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03. Mai 2020 Markus 2 Coronavirus, News

Staatshilfe für Lufthansa Group [Update]

In den letzten Tagen haben wir mehrfach über mögliche Staatshilfe für die Lufthansa Group berichtet und spekuliert. Über die Rettungspakete für die jeweiligen Airlines der Lufthansa Group wird verhandelt. Die Gerüchteküche brodelt. Wir fassen für euch die aktuellen Erkenntnisse im Zeitraffer zusammen.

Die Verhandlungen zwischen Bund und Lufthansa im Zeitverlauf

07.05. – Lufthansa bestätigt offiziell Verhandlungen mit WSF

Die Lufthansa Group verhandelt nun offiziell mit dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes (WSF) über ein Rettungspaket in Höhe von 9 Milliarden Euro. Bestandteile der Verhandlungen sind:

  • eine stille Beteiligung
  • ein besicherter Kredit
  • eine Beteiligung des Bundes am Grundkapital der Gesellschaft
  • verschiedene Varianten von Kapitalerhöhungen
  • eine Vertretung des WSF im Aufsichtsrat

Außerdem werden die geltenden Auflagen nach dem EU Temporary Framework und dem WSF Gesetz besprochen. Offenbar geht es um einen Verzicht von Dividendenzahlungen. Hier geht es zu Pressemitteilung der Lufthansa.

06.05. – Bundesregierung streitet über Mitsprache bei Lufthansa

Angeblich streitet die Bundesregierung noch über mögliche Mitsprache der Politik bei der Lufthansa Group. Eigentlich schien es so, als sei sich die Bundesregierung über ihre Forderungen gegenüber der Lufthansa einig. Von weniger Kontrolle und Mitbestimmung des Staates war die Rede. Nach der gestrigen Hauptversammlung der Lufthansa Group hieß es, ein Abschluss der Verhandlungen über Staatshilfe für die Lufthansa Group stehe kurz bevor.

Verkehrsminister Scheuer und Teile der Bundesfraktion der CDU/CSU schienen mit einer stillen Beteiligung des Staates zufrieden und benötigten weder eine Sperrminorität, noch Plätze im Aufsichtsrat der Lufthansa. Doch das Finanzministerium, das Wirtschaftsministerium und die SPD seien hier wohl anderer Meinung. Finanzielle Hilfe in Höhe von circa 10 Milliarden Euro sollte es nur geben, wenn der Staat auch eine gewisse Kontrolle über den Lufthansa Konzern ausüben könnte.

04.05. – Lufthansa-Management erhält Rückendeckung von Aktionären

Mehrere Aktionärsvertreter, die einen zu großen Einfluss des Staates bei der Lufthansa Group befürchten, haben sich im Vorfeld der morgigen Hauptversammlung zu Wort gemeldet. “Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer” lies Michael Gierse von Union Investment verlauten und Marc Tüngler, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, sagte: “Das Vornehmste, was der Staat tun kann, ist sich zurückzuhalten”. Mit solchen Beiträgen stärken die Aktionäre dem Lufthansa-Management um Carsten Spohr den Rücken. Sie sind außerdem der Meinung, dass der Zeitraum, in dem der Staat Anteilseigner der Lufthansa ist, begrenzt werden soll.

03.05. – Einigung über Staatshilfe für Lufthansa doch möglich?

Die Verhandlungen zwischen Bund und Lufthansa laufen weiter und man bewegt sich wohl aufeinander zu. Laut Medienberichten stehen die beiden Parteien vor einer Einigung über das 10 Milliarden schwere Hilfspaket. Carsten Spohr, CEO der Lufthansa-Group, wird aus einem Brief, der an die Belegschaft gesandt wurde, wie folgt zitiert: „Nach unserer Einschätzung können diese Gespräche zu einem baldigen Abschluss geführt werden. Die Unterstützung durch den deutschen Staat wäre für uns ein entscheidender Schritt für unsere Zukunftsfähigkeit.”  Sollte man sich nun wirklich einig werden, würde die vorhandenen Gremien der Lufthansa sich Anfang kommender Woche beraten. Am 05.05.2020 ist dann auch Hauptversammlung.

