Die C919 ist das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug, mit dem der chinesische Staatskonzern COMAC Airbus und Boeing Konkurrenz machen will. Als erstes nach internationalen Lufttüchtigkeitsstandards eigenständig in China entwickeltes großes Strahlverkehrsflugzeug profitiert die C919 dabei vor allem von ihrem großen Heimatmarkt – und hat damit das Potenzial, das Duopol aus Airbus und Boeing langfristig herauszufordern.
COMAC – Entstehungsgeschichte des chinesischen Herstellers
Die Commercial Aircraft Corporation of China, kurz COMAC, ist Chinas ambitionierter Versuch, sich im globalen Flugzeugbau als ernstzunehmender Wettbewerber zu etablieren. Gegründet im Jahr 2008 mit Sitz in Shanghai, verfolgt COMAC das Ziel, die jahrzehntelange Abhängigkeit vom Duopol Airbus und Boeing zu durchbrechen – insbesondere im Bereich ziviler Verkehrsflugzeuge.
Die Gründung war politisch motiviert und Teil eines nationalen Großprojekts zur Entwicklung eigener Verkehrsflugzeuge. Als staatlicher Konzern erhält COMAC direkte Unterstützung aus Peking – finanziell wie strategisch.
Ein frühes Programm von COMAC war der bereits vor der Unternehmensgründung gestartete Regionaljet ARJ21. Mit der C919 trat COMAC in direkte Konkurrenz zur Boeing 737 und zum Airbus A320. Der Jet absolvierte seinen Erstflug 2017 und wurde 2022 in China zugelassen. Kommerzielle Einsätze finden überwiegend auf dem chinesischen Markt statt. Seit dem 12. August 2026 setzt Air China die C919 erstmals auch auf einer internationalen Linienverbindung zwischen Peking und Ulaanbaatar ein.
Aktuell arbeitet COMAC an der C929, einem Langstreckenflugzeug, das mit der Boeing 787 und dem Airbus A350 konkurrieren soll. Einen Termin für den ersten kommerziellen Einsatz hat COMAC bislang nicht genannt. Ob COMAC international Fuß fassen kann, bleibt offen – auf dem chinesischen Heimatmarkt ist der Hersteller aber bereits ein ernstzunehmender Akteur.

Die oben abgebildete Shanghai Y-10 war ein frühes großes chinesisches Verkehrsflugzeugprojekt aus den 1970er-Jahren. COMAC war daran nicht beteiligt, doch das Projekt gilt als historischer Vorläufer der heutigen Ambitionen.
COMAC C919 – Die Entwicklung und Zulassung
COMAC startete die Entwicklung der C919 im Jahr 2008. Im November 2010 wurde auf einer Luftfahrtmesse in China ein Modell präsentiert, und 2011 begann die Produktionsvorbereitung für erste Bauteile. Das erste Flugzeug wurde am 2. November 2015 präsentiert. Am 5. Mai 2017 absolvierte die C919 ihren Erstflug und am 29. September 2022 erhielt die C919 die Zulassung der chinesischen Luftfahrtbehörde (CAAC). Die erste C919 wurde am 9. Dezember 2022 an China Eastern Airlines ausgeliefert und wird seit dem 28. Mai 2023 kommerziell von der Fluggesellschaft eingesetzt. Bislang verfügt das Flugzeug über die Musterzulassung der chinesischen Luftfahrtbehörde. Eine Zulassung durch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) oder die US-amerikanische Federal Aviation Administration (FAA) liegt nicht vor. Erstmals außerhalb der Volksrepublik China war die C919 auf der Singapore Airshow im Februar 2024 zu sehen. Die EASA nahm den Antrag auf Musterzulassung der C919 bereits im April 2017 an.
