03. August 2019 Mark 3 Must Reads, Tipps & Tools für Vielflieger

Diese Länder untersagen oder begrenzen Treibstoffzuschläge

Länder ohne Treibstoffzuschläge, also Länder, die Treibstoffzuschläge grundsätzlich untersagen oder zumindest begrenzen, sind neben der Wahl des richtigen Vielfliegerprogramms und der richtigen Airline eine der Grundstrategien für das Vermeiden von hohen Zuzahlungen bei Prämienflügen. Dank der gesetzlichen Regelungen von Ländern, wie Japan oder Brasilien, ist es zum Beispiel auch möglich Prämienflüge mit Lufthansa mit nur minimalen Zuzahlungen zu buchen…

Was ist der Treibstoffzuschlag?

Ob Treibstoffzuschlag, Kerosinzuschlag, Fuel Surcharge, Carrier Imposed Surcharge, YQ, YR, oder auch einfach nationaler/internationaler Zuschlag – gemeint ist in allen Fällen das Gleiche: Ein Preisaufschlag auf den regulären Flugpreis, der in Zeiten hoher Kerosinpreise eingeführt wurde. Doch was anfangs einer klaren Idee folgte, ist heute ein komplexes und undurchsichtiges Thema, das nur noch wenig mit Treibstoffkosten zu tun hat. Viele Airlines nutzen diese Zuschläge mittlerweile völlig losgelöst vom aktuellen Kerosinpreis. Entsprechend trifft man den Begriff Treibstoffzuschläge oft auch nur noch umgangssprachlich an. Airlines selbst nutzen mittlerweile meist andere Begriffe. Eine echte Rechtfertigung für den Zuschlag entfällt.

Heute sind Treibstoffzuschläge, oder wie auch immer man sie nennen mag, eine von vielen Preiskomponenten bei einem Flugticket, die jede Airline selbst festlegen kann. Die Systematik ist komplex, die Höhe kann sich von Strecke zu Strecke und sogar in Abhängigkeit von der Flugrichtung unterscheiden. Während einige Airlines komplett auf Treibstoffzuschläge verzichten, erheben andere Fluggesellschaften, wie bspw. Lufthansa und British Airways zum Teil mehr als 1.000 Euro.

Treibstoffzuschläge nehmen insofern eine Sonderrolle in den Preiskomponenten eines Flugtickets ein, dass sie auf Laien den Eindruck einer echten Steuer machen, welche von Airlines im Namen staatlicher Behörden eingezogen und abgeführt wird. Tatsächlich sind Treibstoffzuschläge oder Carrier Imposed Surcharges aber nur ein einfacher Zuschlag auf den Ticketpreis, der von der Airline erhoben und einbehalten wird.  Diese sollten daher eigentlich auf die sogenannte Base Fare des Flugtarifs aufgeschlagen werden.

Lufthansa 747
Lufthansa ist für hohe Treibstoffzuschläge verschrien…

Bei einer regulären Flugbuchung ist es für den Buchenden in der Regel nicht relevant, aus welchen Preiskomponenten sich der Flugpreis zusammensetzt, da der Gesamtpreis das entscheidende Kriterium ist. Für Reisende, die ihr Ticket mit Meilen buchen, ist die Thematik dafür umso wichtiger. Denn viele Vielfliegerprogramme, wie Miles & More, geben Treibstoffzuschläge an den Kunden weiter. So ist nicht ungewöhnlich, dass für ein mit Meilen gebuchtes Ticket noch mehrere hundert Euro Zuzahlungen geleistet werden müssen.

Wie kann man Treibstoffzuschläge vermeiden?

Wer mit Meilen bucht und Treibstoffzuschläge vermeiden möchte, hat grundsätzlich drei Optionen. Die erste Option ist es Flüge mit einer Airline zu buchen, die grundsätzlich keine Treibstoffzuschläge erhebt (Welche Airlines erheben (keine) Treibstoffzuschläge?). Die zweite Option ist es ein Vielfliegerprogramm zu nutzen, das generell keine Treibstoffzuschläge weiterreicht (Welche Vielfliegerprogramme erheben (keine) Treibstoffzuschläge?). Die dritte Option ist es den Abflugort in ein Land zu verlegen, dass Treibstoffzuschläge gesetzlich untersagt oder zumindest begrenzt. Der letzten Option widmen wir uns in diesem Artikel.

Wie kann man Treibstoffzuschläge berechnen?

