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28. September 2019 Kai 0 Sonstiges

OBC: Onboard Courier und der rechtliche Rahmen

Wir haben euch in den vergangenen Wochen die Tätigkeit des Onboard Couriers vorgestellt. Da es sich bei Onboard Kurieren um Selbstständige handelt, wollen wir uns heute einmal den rechtlichen Rahmen einer solchen Tätigkeit einmal genauer anschauen. Beachtet werden müssen die Anmeldung der Tätigkeit beim Gewerbeamt, die Krankenversicherung, eine Pflichtmitgliedschaft in der IHK, sowie Versicherungen…

Onboard Courier und die Steuer

Eine selbstständige Tätigkeit anzumelden ist zunächst einmal schnell erledigt. Man geht hierfür einfach in das Gewerbeamt der eigenen Gemeinde, füllt einen entsprechenden Anmeldebogen aus und erhält daraufhin einen Gewerbeschein. Wichtig ist, die gewerbliche Tätigkeit einerseits korrekt anzugeben, andererseits aber auch nicht zu detailliert für den Fall, dass man in Zukunft noch weitere selbstständige Tätigkeiten ausüben möchte.

Das Gewerbeamt teilt eure Anmeldung automatisch eurem zuständigen Finanzamt (und einer Reihe weiterer Institutionen) mit, die euch daraufhin einen “steuerlichen Erfassungsbogen” schicken. Spätestens jetzt dürfte allen klar werden, dass eine Selbstständigkeit eine ernste Angelegenheit ist, die mit einer Reihe von Pflichten einhergeht. Bleibt ihr mit eurer (gesamten) gewerblichen Tätigkeit unterhalb einer Grenze von 17.500 Euro Umsatz im Jahr könnt ihr euch als Kleinunternehmer anmelden und müsst weder Umsatz- noch Gewerbesteuer zahlen. Den Gewinn müsst ihr aber im Rahmen eurer jährlichen Einkommensteuererklärung versteuern. Wer gerade erst als Onboard Courier anfängt, braucht sich vermutlich für viele Jahre keine Sorgen machen, dass diese Umsatzsteuerschwelle gerissen werden könnte, denn die Zahl der Aufträge wird wahrscheinlich so niedrig sein, dass ihr realistischerweise mit einem Umsatz von vielleicht 1.000 bis 2.000 Euro im Jahr rechnen könnt.

Übersteigt euer Umsatz die 17.500 Euro-Grenze im Jahr dauerhaft, z.B. weil ihr noch weitere selbständige Tätigkeiten ausübt, so seid ihr umsatzsteuerpflichtig und müsst entsprechende Erklärungen und Anmeldungen abgeben. Eigentlich kein Hexenwerk, aber der Teufel steckt oft im Detail. So sind viele eurer Auftraggeber rechtlich gesehen ausländische Firmen und plötzlich gerät man mit steuerlichen Fragen ins Schlingern und es fliegen einem Begriffe wie “Reverse-Charge-Verfahren”, “steuerbare und nicht steuerbare Umsätze”, “Differenzbesteuerung” etc. um die Ohren.

Ein wahres Schlachtfest für Betriebsprüfer sind die Reisekostenabrechnungen, die man im Rahmen der Onboard-Courier-Tätigkeit erstellen muss. Angefangen bei dem eigentlich vermeidbaren Fehler, die Pauschalen vom Auftraggeber als steuerfreien durchlaufenden Posten zu deklarieren bis zu solchen Details wie der Herausrechnung eines kostenlosen Frühstücks aus den Hotelkosten wird man als Selbstständiger an so vielen Stellen angreifbar, dass man sich als Onboard-Courier unbedingt steuerlich beraten lassen sollte – was entsprechende Kosten verursacht, die man gedanklich von dem Honorar als Courier abziehen muss.

Die Buchhaltung wird immerhin überschaubar bleiben, so dass ihr diese vermutlich selbst erledigen könnt. Hier gibt es entsprechende Software, die es kostenpflichtig, als Abo oder auch kostenlos gibt. Wer tatsächlich nur ein paar OBC-Aufträge im Jahr hat, sollte sich mal die JES-Software anschauen, die kostenlos und recht übersichtlich ist. Ihr schreibt eurem Vermittler nach Abschluss des Auftrags eine Rechnung (natürlich nach dessen Maßgabe) und bucht den Zahlungseingang als Umsatz. Eure eigenen geschäftlichen Ausgaben bucht ihr entsprechend als Ausgaben dagegen, wobei ihr ein paar Regeln beachten müsst. Wenn ihr noch nie mit Steuererklärungen zu tun hattet, lasst euch hier mindestens mal einführend beraten.