COMAC C919 – Die Varianten
Wie erwähnt, soll die COMAC C919 in Konkurrenz zur Airbus A320-Familie und zur Boeing 737-Reihe auf der Kurz- und Mittelstrecke treten. Neben der Basisversion entwickelt COMAC inzwischen auch eine kürzere Plateau-Variante und eine gestreckte Version. Die Basisversion der C919 ist 38,9 Meter lang und verfügt über eine Flügelspannweite von 35,8 Metern. Zum Vergleich: Der Airbus A320neo hat eine Länge von 37,57 Metern und eine Flügelspannweite von ebenfalls 35,8 Metern. Die Boeing 737 MAX 8 ist 39,5 Meter lang und verfügt über eine Spannweite von 35,9 Metern. Die Abmessungen der drei Modelle sind ähnlich. Auch bei der Kapazität liegen die Modelle eng zusammen. Die C919 kann laut Hersteller zwischen 158 und 192 Passagiere befördern. Erstkunde China Eastern Airlines bietet in ihren C919 164 Sitzplätze in einer Zwei-Klassen-Bestuhlung. Davon befinden sich acht Sitze in der Business Class (2-2-Anordnung). Die Sitze der Economy Class sind in einer 3-3-Konfiguration angebracht. Airbus gibt die Kapazität des A320neo in einer Zwei-Klassen-Bestuhlung mit 150 bis 180 Passagieren an, Boeing für die 737 MAX 8 mit 160 bis 180 Passagieren. Beim Kerosinverbrauch ergibt sich ein gemischtes Bild. Eine Analyse des Portals Air Insight vom Juli 2024 bezeichnete die C919 auf Basis erster Betriebsdaten insgesamt als wettbewerbsfähig, wies jedoch auf die noch geringe Datenbasis hin. Die Messgröße ist hierbei der Verbrauch pro Available Seat Mile, kurz ASM. Der Airbus A320neo und die Boeing 737 MAX 8 benötigen laut dieser Auswertung 3,03 Liter pro verfügbarem Sitz pro 100 Meilen. Die C919 verbraucht 4,54 Liter pro verfügbarem Sitz pro 100 Meilen. Damit liegt der Wert der C919 rund 50 Prozent höher. Das Portal ging davon aus, dass sich dieser Wert mit zunehmender Betriebserfahrung verringern könnte, da damals nur wenige C919 in Betrieb waren und vorsorglich mehr Treibstoff mitgeführt wurde. Bei der Reichweite fällt die C919 im Vergleich zur europäischen und US-amerikanischen Konkurrenz ab. Die C919 hat eine Reichweite von bis zu 5.555 Kilometern, während der Airbus A320neo 6.300 Kilometer schafft und die Boeing 737 MAX 8 bis zu 6.480 Kilometer. 
Ende Juni 2026 standen insgesamt 39 C919 in den Flotten der drei Betreiber: Air China (11), China Eastern Airlines (17) und China Southern Airlines (11).
Auf der Paris Air Show 2025 präsentierte COMAC eine verkürzte und eine gestreckte Variante der C919. Die „Stretched Variant“ soll zwischen 200 und 240 Passagiere befördern und eine Reichweite von 5.556 Kilometern haben. Die kleinere „Plateau Variant“ ist für 140 bis 160 Passagiere konzipiert und hat eine Reichweite von 5.834 Kilometern.
Am 29. Juli 2026 absolvierte das erste Flugzeug der Plateau-Variante am Shanghai Pudong International Airport seinen Erstflug. Wie COMAC mitteilte, dauerte der Testflug eine Stunde und 59 Minuten und alle vorgesehenen Testpunkte wurden absolviert. Gegenüber der Basisversion wurde der Rumpf verkürzt. Zudem wurden Systemfunktionen angepasst, um die C919 für den Betrieb in Hochlandregionen auszulegen.
Die Zukunft der COMAC C919
Ein Faktor, auf den COMAC bauen kann, ist sein Heimatmarkt. Die Volksrepublik ist einer der größten Luftfahrtmärkte der Welt und die Nachfrage wächst weiter. Das liegt vor allem am innerchinesischen Verkehr, für den die C919 ebenfalls konzipiert ist. Über 2.000 Kurz- und Mittelstreckenjets von Airbus und Boeing sind derzeit in den Flotten chinesischer Airlines zu finden, doch diese Flugzeuge müssen irgendwann auch ersetzt werden. Insbesondere staatliche Fluggesellschaften könnten bei Neubestellungen dazu angehalten werden, auch COMAC als Lieferanten in Betracht zu ziehen. Deshalb will COMAC auch die Produktionskapazitäten für die C919 in den kommenden Jahren ausweiten.
COMAC bezifferte die C919-Bestellungen im April 2024 auf mehr als 1.000 Flugzeuge. China Eastern Airlines hat insgesamt 105 C919 bestellt, Air China und China Southern Airlines jeweils 100. Hinzu kommen Bestellungen weiterer chinesischer Fluggesellschaften und Leasingfirmen. In den kommenden Jahren könnte China zudem versuchen, Afrika als Markt für die C919 zu gewinnen, da das Land in der Region bereits wirtschaftlich stark engagiert ist.
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