Wer aufschlüsseln möchte, wie sich der Preis eines Flugtickets zusammensetzt, benutzt dafür am besten die ITA Matrix, eine Flugsuchmaschine von Google (ITA Matrix Anleitung – Teil 1: Die Grundlagen). Wenn ihr dort zum Beispiel nach einem Business Class Flug mit Lufthansa von Frankfurt nach New York und zurück sucht, bekommt ihr folgendes Ergebnis:

Treibstoffzuschlag (YQ/YR) auf einem Lufthansa Flug von Frankfurt nach New York
Treibstoffzuschlag (YQ/YR) auf einem Lufthansa Flug von Frankfurt nach New York

Der Flug als Ganzes kostet 2.441,44 Euro. Neben dem Gesamtpreis führt die ITA Matrix auch alle Teilkomponenten, aus denen sich der Ticketpreis zusammensetzt, auf. Auf Treibstoffzuschläge bzw. Carrier Imposed Surcharges entfallen in diesem Beispiel 412 Euro (YQ) + 16 Euro (YR) und damit fast 20% des Gesamtpreises. Lufthansa gehört also zu den Airlines, die Treibstoffzuschläge für ihre Flüge erhebt. Wie ihr im Folgenden sehen werdet reichen aber nicht alle Vielfliegerprogramme, über die Flüge mit Lufthansa gebucht werden können, diese Treibstoffzuschläge auch an den Nutzer des Vielfliegerprogramms weiter.

Länder ohne Treibstoffzuschläge

Ob man Treibstoffzuschläge bzw. Carrier Imposed Surcharges bei der Buchung eines Meilentickets zahlt, hängt im Allgemeinen von zwei Faktoren ab. Erstens: Sind Carrier Imposed Surcharges Bestandteil des Tickets der Airline, mit der man fliegen möchte. Und zweitens: Gibt das Vielfliegerprogramm, mit dem man besagte Airline buchen möchte, diese Zuschläge weiter? Doch es gibt noch einen dritten Faktor: Das Abflugsland. Staaten ist es möglich die Höhe der Zuschläge auf einem Flugticket zu regulieren. Im Falle von Treibstoffzuschlägen tun dies leider nur sehr wenige Länder. Doch wer beispielsweise aus Hongkong, Brasilien, Japan, den Philippinen, Südkorea, Australien oder Neuseeland abfliegt, kann sich über niedrige bzw. den kompletten Entfall von Treibstoffzuschlägen freuen.

(Noch?) keine Treibstoffzuschläge ab Hongkong

Hongkong ist wohl das bekannteste Ziel, das Treibstoffzuschläge untersagt hat. Nachdem die Kerosinpreise Anfang 2016 ein sehr niedriges Preislevel erreicht hatten, meldete sich die lokale Regulierungsbehörde zu Wort und untersagte die Erhebung eines entsprechenden Zuschlags. Diese Regelung hatte in ihrer Grundform bis November 2018 Bestand. Dann kam das Civil Aviation Department (CAD) in Hongkong zu dem Schluss, dass Airlines Treibstoffzuschläge erheben dürfen, sofern diese klar ausgewiesen werden. Seitdem können Airlines eine Passenger Fuel Surcharge (PSF) wieder selbst festlegen.

“The further review noted that the global trend of deregulating fuel surcharge to enhance competition, as highlighted in the consultancy study, echoed with the progressive liberalisation policy in Hong Kong’s air services regime. It also noted that the fuel cost was part of the operating costs of airlines that had to be recouped in any case, be it as part of the basic ticket fare or as a separately listed surcharge. Individual airlines should be allowed to make their own commercial decisions on whether to levy a fuel surcharge. The key is to encourage competition and to ensure transparency in price display to facilitate consumers in making informed choices.” [Quelle: CAD]

Bisher scheinen Airlines, wie Lufthansa und British Airways, von dieser neuen Regelung noch keinen Gebrauch zu machen. Bucht ihr zum Beispiel über den Executive Club einen British Airways Business Class Flug von Hongkong nach London fallen nur 40 Euro Zuzahlungen an.

Auch auf einem Lufthansa Flug von Hongkong nach Frankfurt oder München werden nur sehr niedrige Zuzahlungen fällig. In der Economy und Premium Class fallen 330 HKD (ca. 38 EUR) an. In der Business und First Class sind es 350 HKD (ca. 40 EUR).

Dass die Zuschläge wirklich nur auf Sicherheits- und Flughafengebühren zurückzuführen sind, sehr ihr übrigens im zweiten Buchungsschritt indem ihr auf “Detailübersicht für Steuern, Gebühren und Zuschläge klickt”. Der Treibstoffzuschlag, der bei Miles & More etwas unauffälliger als “Internationaler/Nationaler Zuschlag” bezeichnet wird beträgt tatsächlich 0 HKD.

