nach Angaben der Airline derzeit nichts unternehmen. Die gerichtlichen Genehmigungen ermöglichen airBaltic zudem, Gehälter und Sozialleistungen weiter zu zahlen und bestimmte Verpflichtungen gegenüber wichtigen Lieferanten, Reisebüros und Vertriebspartnern zu erfüllen. Das Unternehmen führt währenddessen Gespräche mit Gläubigern und weiteren Beteiligten über die langfristige finanzielle Neuaufstellung.

airBaltic strebt derzeit an, das Verfahren bis etwa Juni 2027 abzuschließen; der Zeitplan hängt jedoch vom Verlauf des Verfahrens und weiteren gerichtlichen Genehmigungen ab.

airBaltic reduziert Flotte bis Ende 2026 auf rund 36 Flugzeuge

Parallel zum Chapter-11-Verfahren setzt airBaltic den im August 2026 vorgestellten, grundlegend überarbeiteten Businessplan um. Wie die lettische Fluggesellschaft mitteilte, haben künftig finanzielle Stabilität und Profitabilität Vorrang vor weiterem Wachstum. Das wirkt sich insbesondere auf die Flottenplanung aus: Ausgehend von 54 Airbus A220-300 soll die Flotte zum Jahresende 2026 auf rund 36 Flugzeuge verkleinert werden. Bis 2031 soll sie anschließend wieder auf etwa 40 Maschinen wachsen. Gleichzeitig soll Riga als primäres Drehkreuz noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Statt das Streckennetz breit auszubauen, will airBaltic bestehende Märkte gezielter bedienen und insbesondere dort die Frequenzen erhöhen, wo Nachfrage und Profitabilität dies rechtfertigen. Die übrigen Basen sollen weiterhin ausgewählte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen anbieten.

Trotz der deutlich kleineren Flotte geht airBaltic davon aus, die angebotene Kapazität langfristig weitgehend stabil halten zu können. Erreicht werden soll dies durch eine höhere Nutzung der Flugzeuge sowie einen stärkeren und gleichmäßigeren Einsatz im ACMI-Geschäft. Die für den eigenen Linienverkehr angebotenen Sitzkilometer sollen zunächst von rund 9,6 Milliarden im Jahr 2026 auf 8,7 Milliarden im Jahr 2027 sinken. Bis 2031 ist wieder ein Anstieg auf etwa 10,5 Milliarden vorgesehen.

Aus fast 100 geplanten Flugzeugen werden rund 40

Der neue Businessplan stellt eine deutliche Kehrtwende gegenüber den bisherigen Flottenplänen dar. Noch im August 2024 hatte airBaltic zehn weitere Airbus A220-300 bestellt. Damit erhöhte sich die Zahl der Festbestellungen auf insgesamt 90 Flugzeuge. Damals erklärte die Airline, langfristig eine Flotte von annähernd 100 Airbus A220-300 betreiben zu wollen. Von diesem Wachstumskurs rückt airBaltic nun ab. Als Gründe nennt die Airline unter anderem eine schwächere Entwicklung von Nachfrage und Erlösen als ursprünglich erwartet, geopolitische Unsicherheiten durch die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sowie die anhaltenden Verfügbarkeitsprobleme bei den Pratt & Whitney-Triebwerken der Airbus A220-300. Diese hatten airBaltic bereits in den vergangenen Jahren dazu gezwungen, zeitweise einen Teil ihrer Flotte am Boden zu lassen.

Unklar bleibt weiterhin, was der neue Businessplan im Detail für die noch nicht ausgelieferten Flugzeuge aus der bestehenden Airbus-Bestellung bedeutet. airBaltic hat bislang keine vollständige neue Übersicht zu möglichen Stornierungen, Verschiebungen oder anderen Änderungen am Auftragsbestand veröffentlicht.

ACMI-Geschäft gewinnt für airBaltic an Bedeutung

Eine größere Rolle soll künftig das ACMI-Geschäft spielen. Dabei stellt airBaltic anderen Fluggesellschaften Flugzeuge einschließlich Besatzung, Wartung und Versicherung zur Verfügung. Die Airline will solche Partnerschaften verstärkt ganzjährig nutzen. Dadurch sollen saisonale Schwankungen reduziert und Flugzeuge insbesondere in den nachfrageschwächeren Wintermonaten produktiver eingesetzt werden.

Für Reisende im DACH-Raum ist dabei vor allem die Zusammenarbeit mit der Lufthansa Group relevant. Die Lufthansa Group und airBaltic arbeiten bereits seit 2019 im Wet Lease zusammen. Der Wet-Lease-Vertrag wurde über den Sommer 2025 hinaus um weitere drei Jahre verlängert. Seit August 2025 geht die Zusammenarbeit über das Wet Lease hinaus. Die Lufthansa Group hält seitdem eine Minderheitsbeteiligung von zehn Prozent an der lettischen Airline.

Die Lufthansa Group bezeichnete den bestehenden Wet-Lease-Vertrag ausdrücklich als Grundlage für eine weitere Vertiefung der kommerziellen Partnerschaft. airBaltic selbst erwartet durch den neuen Businessplan wiederkehrende finanzielle Verbesserungen von rund 45 Millionen Euro pro Jahr. Diese sollen überwiegend durch niedrigere Kosten, aber auch durch zusätzliche Erlösmöglichkeiten entstehen.

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