Wer einen Prämienflug mit Meilen bucht, muss häufig trotzdem mehrere hundert Euro zuzahlen. Ein großer Teil dieser Zuzahlung kann auf sogenannte Treibstoffzuschläge entfallen. Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich dabei nicht um eine staatliche Steuer oder behördlich vorgeschriebene Gebühr, sondern um einen von der Airline festgelegten Preisbestandteil. Wir erklären, was Treibstoffzuschläge sind, warum sie für Meilensammler so wichtig sind und wie sie sich vermeiden lassen.
Was sind Treibstoffzuschläge?
Treibstoffzuschläge wurden ursprünglich eingeführt, um höhere Öl- und Kerosinpreise über einen separaten Aufschlag auf den Flugpreis an die Kunden weiterzugeben. Viele Airlines haben diese Zuschläge später jedoch nicht wieder abgeschafft. Stattdessen wurden sie häufig umbenannt und vom tatsächlichen Kerosinpreis entkoppelt. Der Wikipedia-Eintrag zum Kerosinzuschlag (Link) fasst die ursprüngliche Idee wie folgt zusammen:
“Der Kerosinzuschlag ist eine flexible Gebühr, die von einer Fluggesellschaft festgelegt wird und von den tagesaktuellen Kerosinpreisen abhängt. Der Kerosinzuschlag ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.”
Die Aussage, der Zuschlag hänge von den tagesaktuellen Kerosinpreisen ab, greift aus heutiger Sicht allerdings zu kurz. “Treibstoffzuschlag” ist die umgangssprachlich weiterhin häufig verwendete Bezeichnung. Je nach Airline und Buchungssystem begegnen euch daher unterschiedliche Bezeichnungen:
- Treibstoffzuschlag oder Kerosinzuschlag
- Fuel Surcharge
- Carrier Imposed Surcharge
- Airline-Zuschlag
- Nationaler oder Internationaler Zuschlag
- YQ oder YR
Besonders treffend ist die Bezeichnung “Carrier Imposed Surcharge”, also ein von der Fluggesellschaft erhobener Zuschlag. Grundsätzlich legt die Airline den Zuschlag selbst fest, wobei einzelne Staaten Grenzen oder Vorgaben setzen können.
Bei Miles & More werden entsprechende Airline-Zuschläge in der Preisaufschlüsselung unter anderem als “Internationaler/Nationaler Zuschlag” ausgewiesen. Daneben kann die Airline weitere eigene Zuschläge erheben, beispielsweise den Umweltkostenzuschlag der Lufthansa Group, der je nach Buchungskonstellation separat oder technisch neben dem Internationalen/Nationalen Zuschlag ausgewiesen werden kann.
Treibstoffzuschläge sind keine Luftverkehrsteuern oder behördlich vorgeschriebenen Gebühren. Echte Steuern und Gebühren werden beispielsweise an den Staat, einen Flughafen oder eine Sicherheitsbehörde abgeführt. Dazu gehören unter anderem die deutsche Luftverkehrsteuer, Flughafengebühren und Sicherheitsgebühren. Eine ausführliche Erklärung aller Preisbestandteile findet ihr in unserem Artikel Wie setzen sich die Steuern und Gebühren auf einem Flugticket zusammen?
Für Flüge ab einem Flughafen in der Europäischen Union muss der angezeigte Endpreis alle unvermeidbaren und zum Zeitpunkt der Veröffentlichung vorhersehbaren Steuern, Gebühren und Zuschläge enthalten. Zudem müssen die verschiedenen Preisbestandteile ausgewiesen werden. Das ergibt sich aus Artikel 23 Absatz 1 der Verordnung (EG) Nr. 1008/2008 (Link).
Wer bestimmt die Höhe der Treibstoffzuschläge?
Die Zuschläge können von null Euro bis zu mehreren tausend Euro für einen Hin- und Rückflug reichen und sich unabhängig vom Meilenpreis ändern. Ein Extrembeispiel sind die Treibstoffzuschläge von Lufthansa, die auf bestimmten Langstreckentickets im vierstelligen Bereich liegen können. Ob und in welcher Höhe bei einem Prämienflug Treibstoffzuschläge anfallen, hängt vor allem von drei Faktoren ab.
Die Airline
Erstens entscheidet die Airline, ob sie auf einer bestimmten Verbindung einen Zuschlag erhebt. Einige Airlines verzichten vollständig oder weitgehend darauf, während andere mehrere hundert Euro verlangen. Einen Überblick findet ihr in unserem Artikel Welche Airlines erheben (keine) Treibstoffzuschläge?
Das Vielfliegerprogramm
Zweitens entscheidet das Vielfliegerprogramm, ob es den von der Airline festgelegten Zuschlag an seine Mitglieder weitergibt. Deshalb kann ein Flug mit der gleichen Airline und auf der gleichen Strecke je nach verwendetem Programm sehr unterschiedliche Zuzahlungen aufweisen. Welche Programme die Zuschläge weiterreichen, zeigt unser Vergleich in Welche Vielfliegerprogramme erheben (keine) Treibstoffzuschläge?
