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22. Mai 2019 Markus 0 Tipps & Tools für Vielflieger

ETOPS – Regularien für das Planen von Routen

Wer sich etwas eingehender mit dem Luftverkehr oder dem Fliegen beschäftigt, der kommt an manchen Begriffen und Abkürzungen nicht vorbei. In einer kleinen Serie möchten wir euch ein paar davon näher bringen. In diesem Teil beleuchten wir ETOPS bzw. EDTO. Die zivile Luftfahrt hat von der Einführung von ETOPS/EDTO stark profitiert und kommt sowohl den Airlines, als auch Passagieren noch heute zugute. Doch was verbirgt sich hinter den Begriffen und welche Vorteile bringen sie mit sich?

Was ist ETOPS eigentlich?

Vereinfacht kann man sagen, dass durch die Einführung von ETOPS die Möglichkeiten zur Routenplanung für Fluggesellschaften erweitert wurden. Bei ETOPS handelt es sich um zusätzliche, gelockerte Regularien zur Flugstreckenplanung, die von den drei Luftfahrtbehörden ICAO (International Civil Aviation Organisation), FAA (Federal Aviation Administration) und EASA (European Union Aviation Safety Agency) festgelegt werden. Besitzt eine Airline die ETOPS-Zertifizierung, so kann sie in der Regel eine direktere Route zum Zielflughafen wählen. Wie genau das möglich ist, wird weiter unten erklärt.

Wofür die Abkürzung ETOPS steht, ist umstritten und man findet im Netz mehrere Interpretationen. Die ICAO spricht beispielsweise von Extended-­Range Twin­engine Operation(al) Performance Standards, während Airbus Industries die Bezeichnung Extended Twin Operations benutzt. Was beide Begriffe gemeinsam haben: sie tragen das Wort twin in sich, was sich auf die Anzahl der Triebwerke bezieht. Von 1985 bis in die frühen 2000er galten die Regularien nämlich nur für zivile Flugzeuge mit zwei Triebwerken. Im Jahr 2007 nahm die FAA dann auch Maschinen mit mehr Triebwerken in ihr Regelwerk auf. 2012 schloss sich die ICAO an und seither gelten die Regeln für alle turbinengetriebenen Flugzeugtypen, unabhängig von der Zahl ihrer Triebwerke. Seither ist der Begriff EDTO (Extended Diversion Time Operations) in Gebrauch.

Der Vorteil von ETOPS und EDTO im Luftverkehr

Grundsätzlich müssen Flugzeuge einen vorgeschriebenen Höchstabstand – gemessen in Flugminuten – zum nächsten Ausweichflughafen einhalten. Der Grund: So kann sichergestellt werden, dass bei einem Triebwerkausfall das Flugzeug noch sicher einen alternativen Flughafen erreichen kann. Das bedeutet also, dass ein Flugzeug nicht einfach auf dem direkten Luftweg von A nach B fliegen kann, sondern sich idealerweise stets in Reichweite von eventuellen “Nothalten” befindet, auch wenn das einen kleinen Umweg bedeutet. Für eine Maschine mit zwei Triebwerken fordert die FAA 60 Flugminuten als Höchstabstand, bei drei oder vier Triebwerken sind es 180 Minuten. Dahingegen fordern die EASA sowie die ICAO 90 Minuten für alle turbinengetriebenen Flugzeuge, unabhängig von der Triebwerkanzahl.

Jetzt kommen die ETOPS- bzw. EDTO-Regularien ins Spiel. Diese ermöglichen den Airlines nämlich, den maximalen Abstand zum nächsten Ausweichflughafen zu erhöhen, sprich, den Flugminutenradius zu vergrößern. So kann die Flugroute verkürzt werden, was die nachfolgende Abbildung veranschaulicht:

Durch ETOPS werden Flugrouten direkter und kürzer
Durch ETOPS werden Flugrouten direkter und kürzer © Vladsinger

Um dennoch die Sicherheit gleichermaßen hochzuhalten, gehen mit ETOPS sehr strikte Bedingungen einher. Davon betroffen sind die Konstruktion der Flugzeuge sowie der Triebwerke, die Wartung, ebenso wie die Flugvorbereitung und -durchführung.

