China Eastern C919 Comac Auslieferung
17. November 2024 Markus 0 Portraits

Zweistrahler im Portrait: Die COMAC C919

Die C919 ist die Baureihe, mit der der chinesische Staatskonzern COMAC auf der Kurz- und Mittelstrecke in Konkurrenz mit Airbus und Boeing treten will. Es ist das erste Passagierflugzeug, das vollständig in China entwickelt wurde. Sein Heimatland ist auch der Grund, warum dieses Flugzeug das bisher größte Potenzial hat, langfristig das Duopol aus Airbus und Boeing tatsächlich zu gefährden.

COMAC – Entstehungsgeschichte des chinesischen Herstellers

Die Commercial Aircraft Corporation of China, kurz COMAC, ist Chinas ambitionierter Versuch, sich im globalen Flugzeugbau als ernstzunehmender Wettbewerber zu etablieren. Gegründet im Jahr 2008 mit Sitz in Shanghai, verfolgt COMAC das Ziel, die jahrzehntelange Abhängigkeit vom Duopol Airbus und Boeing zu durchbrechen – insbesondere im Bereich ziviler Verkehrsflugzeuge.

Die Gründung war politisch motiviert und Teil eines nationalen Großprojekts zur Entwicklung eigener Verkehrsflugzeuge. Als staatlicher Konzern erhält COMAC direkte Unterstützung aus Peking – finanziell wie strategisch.

Erstes Projekt war der Regionaljet ARJ21, der hauptsächlich als Lernplattform diente. Mit der C919 wagte sich COMAC an die direkte Konkurrenz zur Boeing 737 und dem Airbus A320. Der Jet absolvierte seinen Erstflug 2017 und wurde 2022 in China zugelassen. Erste kommerzielle Einsätze finden ausschließlich auf dem chinesischen Markt statt.

Aktuell arbeitet COMAC an der C929, einem Langstreckenflugzeug, das mit der Boeing 787 und dem Airbus A350 konkurrieren soll. Der erste kommerzielle Einsatz ist frühestens 2035 zu erwarten. Ob COMAC international Fuß fassen kann, bleibt offen – auf dem chinesischen Heimatmarkt ist der Hersteller aber bereits ein ernstzunehmender Akteur.

Comac Flugzeuge Uebersicht Copyright

Die oben abgebildete Shanghai Y-10 war ein frühes chinesisches Großraumflugzeugprojekt aus den 1970er-Jahren. COMAC war daran nicht beteiligt, doch das Projekt gilt als historischer Vorläufer der heutigen Ambitionen.

COMAC C919 – Die Entwicklung

COMAC startete die Entwicklung der C919 bereits im Jahr 2008, im November 2010 wurde auf einer Luftfahrtmesse in China ein Prototyp als Modell ausgestellt und die Produktion lief 2011 an. Das erste Flugzeug wurde dann Anfang November 2015 präsentiert. Am 05. Mai 2017 absolvierte die C919 ihren Erstflug und Ende September 2022 erhielt die C919 die Zulassung der chinesischen Luftfahrtbehörde (CAAC). Die allererste C919 wurde am 09. Dezember 2022 an China Eastern Airlines ausgeliefert und ist seit 28. Mai 2023 im kommerziellen Betrieb für diese Fluglinie unterwegs. Bisher hat das Flugzeug auch nur die Zulassung der chinesischen Luftfahrtbehörde. Kein anderes Land sonst hat das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug bislang zertifiziert. Erstmals außerhalb der Volksrepublik China war die C919 auf der Singapore Air Show im Februar 2024 zu sehen. Zuletzt hatte die chinesische Luftfahrtbehörde erklärt, noch 2025 die Zulassung der C919 durch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) anzustreben. Der Prozess dafür läuft bereits seit dem Jahr 2018.