01.05. – Bund bietet stille Beteiligung und Direkteinstieg an

Es kommt wieder Bewegung in die Verhandlungen über die Staatshilfe für die Lufthansa, die allen Anschein nach ein Gesamtvolumen von 10 Milliarden Euro hat. Ein Teil in Höhe von 5,5 Milliarden Euro soll als stille Beteiligung des Bundes an die Lufthansa gehen. Dafür verlangt die Bundesregierung eine Garantiedividende von 9 Prozent. Zu dieser stillen Beteiligung will der deutsche Staat auch direkt bei Lufthansa einsteigen. Für 25,1 Prozent der Anteile gäbe es 1 Milliarde Euro. Die restlichen 3,5 Milliarden Euro steuert die KfW bei, mit dem Bund als Bürgen. Nach wie vor sträubt sich die Konzern gegen ein Mitsprachrecht der Politik. Mit einer stillen Beteiligung könnte man dieses Problem umgehen und die Lufthansa hätte einen Verhandlungserfolg erzielt.

30.04. – Piloten verzichten auf Gehalt, wenn Lufthansa auf Insolvenz verzichtet

Die Lufthansa-Piloten haben am Donnerstag ihrem Arbeitgeber einen Gehaltsverzicht bis Sommer 2022 angeboten. Es handelt sich hierbei um circa 5.000 Piloten der Lufthansa, der Lufthansa Cargo, des Trainingscenters und der Germanwings. Im Gespräch ist eine Reduzierung des Gehalts um bis zu 45 Prozent, das entspräche einer Gesamtsumme von 350 Millionen Euro. Die Bedingung für das Entgegenkommen der Mitarbeiter ist der Verzicht seitens Lufthansa auf eine Insolvenz in Eigenverwaltung. Im Falle einer Insolvenz droht den Piloten der Verlust ihrer Betriebsrente und ihrer Übergangsvergütungen sowie die Aufkündigung der Tarifverträge.

28.04. – Zu viel Einfluss und zu hohe Zinsen?

Offenbar ist man von einer Einigung noch ein Stück entfernt und eine Kehrtwende ist ebenfalls nicht ausgeschlossen. Spohr will keine Staatshilfe für die Lufthansa Group um jeden Preis. Der LH-Vorstand lehnt einen zu großen Einfluss der Politik auf den Konzern ab. Auch die Höhe des Zinssatzes (angeblich 9%) auf die Staatskredite und die damit verbundene Zinslast erscheinen der Lufthansa zu hoch. Deshalb prüft die Fluggesellschaft parallel auch die Möglichkeit einer Insolvenz in Eigenverwaltung. Damit würde die Airline einen Einstieg des Staates vermeiden. Dieses Schutzschirmverfahren hatte bereits die Condor in den vergangenen Monaten genutzt. Der Vorteil: Das bisherige Management kann die Insolvenzmasse unter Aufsicht eines Sachwalters selbst verwalten.

28.04. – 9 Milliarden Euro vom Bund für Lufthansa

Laut Medienberichten haben sich die Bundesregierung und die Lufthansa am gestrigen Montag (27.04.2020) auf ein Rettungspaket verständigt. Der deutsche Staat investiert 9 Milliarden Euro in die Lufthansa und erhält im Gegenzug eine Sperrminorität sowie ein bis zwei Plätze im Aufsichtsrat. Wobei diese Plätze nicht mit Beamten oder Politikern besetzt werden sollen. Denn laut Verkehrsminister Scheuer soll der staatliche Einfluss auf die Lufthansa minimal sein. Schließlich hätte der Kranich vor der Krise bewiesen durchaus wirtschaftlich zu handeln. Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat sich angeblich am letzten Dienstag (28.04.2020) mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Olaf Scholz getroffen, um über das Abkommen zu sprechen.

