Weltreise
18. März 2020 Lisa 8 Coronavirus

Wenn Corona die Weltreise stoppt – Ein Erfahrungsbericht

Wie aufmerksame Leser von euch wissen, befinden Markus und ich uns mittlerweile seit knapp zwei Jahren auf Weltreise. Die Rückkehr nach Deutschland war für diesen Sommer geplant. Doch Corona macht ein Weiterreisen gerade schier unmöglich, zumal alle Länder, die wir vor unserer Heimkehr noch besuchen wollten, mittlerweile dicht gemacht haben bzw. keinen Flugverkehr mehr bieten. Was nun? Verfrüht zurück ins panische Deutschland, so lange es die Bestimmungen und der Luftverkehr noch zulassen? Oder die Lage anderswo aussitzen und riskieren, ggf. monatelang gestrandet zu sein? Die Entscheidung fällt schwer. Dann stellt uns auch noch die Einreise in die VAE mit ihrem “short medical check” auf die Probe. Und am darauffolgenden Abend ist unser Schicksal besiegelt…

Vor etwa zwei Wochen entschieden wir uns, von den Vereinigten Arabischen Emiraten aus einen Abstecher in den Oman zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war die weltweite Coronakrise noch lange nicht auf dem Stand, auf dem sie jetzt ist. Ein paar Wärmebildkameras waren das einzige, was an den großen Flughäfen in Dubai (DXB) und Abu Dhabi (AUH) auf die Ausbreitung eines Virus hindeutete. In den VAE lag die Anzahl bestätigter Corona-Fälle in diesen Tagen bei unter 30, im Oman gerade mal bei 15. Noch machten wir uns also keine ernsthaften Gedanken, dass das Virus bald den kompletten Reiseverkehr lahmlegen würde…

Entspannte Lage im Oman

Wadi Shab Oman
Wanderung durch das Flussbett Wadi Shab

Auch während unseres 9-tägigen Aufenthalts im Oman können wir in keinster Weise von Einschränkungen im öffentlichen Leben sprechen. Keine Schließungen, keine leeren Supermarktregale, keine verunsicherten Menschen. Der Alltag der Omani geht ganz normal weiter. Egal ob auf den wuseligen Souqs oder bei der noch lebhafteren Ziegenversteigerung, bei der hunderte Menschen zusammenkommen und dicht aneinandergedrängt über die zotteligen Tiere verhandeln. Lediglich die Hotels, in denen wir unterkommen, klagen über zunehmende Stornierungen in den letzten Tagen. Nach ein paar Tagen erfahren wir: In der Zwischenzeit hat der Oman ein Einreiseverbot für alle Ausländer verhängt. Das stört uns erstmal nicht. Immerhin haben wir dadurch den Wadi Shab, einen der touristischen Hotspots des Landes, ganz für uns allein…

Unser Vorhaben: Zurück in die VAE

Nach diesem Abstecher soll es mit der Salam Air also wieder zurück in die Emirate gehen. Den Angaben der IATA zufolge, die wir noch kurz zuvor gecheckt haben, soll die Einreise in die VAE für uns nach wie vor ohne weiteres möglich sein. Der Check-In am gespenstisch leeren Flughafen von Maskat (MCT) erweist sich dann auch als entspannt. Der Agent der Salam Air stellt keine besonderen Fragen hinsichtlich der Einreise oder unseren vergangenen Aufenthaltsorten. Dieses Glück hat allerdings nicht jeder. Denn die beiden Bürger Hongkongs, die vor uns für einen Flug nach Dubai einchecken wollen, werden genau unter die Lupe genommen. Erst nach mehrminütiger Diskussion und Erklärung der jungen Frau aus Hongkong, dass sie sogar mit der Botschaft in Kontakt waren, dürfen die beiden ihr Gepäck aufs Band legen.

Für uns geht es nach erfolgreichem Check-In noch für zwei Stunden in die sehr geräumige und bestens ausgestattete Primeclass Lounge im Flughafen von Maskat. Kino, Billard, Darts… Hier bleiben keine Wünsche offen. Zugang zu dieser Lounge haben wir über unseren Priority Pass.

Der anschließende Flug nach Abu Dhabi von gerade mal 50 Minuten verläuft dann auch entspannt. Abgesehen von Passagieren, die vermehrt Schutzmasken tragen, deutet hier nichts auf Corona hin.

Einreise in Abu Dhabi zu Corona Zeiten – Das Chaos nimmt seinen Lauf

Nichts Böses ahnend folgen wir am Flughafen von Abu Dhabi den Schildern zur Immigration. Über eine Rolltreppe geht es nach unten und wir nähern uns der Passkontrolle. Doch kurz bevor wir uns einreihen wollen, teilt uns der Einweiser mit, dass sich alle Non-Residents vorher noch einem “short medical check” unterziehen müssen und schickt uns wieder die Rolltreppe hoch. Wir fragen uns, warum man uns Passagiere nicht schon Minuten vorher darauf aufmerksam gemacht oder gar abgefangen hat. Schließlich sind wir auf dem Weg zur Immigration alle an diesem ominösen Raum vorbeigelaufen, in dem der Medical Check stattfinden soll. Seltsam für ein sonst so gut organisiertes Land…

Wieder oben angekommen, reihen wir uns vor dem Raum in die Schlange ein. Nur kurz können wir einen Blick hinter die halb geschlossenen Türen erhaschen und stellen fest – das wird dauern. Als wir es dann etwas später immerhin IN den Raum geschafft haben, entdecken wir zwei geschlossene Kabinen – nach Geschlechtern getrennt – in denen scheinbar die Tests durchgeführt werden. Regelmäßig verlassen schon getestete Passagiere diese Kabinen wieder und spazieren aus dem Raum. Ob es für auffällige Personen einen separaten Ausgang gibt?, frage ich mich.