Treibstoffzuschläge entfallen für Oneway- und Roundtrip-Flüge ab Hongkong. Nur Oneway-Flüge, die in Hongkong enden, aber in einem anderen Land starten, sind von der Regelung unberührt. Deshalb ist Lufthansa First Class Flug von Deutschland nach Hongkong auch ungleich teurer als in die andere Richtung.

Keine Treibstoffzuschläge ab Brasilien

Brasilien untersagt Treibstoffzuschläge bereits seit dem Jahr 2010. Alle Flüge, die in Brasilien beginnen, sei es ein Oneway- oder Roundtrip Flug, dürfen keine Treibstoffzuschläge aufweisen. Auch hier können wir uns das wieder an einem Lufthansa Prämienflug verdeutlichen. Die Airline fliegt unter anderem von Sao Paulo und Rio de Janeiro nach Frankfurt. Fliegt ihr ab Sao Paulo, zahlt ihr nur 123 BRL Steuern und Gebühren, was nur 28 Euro entspricht.

Natürlich gilt die Regelung auch für Flüge mit jeder anderen Airline. Daher stellt Brasilien die beste Möglichkeit für einen Rückflug von Südamerika nach Europa dar. Solltet ihr zum Beispiel eine längere Südamerika Reise geplant haben, kann es sich lohnen am Ende noch einen Stop in Brasilien einzulegen, bevor ihr von dort mit einem Meilenticket zurück nach Europa fliegt.

Begrenzte Treibstoffzuschläge ab den Philippinen

Die Philippinen haben Treibstoffzuschläge bereits im Jahr 2015 untersagt bzw. begrenzt. Für deutsche bzw. europäische Vielflieger ist das in der Praxis weniger relevant, da es vergleichsweise wenige Direktverbindungen von Europa auf die Philippinen gibt. Und von den Airlines, die Manila anfliegen, darunter Cathay Pacific, United, Singapore Airlines und Thai Airways erheben die meisten ohnehin keine oder nur sehr niedrige Treibstoffzuschläge. Auszahlen kann es sich aber zum Beispiel auf einem Air China Flug von Manila nach Peking, denn die chinesische Airline erhebt eigentlich recht hohe Treibstoffzuschläge. Auf einem Flug von Manila nach Peking betragen die Zuschläge trotzdem nur 50 USD, wovon nur 8 USD auf Treibstoffzuschläge zurückzuführen sind.

Der gleiche Flug in die andere Richtung weist über 60 USD YQ auf.

Begrenzte Treibstoffzuschläge ab Taiwan

Treibstoffzuschläge für Flüge ab Taiwan unterliegen der Kontrolle der Civil Aeronautics Administration (CAA) und werden basierend auf dem Kerosinpreis und der Fluglänge festgelegt. Langstreckenflüge ab Taipeh weisen derzeit maximal 39 USD YQ auf. So zum Beispiel auch auf einem Eva Air Flug von Taipeh nach Wien. Der YQ Zuschlag beträgt 1.128 TWD (ca. 35 EUR). Die Steuern und Gebühren insgesamt betragen 1.754 TWD (ca. 50 EUR).

Die umgekehrte Flugrichtung unterliegt keiner Einschränkung und ist mit Treibstoffzuschlägen in Höhe von 125 Euro etwas teurer, aber immer noch vergleichweise günstig. Eva Air ist daher grundsätzliche eine gute Wahl für Prämienflüge mit Miles & More nach Asien. Zumal die Airline auch beim Service auf voller Linie überzeugen kann (Review: EVA Air Business Class A330-300 Brisbane – Taipei).

Begrenzte Treibstoffzuschläge ab Südkorea

Einen Sonderfall stellt Südkorea dar. Treibstoffzuschläge hier sind begrenzt und nicht komplett untersagt, und das auch nur für einheimische Airlines, wie Asiana oder Korean Air. Aus diesem Grund zahlt ihr für einen Economy Prämienflug von Seoul nach Frankfurt mit Asiana nur 69.000 KRW (ca. 51 EUR), während es bei einem Lufthansa Flug 265.200 KRW (ca. 198 EUR) sind.

Die Höhe der Treibstoffzuschläge wird vom Ministry of Land, Infrastructure and Transport in Korea genehmigt. Es 10 verschiedene Level für die Höhe des maximal erlaubten Treibstoffzuschlags, welche abhängig vom Kerosinpreis gelten. Ein Zuschlag wird zudem erst erhoben, wenn der Preis von Kerosin (Singaporean Jet Fuel) mehr als 1,50 SGD pro Gallone beträgt. Derzeit liegt das Maximum für den Treibstoffzuschlag bei 49.200 KRW (ca. 37 EUR). Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Flugstrecke, desto geringer der Zuschlag. 49.200 KRW findet man beispielsweise auf Korean Airs Route von Seoul nach Atlanta.

