Als mein Pass am Flughafen Addis Abeba eingezogen wurde

Während meinen Rucksackreisen habe ich schon so manche merkwürdige Situation an den Grenzübergängen dieser Welt erlebt. Wer kennt nicht die dubiosen Gebühren, die vor allem an den Landgrenzen in Mittelamerika oder Südostasien erhoben werden und die vom Auswärtigen Amt mit keiner Silbe erwähnt werden. Doch dieses Mal hatte ich eine besonders unangenehme Erfahrung bei der Einreise nach Äthiopien am Flughafen Addis Abeba. Da ich die Visagebühr nicht zahlen konnte, wurde mein Reisepass eingezogen und ich mit einer rosa Papierkarte weggeschickt. Wie es dazu kam, lest ihr hier…

Eine unliebsame Situation bei der Einreise am Flughafen Addis Abeba
Unliebsame Situation bei der Einreise am Flughafen Addis Abeba

Auch auf meiner jetzigen Weltreise, die mich die letzten zehn Monate durch Lateinamerika und Afrika geführt hat, waren spannende Sachen dabei. Ein Grenzbeamter am peruanischen Amazonas, den wir aus dem Bett warfen und der uns wie im Film in Unterhosen und offenen Uniformhemd den Stempel gab. Da war auch diese Grenzbeamte in El Salvador, die meinte, ein Einreisestempel wäre für einen Aufenthalt von einer Woche überflüssig. Das sahen ihre Kollegen eine Woche später bei der Ausreise anders, ließen uns dann aber doch passieren – ohne Ausreisestempel versteht sich. In Paraguay nahm unser Taxi die Schmiergeld-Fast-Lane und wenige Minuten später versteckte unser Mitreisender seinen 5-jährigen Sohn vor den Grenzbeamten im Fußraum des Wagens unter Jacken und Rucksäcken. Für den Kleinen war das Prozedere offensichtlich Routine.

Dass aber mal mein Pass von der Einreisebehörde in Addis Abeba eingesackt wird und ich fast so ende wie Tom Hanks im Film „Terminal“, hätte ich trotzdem nicht erwartet. Doch der Reihe nach… Wie kam es überhaupt zu dieser Situation?

Ankunft am Flughafen Addis Abeba

Von Mombasa, Kenia kommend, erreichten wir am späten Abend den Flughafen von Addis Abeba. Die Ethiopian Airlines setzt für diese Kurzstrecke übrigens einen Airbus A350 ein. So kann man auf den knapp zwei Stunden Flug das Entertainmentsystem nutzen. Der Großteil der Passagiere setzte sich aus europäischen Touristen zusammen, die von Addis Abeba weiter nach Europa flogen. Daher ist der schmale Aufgang, der die Weiterreisenden in den Transitbereich bringen soll, auch völlig verstopft. Da Addis Abeba unsere Endstation war, schlängelten wir uns an diesem Pulk vorbei, um zur Immigration zu gelangen. Da wir recht kurzfristig von Kenia nach Äthiopien reisten, reichte die Zeit nicht mehr, um ein E-Visa zu beantragen und dieses rechtzeitig zu erhalten. Daher entschieden wir uns für ein Visa on Arrival, das für deutsche Staatsbürger ausgestellt wird, sofern sie am internationalen Flughafen Bole in Addis Abeba für touristische Zwecke einreisen. Während unserer Recherche lasen wir an einer Stelle etwas von Visagebühren in Höhe von 50 USD. Das ist prinzipiell nichts Besonderes und stellt kein Problem dar. Dachten wir…

Immigration – Das Drama beginnt

Denn als wir nach kurzer Wartezeit zum Schalter gebeten wurden, sollten wir die oben erwähnten 50 USD pro Person zahlen. Wir zückten unsere Kreditkarte, doch der Mann hinter der Glasscheibe schüttelte nur den Kopf: „Card machines no working!“ Gut, das passierte uns in den letzten Monaten nicht zum ersten Mal. Also blieb nur Bargeld als Zahlungsmethode übrig. Daher fragten wir, ob es denn am internationalen Flughafen von Addis Abeba einen Geldautomaten gäbe, der US-Dollar auszahlt und wenn nicht, wie hoch denn die Visagebühr in der Landeswährung sei. Die Antwort des zunehmend nervöseren Mitarbeiters gefiel uns dann aber so gar nicht. Erstens gibt es am Flughafen weder einen Bankautomaten, der US-Dollar ausgibt und zweitens akzeptiert die äthiopische Visastelle keine äthiopische Währung. Für solche Situationen haben wir normalerweise einen gewissen Betrag an US-Dollar und/oder Euro bei uns. Doch dieses Bargeld mussten wir vor ein paar Wochen spontan in Uganda einsetzen. Also kam dieser Joker nicht in Frage.