Und so stehen hunderte Menschen dicht an dicht gedrängt in einem Raum, plaudern, niesen und warten, bis sie an der Reihe sind. Oder versuchen, schneller an die Reihe zu kommen. Im Hintergrund werden auf TVs Geister-Fußballspiele übertragen, auf den Armen junger Mütter schreien Babys. Einen erfahrenen Reisenden bringt das so schnell nicht aus der Fassung. Einen temperamentvollen Araber schon. Die Gemüter in der wartenden Schlange erhitzen sich so langsam: Da wird erbittert um Plätze gekämpft, hitzig diskutiert oder auch mal der unschuldige Einweiser angeschrien, was das Ganze hier überhaupt soll.Medical Check Einreise Vae

Nach etwa einer Dreiviertelstunde Anstehen fällt uns auf, dass andere Menschen vor uns in der Schlange teilweise Plastiktüten mit uns unbekanntem Inhalt in den Händen halten. Am anderen Ende des Raums entdecken wir dann einen Schalter, an dem sich eine zweite Schlange gebildet hat. Wofür diese Menschen hier anstehen, ist unklar und ich frage beim Personal dort nach. Ich erfahre: Bevor man sich in die lange Schlange für den Test anstellen kann, muss man sich zunächst an diesem Schalter mit seinem Pass registrieren. Daraufhin bekommt man die personalisierten Materialien für den Corona Schnelltest ausgehändigt und darf sich wieder in die lange Schlange einreihen. Dies teilt einem aber weder ein Einweiser, noch ein Schild mit. Der Mangel an Information und Organisation trägt nicht gerade zur Besserung der Stimmung in diesem Raum bei.

Corona Schnelltest Einreise Vae
So sieht er aus: Der Corona Schnelltest. Auf einem Aufkleber auf der Tüte sind mein Name, Geschlecht und meine Passnummer hinterlegt

In dem Tütchen befinden sich je ein langes Wattestäbchen sowie ein Behälter mit einer farblosen Flüssigkeit. Ich vermute einen Abstrich aus dem Rachenraum, so hatte ich das zuvor mal in den Nachrichten gelesen. Auf dem Beutel ist ein Aufkleber angebracht, auf dem individuell Name, Geschlecht, Flugnummer und Reisepassnummer gedruckt sind. Nach sage und schreibe 1,5 Stunden in der Schlange bin ich an der Reihe und werde in die Kabine für Frauen gebeten. Dort sind drei Mitarbeiter in Schutzkleidung zu Gange, von denen ein junger Mann mich bittet, auf einem der ledernen Sessel Platz zu nehmen. Ich übergebe meine Tüte mit dem Schnelltest an den Mann und dieser trifft die Vorbereitungen. Direkt auf dem Sessel neben mir wird der Test gerade bei einer anderen Frau durchgeführt. Mit Überraschung stelle ich fest, dass das Wattestäbchen nicht in den Mund, sondern in die Nase eingeführt wird und der Dame schießen augenblicklich Tränen in die Augen. Nun bin ich dran und der Mitarbeiter weist mich an, mich zu entspannen. Nach ein paar sehr intensiven Sekunden ist auch schon alles vorbei. Das Stäbchen kommt in die Tüte, die Tüte auf einen Haufen und mir wird ohne weitere Info mitgeteilt, dass ich – wie alle anderen – gehen darf. Ich bin verdutzt und frage:

“What happens now?”

“Nothing, you can go!”

“But what about the result of the test?”

“It takes 24 hours. We will inform you if you are positive”

“You do not have my contact details…”

“We have your passport number. We will track you and we will find you”

Darauf wusste ich keine Antwort mehr.

Wenn Corona die Weltreise stoppt – Die Entscheidung ist gefallen

Am Folgetag sitzen wir in einem Hotel in Abu Dhabi, noch immer unschlüssig über den weiteren Verlauf unserer Weltreise. Nach wie vor ist die Lage hier in den VAE etwas entspannter als in Deutschland. Weniger bestätigte Corona Fälle und weniger Einschränkungen das öffentliche Leben betreffend. Bezüglich des Corona Schnelltests hat uns bislang noch niemand kontaktiert. Und dann stoße ich in einer Facebook-Gruppe für Welt- und Langzeitreisende zufällig auf einen Beitrag hinsichtlich der Auslandskrankenversicherung, der mich beunruhigt. Nach einem Telefonat mit unserer Versicherung wird klar: unser Schicksal ist seit heute durch die von Heiko Maas ausgesprochene weltweite Reisewarnung besiegelt. Wir haben ab jetzt 14 Tage Zeit, nach Deutschland zurückzukehren, ansonsten erlischt unsere Auslandskrankenversicherung. So wurde uns zwar die Entscheidung abgenommen, aber den Abschluss einer Weltreise hatten wir uns dennoch anders vorgestellt. Nach knapp zwei Jahren Weltreise werden wir Ende März also nach Deutschland zurückkehren. Falls der Flieger geht.

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