Onboard Courier und die Steuern
Onboard Courier und die Steuern

Krankenversicherung für Selbstständige

Als Selbstständiger muss man sich auch selbst krankenversichern (wenn man das aus irgendeinem Grund noch nicht ist). Man kann als Selbstständiger also nicht mehr in der Familienversicherung des Partners oder der Eltern bleiben. Ist man dagegen als Angestellter bereits in der Gesetzlichen Krankenversicherung und ist nur im Nebenerwerb selbständig, ändert sich zunächst nichts. Ähnlich ist es bei Studenten, bei denen es auf den zeitlichen und wirtschaftlichen Umfang der Selbstständigkeit ankommt. Hat man einen Auftrag im Monat als Onboard Courier, so kann man im günstigeren Studenten-Tarif der Krankenversicherung bleiben.

Pflichtmitgliedschaften

Ihr werdet mit eurer Anmeldung als Gewerbetreibender nicht nur steuerlich erfasst, sondern zugleich auch Pflichtmitglied in der Industrie- und Handelskammer sowie der jeweils zuständigen Berufsgenossenschaft. Als Existenzgründer bleibt ihr dabei in der IHK in der Regel für die ersten beiden Jahre beitragsfrei. Danach berechnet sich der Beitrag aus einem fixen Anteil und einem variablen Anteil, der sich nach eurem Umsatz richtet. Es gibt immer mal wieder Diskussionen, ob eine Zwangsmitgliedschaft in solchen Verbänden mit dem Grundgesetz vereinbar ist, aber sämtliche diesbezüglichen Urteile bestätigen die Rechtmäßigkeit dieser Zwangsmitgliedschaft.

Auch in der zuständigen Berufsgenossenschaft werdet ihr automatisch Zwangsmitglied und das auch zunächst unabhängig davon, ob ihr Arbeitnehmer beschäftigt oder nicht. Die Berufsgenossenschaft stellt die gesetzliche Unfallversicherung für Arbeitnehmer, die aus Beiträgen von Unternehmern finanziert wird. Anders als bei der IHK, wo die Mitgliedschaft dem Territorialprinzip unterliegt, ihr also Mitglied eurer örtlichen IHK werdet, werdet ihr bei der Berufsgenossenschaft aufgrund der Tätigkeit zugeordnet. Für Onboard Couriere ist in der Regel die BG Verkehr, manchmal auch die Berufsgenossenschaft Handel- und Warenlogistik (BGHW) zuständig, je nachdem wie ihr die Tätigkeit konkret beschrieben habt. Beitragspflichtig werden ihr normalerweise nur, wenn ihr Arbeitnehmer beschäftigt. Dazu zählen auch geringfügig Beschäftigte oder Auszubildende. Das sollte für die wenigsten OBC’s zutreffen. Ihr müsst euch aber trotzdem auf jeden Fall bei der BG anmelden, auch wenn ihr nicht beitragspflichtig werdet.

Onboard Courier auf Mission
Onboard Courier auf Mission

Sinnvolle Versicherung als Onboard Courier

Neben einer Auslandskrankenversicherung, die ihr natürlich unbedingt braucht und einer Mietwagen-Vollkasko, die beide in einer guten Kreditkarte wie der American Express Platinum bereits enthalten sind, solltet ihr vor allem über eine Betriebshaftpflichtversicherung nachdenken. Auch wenn ihr für den Verlust oder die Beschädigung der euch anvertrauten Ware nur im Falle grober Fahrlässigkeit oder Vorsatzes haftbar seid, kann die Schadenssumme so enorm sein, dass ihr unversichert für den Rest eures Lebens ruiniert seid. Die Kosten einer solchen Versicherung variiert sehr stark und man bekommt im Internet auch keine wirklich erhellende Übersicht über die Kosten, wenn man sich nicht auf ein Telefonat mit einem Versicherungsmakler einlassen will. Nur um zumindest eine Hausnummer zu nennen, könnt ihr davon ausgehen, dass eine vernünftige Versicherung mit den üblichen Abdeckungen irgendwas zwischen 200 und 500 Euro im Jahr kosten dürfte. Das hängt aber eben sehr stark von der Tätigkeit und den Einsatzgebieten und letztlich auch davon ab, ob OBC die einzige selbstständige Tätigkeit ist, die ihr ausübt.

Onboard Courier und der rechtliche Rahmen – Fazit

Kosten für Steuerberater, IHK- Mitgliedschaft und Versicherungen fallen unabhängig davon an, ob ihr auch nur einen einzigen Auftrag bekommt. Das sollte im Hinterkopf behalten, wer ernsthaft über eine Gewerbeanmeldung nachdenkt. Vor allem sollten diese Ausführungen deutlich machen, dass die Vergütungen für die Onboard Courier Mission eben kein reiner Netto-Gewinn ist, sondern die Kosten der Gewerbetätigkeit davon noch abzuziehen sind.

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