In den veröffentlichten Quartals- und Halbjahresberichten verschiedener Airlines werden neben finanziellen Kennzahlen auch immer wieder die absolute Anzahl der Passagiere sowie der Sitzladefaktor genannt. Doch was genau ist der Sitzladefaktor, und was sagt er aus? Das erklären wir in diesem Beitrag.
Sitzladefaktor – Definition und Berechnung
Der Sitzladefaktor (Seat Load Factor) ist eine Größe, die den Auslastungsgrad einzelner Flugzeuge, Routen oder ganze Fluggesellschaften beschreibt. Sie kann im Passagierverkehr berechnet werden, wenn man entweder die Anzahl der geflogenen Passagiere (Verkehrsaufkommen) mit der Kapazität oder die verkauften Sitzplatzkilometer (RPK) mit den angebotenen Sitzplatzkilometern (ASK) ins Verhältnis setzt.
- Sitzladefaktor = Verkehrsaufkommen / Kapazität
- Sitzladefaktor = Revenue Passenger Kilometer (RPK) / Available Seat Kilometer (ASK)
Für die Betrachtung einer einzelnen Strecke reicht die erste Rechnung aus. Allgemein geeigneter ist jedoch die zweite Rechnung, da diese die unterschiedlich langen Strecken und abweichenden Auslastungsgrade auf Kurz-, Mittel- und Langstrecke berücksichtigt.
Durch verbessertes Yield-Management konnten Fluggesellschaften den Sitzladefaktor in den vergangenen Jahren immer weiter erhöhen. Beispielsweise gab die Lufthansa Group einen Sitzladefaktor von 83,1 Prozent für das Jahr 2024 bekannt. Ryanair kommunizierte für den April 2025 einen Sitzladefaktor von 93 Prozent. Im Jahr 2011 betrug der Sitzladefaktor der Lufthansa nur 77,6 Prozent. Der globale durchschnittliche Sitzladefaktor bezifferte die IATA für das Jahr 2024 bei 82,5 Prozent. Im Jahr 2000 lag dieser Wert bei noch rund 70 Prozent. Ein Sitzladefaktor zwischen 80 und 85 Prozent gilt aktuell bei Netzwerk-Carriern als üblich.
Passagierkilometer
Um die Bestandteile der Rechnung zu verstehen, benötigen wir noch einen kleinen Zwischenschritt und klären dabei eine oft erwähnte Kennzahl im Luftverkehr, die Passagierkilometer. Mit der Einheit Passagierkilometer (PKM) lässt sich die Verkehrs- oder Beförderungsleistung einer Airline berechnen. Hierfür wird die Zahl der Passagiere mit der zurückgelegten Strecke multipliziert, die Crew wird nicht in die Rechnung einbezogen.
- Passagierkilometer (PKM) = Zahl der Passagiere x zurückgelegte Strecke
Fliegen beispielsweise 150 Passagiere eine Strecke von 1.000 Kilometern sind das 150.000 Passagierkilometer (PKM).
Available Seat Kilometer
Einen Schritt weiter in der Betrachtung geht die Kennzahl der angebotenen Sitzplatzkilometer, auch Available Seat Kilometer – ASK oder Seat Kilometers Offered – SKO genannt. Diese werden wie folgt berechnet:
- Available Seat Kilometer (ASK) = Zahl der angebotenen Sitzplätze x zurückgelegte Distanz
Werden beispielsweise 1.000 Flüge mit jeweils 200 angebotenen Sitzplätzen pro Flug durchgeführt und beträgt die Flugdistanz 1.000 Kilometer sind das 200 Millionen Available Seat Kilometer (ASK).
Revenue Passenger Kilometer
Damit ist die Angebotsseite klar und die Nachfrage kann ermittelt werden. Hierfür nutzt man die verkauften Sitzplatzkilometer (exkl. Kleinkinder ohne eigenen Sitz und Mitarbeitertickets), auch Revenue Passenger Kilometer – RPK, Passenger Kilometers Transported – PKT oder Passenger Kilometer Performed – PKP, genannt.
- RPK = Anzahl Passagiere x zurückgelegte Distanz
Fliegen beispielsweise 100.000 Passagiere eine durchschnittliche Distanz von 1.000 Kilometern sind das 100 Millionen Revenue Passenger Kilometer (RPK).
Durch die ermittelten Available Seat Kilometer und Revenue Passenger Kilometer lässt sich nun der Sitzladefaktor bestimmen, indem man diese beiden Kennzahlen wie folgt ins Verhältnis setzt.
- Sitzladefaktor = 100 Mio. RPK / 200 Mio. ASK = 0,5 = 50 Prozent
Sitzladefaktor – Fazit
Für Meilensammler kann der Auslastungsgrad einer ganzen Airline oder einer bestimmten Route von Bedeutung sein, da diese mit der Verfügbarkeit von Prämientickets korrelieren kann. Dies merken Meilensammler seit Ende der Pandemie sehr deutlich. So erreichte die Lufthansa Group in den Jahren 2023 und 2024 einen Sitzladefaktor von rund 83 Prozent, was für einen großen Netzwerk-Carrier wie Lufthansa einen guten Wert darstellt. Denn Langstreckenverbindungen sind in der Regel schwerer auszulasten als Kurzstrecken. Der August 2024 stellt mit einer Auslastung von 88 Prozent sogar den stärksten Monat in der Geschichte des Unternehmens dar. Und da ein Großteil der Kunden Vollzahler sind, bleiben nur wenige Kontingente für Prämientickets übrig.
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