Not macht bekanntlich erfinderisch. Denn am Flughafen Bole gibt es natürlich einige Wechselstuben. Also wollten wir am Automaten äthiopische Birr holen und dort gegen US-Dollar oder Euro tauschen. Doch dort gab es wieder schlechte Nachrichten: „No, not possible. We only purchase, we do not sell. We do not give US-Dollars.“ Das bedeutet, die Wechselstuben in Addis Abeba können oder dürfen nur in eine Richtung Geld tauschen, nämlich Fremdwährungen in äthiopische Birr. So standen wir doch recht ratlos vor der Immigration, während die nigerianische Cricket-Nationalmannschaft ihr Visa an den restlichen Schaltern erhielt. Einer der nigerianischen Offiziellen kam auf uns zu und bot an, uns 100 USD zu leihen und sich von uns den Gegenwert in äthiopischen Birr geben zu lassen. Dieses noble Angebot lehnten wir dankend ab, weil uns zwischenzeitlich signalisiert wurde, dass das Lesegerät für Kreditkarten wohl doch funktionieren würde. Die Nigerianer verabschiedeten sich und wenige Momente später spuckte das Lesegerät eine Fehlermeldung aus. Verdammte Axt!

Das beschriebene Prozedere dauerte mindestens eine Stunde und seitdem hatten wir auch unsere Pässe nicht mehr. In Gedanken lief ich bereits zurück in den Transitbereich, um einen Weiterflug zu buchen oder mein restliches Leben im Terminal zu verbringen. Jedoch ist der Flughafen von Addis Abeba kein Ort, an dem man lange verweilen möchte, wenn man nicht gerade in die Ethiopian Cloud Nine Lounge kann. Mittlerweile hatte sich ein sehr wichtig aussehender Mann unseren Pässen angenommen und wedelte damit heftig durch die Gegend. Es verging bestimmt eine weitere halbe Stunde, bis ein Vorschlag kam: Sie stellen uns eine rosa ID-Karte aus, mit der wir den Flughafen verlassen dürfen. Jedoch bleiben die Pässe bei der Einreisebehörde in Verwahrung. Sobald wir genügend US-Dollar aufgetrieben hätten, könnten wir die Reisepässe ja wiederhaben. Reisepässe abgeben? Es gibt wohl nicht viel Schlimmeres, was einem Reisenden passieren kann. Aber an diesem Abend sahen wir keine andere Möglichkeit. Zähneknirschend überließen wir der Immigrationsbehörde also unsere Pässe, dann durften wir gehen. Zwei Stunden nach der Landung entdeckten wir immerhin unser Gepäck recht schnell in einer Ecke rumliegen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir auch noch nicht, dass es Äthiopiern angeblich verboten ist, äthiopische Birr in ausländische Währungen zu tauschen. Als wir später die Lage den Mitarbeitern unseres Hotels schildern, sind diese ebenfalls ratlos und kennen keine Bank oder legale Instanz, die uns ausreichend US-Dollar besorgen könnte.

Erlöst wurden wir am nächsten Morgen beim Frühstück von drei deutschen Reisenden. Diese hatten noch ausreichend Dollar bei sich, sodass wir mit ihnen tauschen konnten. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle an Rainer und seine Damen! Na dann – wieder auf zum Flughafen. Wie beschrieben machten wir uns auf zum Passport Lost Office und schilderten unseren Fall. Einziger Kommentar der Dame: „You have 100 USD?“ Gespannt überreichten wir das Geld. Und tatsächlich: Im Gegenzug erhielten wir unsere Pässe zurück. Das Bangen hatte nach 16 Stunden ein Ende und wir konnten mit Addis Abeba noch einmal ganz bei Null beginnen. Dass ich durch den ganzen Stress bei der Einreise meine Kreditkarte verloren habe, ist da fast nebensächlich. Nun sind wir mehr als gespannt auf die kommenden Wochen in diesem interessanten und mystischen Land.

