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15. August 2026 Florian 0 News, Sonstiges

Air Canada verkauft 25 Prozent von Aeroplan – Was bedeutet das für Meilensammler?

Air Canada hat den Verkauf eines 25-prozentigen Anteils an seinem Vielfliegerprogramm Aeroplan an ein von Blackstone und La Caisse angeführtes Investorenkonsortium vereinbart. Für den nicht kontrollierenden Anteil von 25 Prozent sollen 2,5 Milliarden CAD fließen. Damit wird Aeroplan mit insgesamt 10 Milliarden CAD bewertet. Für Aeroplan-Teilnehmer soll sich durch die Transaktion zunächst nichts ändern.

Blackstone & Co. sollen 25 Prozent von Aeroplan übernehmen

Was zunächst von Bloomberg nur als möglicher Teilverkauf gemeldet wurde, ist inzwischen offiziell. Wie Air Canada in einer Pressemitteilung bekanntgegeben hat, will ein von Blackstone und La Caisse angeführtes Konsortium 2,5 Milliarden CAD in Aeroplan investieren und soll dafür einen nicht kontrollierenden Anteil von 25 Prozent erhalten. Air Canada soll die verbleibenden 75 Prozent und damit die Kontrolle über Aeroplan behalten. Strategie, operatives Geschäft und tägliches Management sollen weiterhin vollständig bei Air Canada liegen. Auch für Mitglieder, Partner und Mitarbeiter soll sich infolge der Transaktion nichts ändern.

Der Abschluss ist für den 17. August 2026 vorgesehen. Bis dahin handelt es sich streng genommen um eine vereinbarte, aber noch nicht abgeschlossene Transaktion. Besonders bemerkenswert ist die Bewertung. Aus dem Kaufpreis ergibt sich eine Bewertung von 10 Milliarden CAD für Aeroplan. Damit gehört das Vielfliegerprogramm zu den wertvollsten Vermögenswerten des Air-Canada-Konzerns.

Warum verkauft Air Canada einen Teil von Aeroplan?

Air Canada befindet sich in einer kapitalintensiven Wachstums- und Erneuerungsphase. Der Konzern modernisiert seine Flotte, baut das Streckennetz aus und überarbeitet das Bordprodukt – von einer neuen Business Class bis zu neuen Amenity Kits. Allein 2025 investierte Air Canada laut dem Geschäftsbericht 2025 (Link) rund 2,91 Milliarden CAD in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte. Hinzu kommen umfangreiche Flugzeugbestellungen.

Von den 2,5 Milliarden CAD sollen zunächst etwa 1,7 Milliarden CAD zur Rückzahlung einer bevorstehenden Anleihefälligkeit in Höhe von 1,2 Milliarden USD eingesetzt werden. Ein Großteil des verbleibenden Betrags soll anschließend in Aktienrückkäufe fließen. Air Canada kündigte parallel ein Rückkaufangebot für eigene Aktien im Umfang von bis zu 800 Millionen CAD an. Der Teilverkauf stärkt damit insbesondere die Bilanz des Konzerns. Gleichzeitig kann Air Canada Kapital aus Aeroplan freisetzen, ohne die Kontrolle über das Programm aufzugeben.

Für einen Notverkauf gibt es dennoch keine Anzeichen. Im ersten Quartal 2026 erzielte Air Canada laut einer Pressemitteilung einen Rekordumsatz von 5,8 Milliarden CAD, ein bereinigtes EBITDA von 623 Millionen CAD und einen freien Cashflow von 1,6 Milliarden CAD. Der Teilverkauf erscheint daher eher als strategische Monetarisierung eines wertvollen Vermögenswerts, mit der sich zusätzliches Kapital für die Wachstumspläne beschaffen lässt.

Dass sich Vielfliegerprogramme zu eigenständigen Finanzwerten entwickelt haben, macht eine solche Transaktion überhaupt erst attraktiv. Entscheidend für mögliche langfristige Auswirkungen ist allerdings, welche konkreten Mitspracherechte die Investorengruppe erhält. Welche Folgen das haben kann, zeigt Velocity Frequent Flyer. Virgin Australia verkaufte 2014 für 336 Millionen AUD einen Anteil von 35 Prozent an seinem Vielfliegerprogramm, kaufte es fünf Jahre später aber für 700 Millionen AUD zurück. Der Einstieg brachte kurzfristig Kapital und sollte das Wachstum beschleunigen, führte später jedoch zu einem deutlich teureren Rückkauf.

Warum ist Aeroplan 10 Milliarden CAD wert?

Vielfliegerprogramme verdienen längst nicht nur Geld mit Passagieren, die Flüge buchen. Ein zentraler Teil des Geschäfts besteht im Verkauf von Aeroplan Punkten an Banken, Kreditkartenunternehmen sowie Reise- und Handelspartner. Bezahlt ein Kunde beispielsweise mit einer Aeroplan-Kreditkarte, kauft die herausgebende Bank die dafür gutgeschriebenen Punkte bei Aeroplan. Das Programm erhält sofort Geld, während die Kosten der späteren Einlösung erst in der Zukunft anfallen.

Das funktioniert besonders gut, wenn Punkte für Prämienflüge eingelöst werden, deren zusätzliche Bereitstellungskosten deutlich unter dem regulären Ticketpreis liegen. Hinzu kommen nicht eingelöste Punkte, Partnerprovisionen, Kundendaten und der Effekt, dass das Programm Mitglieder enger an Air Canada und die beteiligten Unternehmen bindet.