Das Abflugland
Drittens können Strecke, Flugrichtung, Reiseklasse und Abflugland eine Rolle spielen. Manche Staaten untersagen oder begrenzen Treibstoffzuschläge. Häufig profitiert ihr davon nur, wenn eure Reise in dem betreffenden Land beginnt. Mehr dazu erfahrt ihr in Diese Länder untersagen oder begrenzen Treibstoffzuschläge.
Wie wirken sich Treibstoffzuschläge auf Prämienflüge aus?
Bei einem Prämienflug wird der vom Vielfliegerprogramm verlangte Flugpreis in Meilen beglichen. Steuern und Gebühren müssen dagegen in der Regel zusätzlich bezahlt werden. Viele Vielfliegerprogramme reichen dabei auch die von der Airline erhobenen Treibstoffzuschläge an ihre Mitglieder weiter. Wichtig ist, dass nicht jede in einer Buchungsmaske angezeigte “Steuer und Gebühr” ein Treibstoffzuschlag ist.
Ein konkretes Beispiel aus der Miles & More Suche verdeutlicht den Unterschied. Für einen Business Class Prämienflug von Wien über Frankfurt nach Johannesburg werden im Business Light-Tarif zunächst 38.186 Meilen und 361,26 Euro Zuzahlungen angezeigt. Wie sich der Geldbetrag zusammensetzt, ist in der Tarifübersicht jedoch noch nicht zu erkennen.

Erst die Preisaufschlüsselung zeigt, dass davon 295 Euro auf von der Airline festgelegte Zuschläge entfallen. Der “Internationale/Nationale Zuschlag” in Höhe von 250 Euro entspricht in diesem konkreten Beispiel dem gemeinhin als Treibstoffzuschlag bezeichneten Airline-Zuschlag. Hinzu kommt der separat erhobene Umweltkostenzuschlag der Lufthansa Group in Höhe von 45 Euro. Dieser soll einen Teil der steigenden Zusatzkosten aus regulatorischen Umweltauflagen abdecken und wird in dieser Buchung getrennt vom Treibstoffzuschlag ausgewiesen.
Nur 66,26 Euro werden von Miles & More separat als “Steuern, Gebühren und Abgaben” ausgewiesen. Damit machen die beiden Airline-Zuschläge zusammen rund 82 Prozent der gesamten Zuzahlung aus.

Das Beispiel zeigt zugleich, warum die verwendete Bezeichnung wichtig ist. Der klassische Begriff “Treibstoffzuschlag” taucht in der Miles & More Aufschlüsselung nicht auf. Er verbirgt sich hinter der Bezeichnung “Internationaler/Nationaler Zuschlag”. Ebenso wenig sind die gesamten 361,26 Euro echte Steuern oder behördlich erhobene Gebühren.
Wie lassen sich Treibstoffzuschläge vermeiden?
Ein Prämienflug ohne Treibstoffzuschlag ist nicht automatisch komplett zuzahlungsfrei. Echte Steuern und Gebühren sowie mögliche Buchungs- oder Servicegebühren des Vielfliegerprogramms können weiterhin anfallen. Für Meilensammler gibt es jedoch vor allem drei Strategien, um Treibstoffzuschläge zu vermeiden.
- Bucht einen Prämienflug mit einer Airline, die keine oder nur geringe Treibstoffzuschläge erhebt.
- Nutzt ein Vielfliegerprogramm, das die Zuschläge der Airline nicht weiterreicht.
- Beginnt die Reise (sofern sinnvoll) in einem Land, das Treibstoffzuschläge untersagt oder begrenzt.
Welche Strategie am besten funktioniert, hängt von der Airline, Strecke und dem verfügbaren Meilenguthaben ab. So lassen sich beispielsweise Lufthansa Prämienflüge über ausgewählte Partnerprogramme ohne Treibstoffzuschläge buchen.
Konkrete Möglichkeiten für Flüge über den Atlantik findet ihr in Transatlantik-Prämienflüge ohne Treibstoffzuschläge – Die besten Optionen. Wer Miles & More Meilen nutzt, findet weitere Strategien in Miles & More Steuern und Gebühren – Wie hoch sind sie und wie kann man sie vermeiden?
Transatlantik-Prämienflüge ohne Treibstoffzuschläge – Die 8 besten Optionen
Was sind Treibstoffzuschläge? – Fazit
Treibstoffzuschläge sind keine staatlichen Steuern, sondern von der Airline festgelegte Preisaufschläge. Obwohl sie ursprünglich mit hohen Kerosinpreisen begründet wurden, besteht heute meist kein transparenter oder unmittelbarer Zusammenhang mit den tatsächlichen Treibstoffkosten. Bei einem Prämienflug ist die Aufteilung entscheidend, weil Treibstoffzuschläge häufig zusätzlich zum Meilenpreis bezahlt werden müssen. Wer die richtige Kombination aus Airline, Vielfliegerprogramm und Abflugort wählt, kann die Zuzahlung deutlich reduzieren oder den Zuschlag ganz vermeiden.
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