Als mein Pass am Flughafen Addis Abeba eingezogen wurde – Fazit

Eigentlich sind wir auf Einreisen gut vorbereitet und kennen die Visabestimmungen genau. Diesmal lief es aber eher suboptimal. Entweder haben wir den Hinweis, dass die Visagebühren nur in US-Dollar, Euro oder britische Pfund zu zahlen sind, übersehen oder es wurde von den zuständigen Stellen nicht erwähnt. Hätte die Kreditkartenmaschine funktioniert, hätten wir sicherlich von einer entspannten Einreise gesprochen. Denn das Erteilen des Visums war ja nie das Problem. Ohne Zögern haben uns die Herren des Stempels ein Visum für einen Monat gegeben. Wir mussten nicht mal ein Weiterflugticket oder Ähnliches vorlegen. Mit 100 US-Dollar in der Tasche hätte das Prozedere fünf Minuten gedauert.

Ist euch schon mal etwas ähnliches passiert? Was sind eure merkwürdigsten Erlebnisse bei der Einreise?

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4 Kommentare

  1. Vor vielen Jahren hat sich auf einer unserer Reisen folgendes zugetragen: Ich war zusammen mit meiner Frau in Asien unterwegs und wir suchten einen Heimflug tagsüber nach Europa. Der für uns passende Flug ging ab Peking ,und so hatten wir ein Ticket ab Europa nach SIN und zurück ab Peking gekauft. Den Flug nach Peking kauften wir separat in HKG. Ich fragte beim Reisebüro und bei SWISSAIR nach, ob wir in Peking einreisen müssen, oder ob ein TRANSITBEREICH vorhanden sei. Antwort: Ja, es gibt einen Transitbereich — stimmte jedoch nicht.Die Regel von 144 Stunden visafrei gab es noch nicht. In HKG beim Check-in wollte man uns ein Visa für China verkaufen, was ich dankend abgelehnt habe. Man hat uns dann trotzdem mitgenommen, weil unsere Billette für den Rückflug nur an jenem Tag gültig waren.Doch in Peking ging’s dann erst richtig los: Da das Gepäck nicht durchgecheckt wurde ( und wir natürlich auch nicht), mussten wir notgedrungen „einreisen“.
    Riesenschlange, Weiterflug in ca. 90 Minuten. Also: Anstehen am „Diplomats & Staff“-Schalter und eine Geschichte erfinden, weshalb man hier OHNE Visum steht. Pässe wurden uns abgenommen und zugesichert, wir bekämen diese bei der Ausreise zurück. Dann konnten unser Gepäck vom Förderband holen (drehte sich immer noch im Kreis ). In den Abflugbereich sprinten und neu einchecken. Geht aber nur mit Pässen. Die waren jedoch unterdessen zwischen Einreise- und Ausreiseschalter intern unterwegs.Die Dame kam mit uns zu jenem Schalter….und, ich hab’s nicht für möglich gehalten: dort lagen die beiden Dokumente bereit. So konnten wir den Heimflug dann doch noch antreten und im Upperdeck genüsslich mit Champagner auf das „gelungene“ Ferienende anstossen

  2. Interessant. Ich selbst war letztens noch in Kenia in Mombasa und Narobi. Beinahe wäre ich auch mit Ethopian Airlines geflogen. Ich hatte mich dann allerdings für Qatar Airways entschieden. Im Zuge der Vorbereitung hatte ich davon gelesen, dass Personen die mit Ethopian Airlines ankommen, einen kostenfreies Visum (zumindest für 24 Stunden oder so) bekommen. Ich weiß allerdings nicht mehr genau, ob man dann auch einen bereits gebuchten Weiterflug haben muss. Ggf. wäre das noch eine Option gewesen.

  3. Jede der anderen Land fliegt muss erst sich gut informieren ich glaube nicht die Geschichte wie dar gestellet würde jede land hat eigener Gesetz das muss man beachten punkt darauf so viel drama zu machen total übertrieben meine meinung nach sorry

    • Also ich danke den Schreiber für den spannenden Bericht.
      @Scholz, kein Ahnung was dein Problem ist, aber ich fand es sehr spannend zu lesen. Du musst es ja nicht lesen, wenn es dir zu viel Drama ist

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