Die offiziellen Zahlen (Link) verdeutlichen die Größenordnung: Aeroplan zählt mehr als 10 Millionen aktive Mitglieder, kooperiert mit über 50 Airlines und ermöglicht Prämienflüge zu mehr als 1.300 Zielen. Allein 2025 erhielt Air Canada rund 1,98 Milliarden CAD für im Rahmen von Partnervereinbarungen ausgegebene Aeroplan-Punkte. Zum 31. Dezember 2025 standen zudem rund 4,01 Milliarden CAD an noch nicht realisierten Aeroplan-Erlösen in der Bilanz, die insbesondere auf noch nicht eingelöste Punkte zurückzuführen sind.

Air Canada kann die Aeroplan-Anteile später zurückkaufen

Ein besonders interessantes Detail der Transaktion ist die vereinbarte Rückkaufoption. Die neuen Investoren sind gemäß einer vereinbarten Ausschüttungspolitik berechtigt, an Ausschüttungen von Aeroplan teilzunehmen, sofern diese vom Verwaltungsrat beschlossen werden. Gleichzeitig erhält Air Canada das Recht, den kompletten 25-Prozent-Anteil der Investorengruppe zwischen dem fünften und achten Jahrestag des Abschlusses zurückzukaufen. Der Rückkaufpreis wird dabei nicht einfach anhand einer dann aktuellen Bewertung festgelegt. Stattdessen sieht die Vereinbarung eine Formel vor, die den Investoren unter Berücksichtigung bereits erhaltener Ausschüttungen eine interne Rendite von 6,5 Prozent vorsieht.

Damit unterscheidet sich der Deal von einem vollständig offenen Verkauf einer Minderheitsbeteiligung. Air Canada monetarisiert heute einen Teil des Programms, behält die Kontrolle und sichert sich gleichzeitig die Möglichkeit, später wieder zum alleinigen Eigentümer zu werden.

Was ändert sich für Aeroplan-Meilensammler?

Für Aeroplan-Meilensammler ändert sich durch die Transaktion zunächst nichts. Die Reform der Statusqualifikation und des Sammelmodells sowie die Abwertung des Aeroplan Award Charts zum 1. Juni 2026 wurden bereits vor Bekanntwerden der Gespräche angekündigt. Langfristig sollten Meilensammler vor allem den Award Chart für Partnerairlines im Blick behalten. Prämienflüge mit Air Canada und ausgewählten Partnern werden bereits dynamisch bepreist. Die weiterhin festen Punktewerte für zahlreiche andere Partnerairlines sowie der Verzicht auf die Weitergabe von Treibstoffzuschlägen sind zwei der wichtigsten Vorteile des Programms.

Teilverkauf von Vielfliegerprogrammen könnte zum Trend werden

Airlines nutzen ihre Treueprogramme schon seit Jahren als Finanzierungsinstrument. Während der Corona-Pandemie nahm United Airlines 6,8 Milliarden USD auf und besicherte die Finanzierung mit MileagePlus. United bewertete das Programm damals in einer Börsenmitteilung mit rund 21,9 Milliarden USD. Grundlage dafür war das Zwölffache des MileagePlus-EBITDA des Jahres 2019. Delta beschaffte sich laut Pressemitteilung 9 Milliarden USD über eine mit SkyMiles besicherte Finanzierung. American Airlines nahm auf Basis von AAdvantage laut Pressemitteilung 10 Milliarden USD auf.

Auch in Europa gibt es ähnliche Konstruktionen. Air France/KLM schloss 2023 mit Apollo eine Quasi-Eigenkapitalfinanzierung über 1,5 Milliarden Euro ab (Link), die durch Verträge mit Flying Blue Partnern unterlegt ist. Dabei blieb das Vielfliegerprogramm vollständig unter der Kontrolle des Airlinekonzerns. Der Aeroplan-Deal geht einen Schritt weiter, weil die Investorengruppe tatsächlich einen 25-prozentigen Eigenkapitalanteil an Aeroplan erwerben soll.

Aeroplan selbst kennt dieses Modell bereits. Das Programm wurde in den 2000er-Jahren schrittweise ausgegliedert. Der daraus hervorgegangene börsennotierte Konzern firmierte ab 2012 als Aimia. Nachdem Air Canada 2017 angekündigt hatte, die Zusammenarbeit zu beenden und ein eigenes Programm aufzubauen, brach der Wert von Aimia ein. 2019 kaufte Air Canada Aeroplan schließlich zurück. Der vereinbarte Barkaufpreis lag bei 450 Millionen CAD. Zugleich übernahm Air Canada rund 1,9 Milliarden CAD an Punkteverpflichtungen.

Vielfliegerprogramme Wert Copyright
© TNMT (Lufthansa Innovation Hub) nach On Point Loyalty

Welchen finanziellen Wert Vielfliegerprogramme haben können, zeigt eine Auswertung von On Point Loyalty, die TNMT (Lufthansa Innovation Hub) aufbereitet hat. Mehr zur Entwicklung von Vielfliegerprogrammen lest ihr in unserem Artikel zur Geschichte und Zukunft der Vielfliegerprogramme.

Aeroplan Teilverkauf – Fazit

Eine von Blackstone und La Caisse angeführte Investorengruppe will 2,5 Milliarden CAD für einen Anteil von 25 Prozent an Aeroplan investieren, wodurch das Programm mit 10 Milliarden CAD bewertet wird. Für Aeroplan-Meilensammler hat die Nachricht aktuell keine unmittelbaren Folgen. Für Punkteguthaben, Prämienflüge und Partnerairlines ergeben sich durch die Transaktion zunächst keine Änderungen. Die eigentliche Bedeutung liegt in der Bewertung und im Signal an die Branche. Vielfliegerprogramme sind zu eigenständigen Finanzwerten geworden, die teilweise mehr wert sein können als die Airlines, aus denen sie hervorgegangen sind.

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