COMAC C919 – Die Basisvariante

Wie erwähnt, soll die COMAC C919 in Konkurrenz mit der Airbus A320-Familie und der Boeing 737-Reihe auf der Kurz- und Mittelstrecke treten. Bisher gibt es nur eine Basisvariante der C919. Die Basisversion des C919 ist 38,9 Meter lang und verfügt über eine Flügelspannweite von 35,8 Metern. Zum Vergleich: Der Airbus A320neo hat eine Länge von 37,57 Metern und eine Flügelspannweite von ebenfalls 35,8 Metern. Die Boeing 737 MAX ist 39,52 m lang und verfügt über eine Spannweite von 35,9 Metern. Die Abmessungen der Modelle sind relativ gleich. Auch bei der Kapazität liegt man eng zusammen. Die C919 kann laut Hersteller zwischen 158 bis 192 Passagiere befördern. Erstkunde China Eastern Airlines bietet in ihren C919 164 Sitzplätze in einer Zwei-Klassen-Bestuhlung. Davon befinden sich acht Sitze in der Business Class (2-2 Layout). Die Sitze der Economy Class sind in einer 3-3-3 Konfiguration angebracht. Airbus gibt die Kapazität des A320neo in einer Zwei-Klassen-Bestuhlung in einer Spanne zwischen 150 -180 Passagieren an und Boeing mit 162 – 178 Reisenden in der 737 MAX 8. Auch was den Kerosinverbrauch angeht, ist die C919 bislang wettbewerbsfähig, wie eine Analyse des Portals Air Insight aus dem August 2024 zeigt. Die Messgröße ist hierbei der Verbrauch pro Available Seat Miles, kurz ASM. Der Airbus A320neo und die Boeing 737 MAX 8 benötigen 3,03 Liter pro verfügbarem Sitz pro 100 Meilen. Die C919 verbraucht 4,54 Liter pro verfügbarem Sitz pro 100 Meilen. Das Portal geht davon aus, dass sich dieser Wert in Zukunft verringern wird, da momentan nur wenige C919 in Betrieb sind und die Fluglinie derzeit vorsorglich mehr Treibstoff an Bord hat. Bei der Reichweite fällt die C919 im Vergleich zur europäischen und US-amerikanischen Konkurrenz ab. Die C919 hat eine Reichweite von bis zu 5.555 Kilometern, während der Airbus A320neo 6.300 Kilometer schafft und die Boeing 737 MAX sogar 6.500 Kilometer.

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Im Juni 2025 waren 19 C919 im Einsatz. Aktuelle C919-Betreiber sind Air China (4), China Eastern Airlines (10), China Southern Airlines (5).

Auf der Paris Air 2025 hat COMAC dann eine kleinere und eine längere Variante der C919 vorgestellt. Die “Stretched Variant” soll zwischen 200 und 240 Passagiere befördern und eine Reichweite von 5.556 Kilometern haben. Die kleinere “Plateau Variant” ist für 140 bis 160 Passagiere konzipiert und hat eine Reichweite von 5.834 Kilometer.

Die Zukunft der COMAC C919

Ein Faktor, auf den COMAC bauen kann, ist ihr Heimatland. Die Volksrepublik ist der zweitgrößte Luftfahrtmarkt der Welt und die Zahlen steigen weiter. Das liegt vor allem am innerchinesischen Verkehr, für den die C919 eben auch konzipiert ist. Über 2.000 Kurz- und Mittelstreckenjets von Airbus und Boeing sind derzeit in den Flotten chinesischer Airlines zu finden, doch diese Flugzeuge müssen irgendwann auch ersetzt werden. Und hauptsächlich die staatlichen Fluggesellschaften könnten von der chinesischen Staatsführung die Order erhalten, bei Neubestellungen auch COMAC als Lieferant in Betracht zu ziehen. Deshalb will COMAC auch die Produktionskapazitäten für die C919 in den kommenden Jahren ausweiten.

Über 1.000 Bestellungen hat der Flugzeughersteller schon eingesammelt. Air China,China Southern Airlines, China Eastern Airlines haben jeweils mehr als 100 Jets bestellt. Dazu kommen Order anderer chinesischer Fluglinien wie Sichuan Airlines (20), Suparna Airlines (30), Tibet Airlines (40), Hainan Airlines (20), Hebei Airlines (20) sowie zahlreicher Leasingfirmen. In den kommenden Jahren könnte China zudem versuchen, Afrika als Markt für die C919 zu gewinnen, da man in dieser Region ohnehin wirschaftlich engagiert ist.

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