fiji airways b737 max gegroundet
13. Januar 2020 Kai 1 News

Sicherheitsbedenken zur B737 MAX heruntergespielt? Über “Affen und Clowns” bei Boeing

Boeing kommt aus den negativen Schlagzeilen nicht heraus. Eine Wiederzulassung des einstigen Kassenschlagers 737 MAX scheint nach den verheerenden Abstürzen in Indonesien und Äthiopien weiterhin in weiter Ferne zu sein, und das Krisenmanagement beim Flugzeugbauer ist desaströs. Nun wurden interne Emails veröffentlicht, die einen Einblick in die katastrophale Unternehmenskultur geben.

Aus den Mails, aus denen zuerst die New York Times zitiert hatte und die nun von der Unternehmensleitung in einer “Transparenz-Offensive” der Aufsichtsbehörde FAA und dem Kongress offengelegt wurden, spricht die Verachtung vieler Mitarbeiter für die Unternehmensleitung, aber auch für die Aufsichtsbehörden. Die Kommunikation in solchen sicherheitsrelevanten Bereichen und vor allem die Ignoranz der Geschäftsleitung gegenüber der Kritik wirft kein gutes Bild auf das Vorgehen  Boeings bei der Zulassung der B737 MAX und die Unternehmenskultur insgesamt.

Affen und Clowns bei Boeing

Die Boeing 737 MAX sei ein Flugzeug, das “von Clowns entworfen wurde, die von Affen beaufsichtigt werden”, lässt ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter in einer Mail seinem Frust über das Boeing-Management freien Lauf. Ein anderer Mitarbeiter fragt in einer Mail: “Würdest du deine Familie in ein Flugzeug setzen, dessen Piloten an einem MAX-Simulator geschult wurden? Ich nicht!”Ein weiterer Mitarbeiter kommt zu dem Schluss “Das ganze ist ein Witz. Dieses Flugzeug ist lächerlich”. Boeing veröffentlichte über 100 Seiten solcher Mails, die weder an dem Flugzeug noch der Art und Weise, wie die Unternehmensleitung die Zulassung vorangetrieben hat, ein gutes Haar lassen.

Auch über die Aufsichsbehörde FAA äußern sich Mitarbeiter in den veröffentlichten Mails äußerst despektierlich. Eine besonders komplizierte Präsentation, die der Flugzeugbauer für die FAA erstellt hatte, kommentiert ein Mitarbeiter mit den Worten, das sei “als wenn Hunde fernsehen”. An anderer Stelle schreibt jemand ungläubig: “Ich wäre geschockt, wenn die FAA diesen Scheiß durchgehen  lässt”.

Die Aufsichtsbehörde FAA, die schließlich die Zulassung der 737 MAX mit nur minimalen Anforderungen an die Schulung und Erfahrung der Piloten verknüpft hatte,  kommt in den Mails nicht gut weg. Boeing hatte sich vehement dagegen gewehrt, dass Piloten überhaupt in einem Simulator für den Umgang mit der 737 MAX geschult werden sollten, weil dies aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Vorgängermodell 737 NG nicht erforderlich sei. Man werde sich mit jedem Regulierer anlegen, der das verlangt, verkündete ein Boeing-Manager in einer Mail vom März 2017. Tatsächlich hat die FAA schließlich für Piloten nur einen ungefähr einstündigen Kurs an einem iPad absolvieren lassen, bevor diese sich hinter den Steuerknüppel der 737 MAX setzen durften. Ein Marketing-Mitarbeiter von Boeing jubelte in einer Mail: “Du kannst 30 Jahre lang keine NG betreten haben und darfst trotzdem in eine Max springen? ICH LIEBE ES!”

Angesichts solch offenbar weit verbreiteter Zweifel im Boeing-Konzern über die Marktreife der Boeing 737 MAX ist es schwer verdaulich, dass Boeing selbst nach dem ersten Absturz einer Maschine dieses Typs im Oktober 2018 eine Strategie der Vertuschung gefahren ist, die das zweite Unglück im März 2019 erst möglich gemacht hat. Erst in der vergangenen Woche hat Boeing einen Kurswechsel in der Schulungsfrage vollzogen und empfiehlt nun, Piloten ein Training in einem Simulator durchlaufen zu lassen, bevor sie wieder an das Steuer einer B737 MAX dürfen. Das wird sowohl für die Airlines wie auch für Boeing zu erheblichen Mehrkosten führen.

Neustart bei Boeing mit neuem Chef

Boeing scheint inzwischen erkannt zu haben, dass die Strategie, das Problem kleinzureden und auf eine schnelle Wiederzulassung zu setzen, gescheitert ist. Im Dezember wurde Boeing-Chef Dennis Mullenburg entlassen. Seine Nachfolge tritt Peter Calhoun am 13.01.2020 an. Die Enthüllungen  stellen einen weiteren Tiefpunkt in der Aufklärung um Fehler bei der Zulassung der Boeing 737 MAX dar, nachdem im Oktober 2019 bereits Kurznachrichten des Chefpiloten Mark Forkner bekannt geworden waren, aus denen hervorgeht, dass der technische Chefpilot sich bereits 2016 über die “ungeheuerliche” Fehlleistung des speziell für die 737 MAX konstruierten Stabilisierungssystems MCAS bei Simulator Tests beschwert hatte.

Calhoun wird alle Hände voll zu tun haben, verlorenes Vertrauen wieder herzustellen. Man darf gespannt bleiben, ob ein Neustart der 737 MAX nach allem, was passiert und ans Licht der Öffentlichkeit gelangt ist, überhaupt noch möglich ist.

Das könnte dich auch interessieren:


meilenoptimieren empfiehlt
American Express Gold Kreditkarte mit 40.000 Punkten

Rekordbonus für die American Express Gold Kreditkarte: Sichert euch für kurze Zeit 40.000 Punkte ( bis zu 32.000 Meilen).

  • 40.000 statt 20.000 Punkte Willkommensbonus (bis 04.11.2020)
  • Bei 13 Vielfliegerprogrammen und 3 Hotelprogrammen gleichzeitig sammeln (inkl. Miles & More)
  • Bis zu 1,5 Punkte (1,2 Meilen) je 1€ Umsatz
  • Auslandsreise- und Reiserücktrittskosten-Versicherung
  • Sixt Gold und Hertz Gold Status
  • Vergünstigter Priority Pass
  • Kostenlose Zusatzkarte
  • [Mehr Infos]
Miles & More Gold Kreditkarte mit 20.000 Meilen
  • 20.000 Miles & More Meilen Willkommensbonus (bis 31.10.2020)
  • 5.000 Meilen bei Abrechnung über das DKB Konto
  • 1 Meile je 2€ Umsatz sammeln
  • Schutz vor Meilenverfall
  • Avis Gutschein für Wochenendmiete
  • Reise- und Mietwagenversicherungen
  • Prämienmeilen in Statusmeilen umwandeln
  • [Mehr Infos]