Begrenzte Treibstoffzuschläge ab Japan

Auch in Japan ist die Höhe erlaubter Treibstoffzuschläge an den tatsächlichen Kerosinpreis gekoppelt und muss vom Gesetzgeber genehmigt werden. Die Regelung betrifft grundsätzlich alle Airlines. So kommt es, dass für einen Prämienflug mit ANA oder Lufthansa von Tokio nach Frankfurt jeweils 17.670 JPY (ca. 148 EUR) Zuschläge fällig werden. Davon sind 14.100 JPY YQ-Treibstoffzuschläge.

Auch die Kundenfreundlichkeit japanischer Airlines zeigt sich an diesem Beispiel sehr gut. Sowohl ANA als auch JAL weisen die Höhe der Treibstoffzuschläge transparent auf ihrer Webseite auf und erklären wie sich deren Höhe bestimmt. Hier ein Auszug von der JAL Webseite.

“The applicable fuel surcharge level will be determined by multiplying the two-month average fuel price*1 of the Singapore Kerosene by the exchange rates average of the same two-month and will be fixed for two months as below*2. In case of changing the fuel surcharge, we will apply for the government approvals of the applicable country to amend it. If the two-month average fuel price falls below JPY6,000, we will not collect fuel surcharge.”

Vergleichbare Angaben von ANA findet ihr hier auf der ANA Webseite. Bei beiden Airlines betragen die Treibstoffzuschläge selten mehr als 100 Euro.

Reduzierte Treibstoffzuschläge ab Australien

Australien untersagt Treibstoffzuschläge nicht per se, doch gibt es in Down Under einige Besonderheiten bezüglich dieser zu beachten. Bucht ihr einen Flug ab Australien könnt ihr bei vielen Airlines deutlich niedrige Treibstoffzuschläge erwarten als auf Flügen nach Australien. Ein gutes Beispiel ist British Airways’ Kangaroo Route von London über Singapur nach Sydney. So erfordert ein British Airways First Class Flug von Sydney nach Singapur neben 80.000 Avios nur 143 Euro Steuern und Gebühren. Für einen British Airways Flug sind das ungewöhnlich niedrige Zuzahlungen.

Ähnliches gilt beispielsweise auch für Emirates Flüge ab Australien. So kostet euch ein Emirates First Class Flug von Sydney nach Dubai 144.000 Skywards Meilen und 409 AUD (ca. 250 EUR) Steuern und Gebühren. Das klingt im ersten Moment nicht besonders günstig. Mit 1.890 AUD (ca. 1.158 EUR) sind die Zuzahlungen bei umgekehrter Flugrichtung aber deutlich höher.

Wollt ihr mit Meilen nach Australien fliegen, kann es sich auszahlen, beide Flugrichtungen getrennt als zwei Oneway-Flüge zu buchen. Prämienflüge mit Qantas weisen übrigens keine YQ Zuschläge auf, wenn ihr eure Reise in Australien beginnt.

Reduzierte Treibstoffzuschläge ab Neuseeland

Neuseelands Home Carrier Air New Zealand gehört zu den wenigen Airlines, die grundsätzlich keine Treibstoffzuschläge erheben. Grundsätzlich sollte die Airline daher erste Wahl sein, wenn es um die Buchung von Prämienflügen von oder nach Neuseeland geht. Doch leider geben die Kiwis nur sehr ungern Verfügbarkeiten für Prämienflüge heraus. Mit Ausnahme von Flügen zwischen Neuseeland und Australien ist es fast unmöglich Prämienflüge mit Air New Zealand zu buchen. Glücklicherweise sind auch die Treibstoffzuschläge bei anderen Airlines deutlich niedriger als sonst, wenn der Abflug in Neuseeland erfolgt. Ein Emirates Business Class Flug von Auckland über Dubai nach Hamburg erfordert zum Beispiel 128.000 Skywards Meilen und 423 NZD (ca. 249 EUR) Steuern und Gebühren.

Die umgekehrte Flugrichtung wäre mit Zuzahlungen in Höhe von 541 Euro deutlich teurer.

Länder ohne Treibstoffzuschläge – Fazit

Treibstoffzuschläge auf Prämientickets sind immer ärgerlich. Wer die Länder mit begrenzten oder untersagten Treibstoffzuschlägen kennt, kann sich aber zumindest in ein paar Fällen behelfen und hunderte Euro sparen. Dies kann sich im Übrigen auch auf geplanten Roundtrip-Flügen von Deutschland in eines der genannten Länder bezahlt machen. Bucht dazu euer Ticket einfach als zwei Oneway-Tickets, um zumindest auf einem der beiden Flüge von den niedrigeren Zuschlägen profitieren zu können.

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