SWISS und Edelweiss erhalten Finanzspritze

SWISS und Edelweiss erhalten von einem Bankenkonsortium ein Darlehen in Höhe von ca. 1,4 Milliarden Euro. Der schweizer Staat steht für diese Kredite als Bürge bereit. Die Bedingung für die Staatshilfe ist, dass die Unterstützung nur in die Infrastruktur der Schweiz fließt und die Lufthansa kein Zugriff auf das Geld hat. Dafür möchte die Regierung keinen Beteiligung an der SWISS.

Brussels Airlines bekommt Kredit vom belgischen Staat

Auch die belgische Tochter Brussels Airlines wird durch Staatsgelder gestützt. Die belgische Regierung sei bereit, einen Kredit in Höhe von 290 Millionen Euro zu gewähren. Im Austausch soll Muttergesellschaft Lufthansa das Fortbestehen von Brussels Airlines garantieren und den Flughafen in Brüssel zum deren Hub entwickeln. Angeblich verlangt der belgische Staat außerdem eine gewisse Mitbestimmung in der Unternehmenspolitik. Mittlerweile wissen wir, dass so eine Forderung bei der Lufthansa Group gar nicht gut ankommt. Aktuell ist die Flotte der Brussels Airlines bis Anfang Juni gegroundet und es findet kein planmäßiger Verkehr statt.

Austrian Airlines hat Antrag auf Staatshilfe gestellt

Auch die vierte Netzwerk-Airline der Lufthansa Group, Austrian Airlines, hat um Staatshilfe gebeten. Ein entsprechender Antrag ging am 28.04.2020 bei der Österreichischen Kontrollbank und der staatlichen Corona-Finanzierungsagentur ein. Es handelt sich dabei um eine Summe von 767 Millionen Euro die aus Krediten (ca. 400 Millionen Euro) und Zuschüssen besteht. Als Bedingung für die Finanzspritze nennt die österreichische Regierung den Erhalt von möglichst vielen Arbeitsplätzen und die Stärkung des Standorts. Eine staatliche Beteiligung an der Austrian Airlines wird nicht angestrebt. Carsten Spohr, CEO der Lufthansa Group, war in Österreich zu Gesprächen. Offenbar droht der Konzern – ähnlich wie in Deutschland- mit einer Insolvenz des Flagcarriers. Die Politik will sich nicht einschüchtern lassen und denkt laut über eine Neugründung der AUA im Falle einer Insolvenz nach. Dann aber mit Partnern von anderen Allianzen oder von anderen Kontinenten.

Liquiditäts-Reserven schwinden schnell

Die Lufthansa Group ist durch die Coronakrise wirtschaftlich schwer angeschlagen. Aktuell verfüge der Konzern zwar über 4,4 Milliarden Euro liquide Mittel, wie die Lufthansa in einer Pressemitteilung mitteilte. Diese werden aber rasant schwinden, da nur noch ein winziger Anteil des eigentlichen Flugplans durchgeführt wird. Bis Mitte Mai gilt noch der Lufthansa Sonderflugplan.

1,2 Milliarden Euro Verlust verzeichnete die Lufthansa Group allein im ersten Quartal 2020, wie der Konzern mitteilte. Damit verschlechterte sich das Ergebnis im traditionell eher schleppend verlaufenden 1. Jahresquartal im Vergleich zum Vorjahr (336 Millionen Euro Verlust) um ca. 864 Millionen Euro vor Steuern. Deshalb ist die Restrukturierung des Konzerns im vollen Gange, von der fast alle Airlines des Konzerns betroffen sind. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Verkleinerung der aktuellen Flotte, um die Kapazität an die gesunkene Nachfrage anzupassen. Außerdem sind fast alle Wetlease-Vereinbarungen mit anderen Airlines gekündigt worden.

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