ETOPS-Zertifizierungen

Wer von ETOPS bzw. EDTO Gebrauch machen will, benötigt eine spezielle Zertifizierung. Dies gilt sowohl für Airlines, als auch für Flugzeugtypen. Nur wenn die Airline vorgeschriebene Sicherheitsstandards hinsichtlich Wartung, Flugplanung und -durchführung nachweisen kann, qualifiziert sie sich für eine entsprechende Zertifizierung. Darüber hinaus werden Flugzeugtypen grundsätzlich hinsichtlich ihres Triebwerkmodells zertifiziert. Das heißt, verfügt ein Flugzeugtyp über mehrere Triebwerkvarianten, benötigt es je Variante eine gesonderte Genehmigung. Erst wenn sowohl die Airline, als auch die Flugzeug-Triebwerks-Kombination über eine gültige ETOPS-Zulassung verfügen, wird ein Flug nach ETOPS-Regeln gestattet.

Wie oben bereits erwähnt, wurden von 1985 bis in die 2000er Jahre nur Flugzeugtypen mit zwei Triebwerken betrachtet. Flugzeuge mit drei oder mehr, die vor 2007 zugelassen wurden, mussten keine Höchstabstände beachten. Seit 2007 jedoch müssen sich auch Flugzeugtypen mit mehr als zwei Triebwerken dem ETOPS-Zulassungsverfahren unterziehen (z.B. die Boeing 747-8). Übrigens: Der Airbus A380 hatte seine Zulassung im Dezember 2006 und fällt mit seinen vier Triebwerken nicht unter die neue ETOPS-Regelung von 2007. Das heißt, eine Zertifizierung ist für diesen Flugzeugtypen nicht nötig.

Vorteile für Airlines und Passagiere

Die gelockerten Regularien ermöglichen den Airlines direktere Routen. Daraus resultiert ein geringerer Treibstoffverbrauch, was zum einen erfreulich für die Umwelt, zum anderen kostensparend für die Fluggesellschaft ist. Passagiere können sich über eine kürzere Flugzeit freuen. Auf der folgenden Abbildung ist gut erkennbar, wie weite Teile der Welt durch die ETOPS-Regularien auf direktem Weg mit Flugzeugen mit zwei Triebwerken erschließbar wurden.

Durch ETOPS können Flugzeuge ihre Zielorte auf direkterem Wege erreichen
Durch ETOPS können Flugzeuge ihre Zielorte auf direkterem Wege erreichen © getting to grips with ETOPS

Ohne entsprechende ETOPS-Zertifizierung könnte zum Beispiel der Flug der Air New Zealand Flug von Los Angeles nach Auckland nicht direkt über den Pazifik fliegen. Die Route müsste aus Sicherheitsgründen stets über Ostasien geplant werden. Offensichtlich ist die direkte Flugroute quer über den Pazifik schneller.

Die Route von Los Angeles nach Auckland ohne Umwege
Die Route von Los Angeles nach Auckland ohne Umwege © flightradar24.com

ETOPS – Fazit

ETOPS ist kein Thema, mit dem sich viele Flugreisende beschäftigen, da es völlig im Hintergrund abläuft. Die meisten von euch sind aber sicherlich froh, wenn die Flugzeit verkürzt wird, ohne dass die Sicherheit darunter leidet. Es sei denn, ihr genießt eure Zeit in der Business oder gar in der First Class. Aber vielleicht denkt ihr mal an diesen Beitrag, wenn ihr das nächste Mal die Flugroute während des Fluges auf eurem Bildschirm verfolgt.


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