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23. Mai 2020 Lothar 2 Coronavirus, News

Bundesregierung: Lufthansa Bestellungen bei Airbus müssen erhalten bleiben

Die deutsche Bundesregierung hatte sich zuletzt auf konkrete Bedingungen eines Lufthansa Rettungspakets geeinigt, die Zustimmung der Lufthansa steht aber nach wie vor aus. Medienberichten zu Folge soll die Bundesregierung von der Lufthansa nun zusätzlich fordern, dass sämtliche Bestellungen beim Flugzeughersteller Airbus aus Gründen der Ökologisierung aufrecht bleiben und zu den bisher angepeilten Lieferterminen abgenommen werden müssen.

A320neo, A321neo und A350-900 sollen weiterhin kommen

Bereits vor einigen Wochen hatte Lufthansa CEO Carsten Spohr angekündigt, dass die gesamte Lufthansa Group deutlich kleiner aus der Krise hervorgehen wurde – insbesondere hinsichtlich der Flottengröße. Den Restrukturierungsplänen fallen vor allem die treibstoffineffizienten Vierstrahler in Form der Hälfte der Airbus A380-800, der A340-600 und Boeing 747-400 zum Opfer. Zu einem gewissen Grad konnte man dies als eine vorgezogene Ausflottung sehen, die ohnehin in absehbarere Zeit stattgefunden hätte.

In den nach wie vor andauernden Verhandlungen zwischen der Bundesregierung und der Lufthansa ist auch die Ökologisierung ein Thema geworden. In diesem Kontext dürfte die nun erhobene Forderung der Bundesregierung zu sehen sein, wonach die Lufthansa zur Flottenmodernisierung sämtliche derzeit bestehende Bestellungen bei Airbus aufrechterhalten und zu den bisherigen Daten abnehmen solle. Konkret gibt es folgende Airbus Bestellungen bei der Lufthansa:

  • 61 Airbus A320neo (+16 für die Tochter SWISS)
  • 35 Airbus A321neo (+8 für die Tochter SWISS)
  • 27 Airbus A350-900
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Ein Rendering des Lufthansa A350-900 © Lufthansa

Da es sich um eine Forderung der deutschen Bundesregierung handelt, gehen wir nicht davon aus, dass diese auch die Bestellungen für die SWISS umfasst. Fraglich ist, inwiefern die 20 eigentlich für die “graue Flotte” bestellten A350-900 von der Forderung umfasst sind.

Könnten die Verhandlungen an dieser Forderung scheitern?

Der Lufthansa Chef hatte bereits in den vergangenen Wochen häufiger gewarnt, dass der Staat keinen Einfluss auf unternehmensinterne Entscheidungen haben solle. Aus diesem Grund hatte Carsten Spohr sogar ein Schutzschirmverfahren als Alternative ins Spiel gebracht. Mit der Forderung des Erhalts der Airbus Bestellungen scheint sich diese Befürchtung, dass der Staat sich in Unternehmensentscheidungen einmischen wolle, zu einem gewissen Grad vorweg zu bewahrheiten.

Das Hauptproblem an einem Festhalten an der Bestellung bzw. den aktuellen Lieferdaten wäre der Umstand, dass dies für Lufthansa in Summe über die nächsten vier Jahre zusätzliche Kosten in Höhe rund fünf Milliarden Euro bedeuten würde – und somit dem Sinn der diskutierten Überbrückungsmaßnahmen zuwiderlaufen würde. Zusätzliche Brisanz gewinnt die Angelegenheit dadurch, dass der deutsche Staat Aktionär der Airbus Group ist und dadurch ein besonderes Interesse an einem derartigen “Deal” hätte.

Auswirkungen auf Boeing-Bestellungen und neue Business Class?

Bereits vor der Krise dachte man in der Lufthansa Chefetage laut darüber nach, die Bestellungen der Boeing 777-9 zu kürzen und dafür eventuell mehr A350-900 zu bestellen, da man inzwischen eher einen Bedarf an etwas kleineren (aber immer noch großen) Langstreckenflugzeugen sehe. Diese Entwicklung dürfte sich durch die Corona-Krise – sowohl bei Lufthansa als auch industrieweit – noch einmal deutlich verschärft haben. Sollte es zu einer Einigung über ein Rettungspaket inkl. “Airbus-Klausel” zwischen der Lufthansa und der dt. Bundesregierung kommen, könnte es womöglich alternativ zu einer Stornierung oder wahrscheinlicher zu einem Aufschub der Boeing-Bestellungen, insbesondere der großen 777-9, kommen.

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So sollte die neue Lufthansa Business Class – zumindest Stand 2017 – aussehen © Lufthansa

Besonders beachtenswert wäre dies für Vielflieger, da gemeinsam mit der Boeing 777-9 ein vollkommen neues Business Class Produkt bei der Lufthansa eingeführt werden sollte (Was wir bisher über die neue Lufthansa Boeing 777-9 wissen). Bereits in Folge der Produktions- und Testverzögerungen bei Boeing in Folge der 737 MAX Krise wurde jedoch spekuliert, dass Lufthansa die neue Business Class vielleicht auch schon mit zukünftigen A350-900 Lieferungen einführen könnte. Eine Stornierung der 20 für die “graue Flotte” bestellten Boeing 787-9 erscheint unwahrscheinlich, da diese insbesondere für die bis 2025 notwendige Flottenerneuerung bei SWISS und Austrian sehr gut geeignet wären und generell eher in das derzeit begehrte Profil der mittelgroßen, flexibleren Langstreckenflugzeuge passen. Es bleibt jedenfalls spannend!

Danke aero.de!

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