Seit Jahrzehnten wird über eine direkte ICE-Anbindung des Flughafens München diskutiert. Zuletzt gab es Hoffnung auf eine schnelle Lösung über die bestehende S-Bahn-Trasse. Doch die Deutsche Bahn hat die Pläne verworfen: Mit der aktuellen Infrastruktur ist eine Fernverkehrsanbindung des Flughafens derzeit nicht sinnvoll umsetzbar.
Warum der Flughafen München einen ICE-Anschluss fordert
Die Deutsche Bahn, der Flughafen München und die Lufthansa sind sich einig: Deutschlands zweitgrößter Flughafen benötigt eine Anbindung an den Fernverkehr der Deutschen Bahn. Vor allem der Flughafenbetreiber und die Fluggesellschaft beklagen das Fehlen eines Fernbahnhofs seit der Eröffnung des Flughafens 1992 als Wettbewerbsnachteil und auch die Deutsche Bahn hätte gerne einen ICE-Bahnhof am Flughafen München. Denn Reisende benötigen von den nächstgelegenen Fernbahnhöfen Münchens mehr als eine halbe Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zum Airport. Durch eine ICE-Verbindung zwischen dem Münchner Hauptbahnhof und dem Flughafen würde sich die Reisezeit auf 15 Minuten verkürzen.
Deutsche Bahn verwirft ICE-Anbindung über die S8-Trasse
Laut einem Bericht der Zeitung “Merkur” vom 11. Mai 2026, der sich auf das Forum “Drehscheibe-online.de” bezog, arbeitete die Deutsche Bahn an einer überraschenden Lösung des Problems. Offenbar gab es Planungen, die ICE-Linie 60 bis zum Flughafen zu verlängern. Die Linie führt von Basel über Karlsruhe und Stuttgart sowie Augsburg an den Münchner Hauptbahnhof. Statt einer neu gebauten Fernbahntrasse sollte der ICE die vorhandenen Gleise der S-Bahn-Linie S8 nutzen. Dabei plante die Deutsche Bahn den Einsatz des Zugtyps ICE 3 neo, der nur 200 Meter lang ist und damit an den Bahnsteigen des Flughafenbahnhofs halten könnte. Doch bereits im Mai 2026 zeigt sich, dass es mehrere Herausforderungen gibt. So fehlt dem ICE 3 neo beispielsweise die Zulassung für den Flughafentunnel sowie für die Tunnel auf der S-Bahn-Trasse. Außerdem musste geprüft werden, wie der ICE zwischen den Zügen der S-Bahn eingefügt werden kann. Bereits jetzt treten auf der S8-Linie regelmäßig Verspätungen und Störungen auf.
Am 12. Juni 2026 berichtete erneut der “Merkur” über das Projekt. Die Deutsche Bahn bestätigte, dass sie ein “sehr großes Interesse an einer ICE-Anbindung des Münchner Flughafens” hat und die ICE-Nutzung der S8-Trasse tatsächlich geprüft wurde. Doch die Prüfung habe erneut bestätigt, “dass auf der aktuellen, bereits stark ausgelasteten Infrastruktur eine Fernverkehrsanbindung des Münchner Flughafens nicht sinnvoll umsetzbar ist“, so eine Sprecherin gegenüber der Zeitung. Die S-Bahn-Trasse ist überlastet und unter diesen Umständen führt offenbar kein Weg an einer völlig neuen ICE-Trasse zum Flughafen vorbei. Die Kosten für eine Fernbahntrasse und einen ICE-Bahnhof am Airport sollen sich auf rund fünf Milliarden Euro belaufen. Der Bau würde wohl zwischen zehn und 20 Jahre dauern.
Seit Jahren wird über eine ICE-Anbindung diskutiert
Die Debatte um eine ICE-Anbindung des Münchner Flughafens kehrte im Rahmen der Eröffnung der Terminal-1-Erweiterung im April 2026 auf die Agenda zurück. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder kündigte damals an, zunächst die Nahverkehrsanbindung zu verbessern und darüber hinaus ein Fernbahnhof-Konzept zu prüfen. Wie der “Spiegel” im Juli 2022 berichtete, hatte die Deutsche Bahn einen Vorschlag bzw. entsprechende Unterlagen für eine Fernbahntrasse beim Bundesverkehrsministerium eingereicht. Laut diesen Unterlagen sollten ICEs „wenigstens im 30-Minuten-Takt“ zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen verkehren. Außerdem stand eine Hochgeschwindigkeitsstrecke entlang der Autobahn A9 nach Ingolstadt sowie eine dortige Abzweigung nach Landshut im Raum. Im Februar 2023 erklärte das Bundesverkehrsministerium in einem Schreiben: „Eine nachweisbare, deutlich und dauerhaft abweichende Änderung der Verkehrsstruktur gegenüber der aktuellen Verkehrsprognose“ sei nicht nachzuweisen. Bei der künftigen Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans könne die Aufnahme des Projekts aber geprüft werden. Der Flughafen-Vorstandschef Jost Lammers bedauerte damals die Entscheidung.
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