OBC: Die erste Onboard Courier Mission

In unser Artikelreihe zum Beruf des Onboard Courier geht es heute um den Ablauf einer Mission, also eines Auftrages, und um die Dinge, die typischerweise schieflaufen können. Das Berufsbild des Onboard Couriers erfreut sich steigender Beliebtheit, wobei die Beliebtheit und damit die Zahl angehender Kuriere schneller steigt als die Anzahl der Aufträge, was zu Frustration führen kann. Wir geben eine detailierte Einführung in die Onboard Courier Mission.

Ihr seid nun zu eurer ersten Mission als Onboard Courier ausgewählt worden. Herzlichen Glückwunsch! Die Aufregung steigt wahrscheinlich, denn jetzt wird euch klar, dass der Job eben nicht nur eine kostenlose Flugreise ist sondern sehr viele Dinge beachtet werden müssen – und das unter permanentem Zeitdruck. Hier geht’s zum ersten Teil unserer Artikel-Serie zum Beruf des Onboard-Courier.

Onboard Courier Mission: Vom Briefing bis zum Pickup

Idealerweise habt ihr bereits einen kleinen Rucksack mit Klamotten für zwei bis drei Tage gepackt, den ihr nun noch an die klimatischen Bedingungen eures Zielortes anpasst. Je nachdem, wie viel Zeit ihr bis zum Pickup habt, solltet ihr euch im Internet einen groben Überblick über die Flughäfen verschaffen, mit denen ihr es zu tun habt. In der Regel sind das neben Abflug- und Zielort auch noch ein Umsteigeflughafen, jedenfalls bei weiter entfernten Zielen.

In dem telefonischen Briefing wird euch exakt der Ablauf eurer Mission erklärt. Wo habt ihr das Frachtgut abzuholen, wie schwer oder umfangreich ist es, soll es als Handgepäck mitgenommen werden (nach meiner Erfahrung der Regelfall) oder muss es eingecheckt werden. Wenn es eingecheckt werden muss, denkt daran, eine Kreditkarte mit ausreichendem Limit dabei zu haben, denn am Schalter aufgegebenes Übergepäck kann teuer werden und ihr müsst das Geld auslegen (Alle Star Alliance Gold Status Vorteile).

Ihr seid ab jetzt in permanentem Kontakt mit eurem Vermittler, der auch als einziger befugt ist, euch Anweisungen zu erteilen. Ihr habt ihn proaktiv andauernd zu unterrichten, wo ihr gerade seid und was ihr gerade macht. In der Regel geschieht das per WhatsApp oder per SMS. Deshalb ist es erforderlich, dass ihr einen roamingfähigen Mobilfunkvertrag habt, damit ihr auch im Ausland in Kontakt bleiben könnt.

Onboard Courier Shipment
Onboard Courier Shipment

Bei zeitlich sehr engen Touren wird euch das zu transportierende Gepäck manchmal an den Flughafen gebracht, wo ihr es entgegennehmt. Meistens werdet ihr das Gepäck aber noch irgendwo (wenn ihr Glück habt in der Nähe des Airports) abholen müssen. Diese Wege zum Pickup und zum Airport müsst ihr selbst organisieren und die Kosten hierfür auslegen. Den Flug bucht und zahlt dagegen euer Vermittler. Die Kosten werden euch zwar erstattet, oft aber anhand von Pauschalen, die eher für den Bus als für das Taxi reichen. Die Höhe der Pauschalen wird euch natürlich vor Abflug genannt, so dass ihr überschlagen könnt, ob ihr damit auskommt. Seid dabei ehrlich zu euch selbst, denn eine zu blauäugige Kalkulation kann schnell dazu führen, dass die Taxikosten nicht nur die Pauschale sondern auch gleich eure ganze Vergütung auffressen.

Verhandelbar sind die Beträge auch nur, wenn ihr entweder lange im Geschäft seid und über bestimmte Visa verfügt, die die Auswahl für den Vermittler einengen oder wenn die Zeit bis Abflug so knapp bemessen ist, dass der Vermittler ernsthafte Bedenken hat, jemanden anderes organisieren zu können. Auch sind die Möglichkeiten, z.B. öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, mitunter durch das Versandgut beschränkt. Wenn dieses besonders sperrig oder schwer ist, werdet ihr kaum mit dem Nahverkehrszug durch die Vorstädte einer chinesischen Millionenstadt ins Gewerbegebiet fahren und die letzten 600 Meter noch laufen wollen. Eine ungefähre Idee von den Taxikosten am Zielort zu haben, ist deshalb von Vorteil.

Zum Teil gibt es am Zielort auch gar keine Taxis und die einzige Fortbewegungsmöglichkeit ist ein Mietwagen. Auch hier müsst ihr euch ehrlich fragen, ob ihr in der Lage seid, in der indischen Provinz mit einem Mietwagen, den chaotischen Linksverkehr zu meistern. Hier sind wir wieder beim Eingangs-Statement zu unserer Artikelreihe: Onboard- Kuriere sind eben kein „James Bond der Lüfte“, für den eine Limousine mit Chauffeur am Flughafen bereit steht. Im Gegenteil, durch den hohen Kostendruck, den euer Vermittler hat, um Jobs an Land zu ziehen, ist die Billig-Variante oft der Regelfall.

Onboard Courier Mission: Vom Pickup bis ans Gate

Okay, genug der Miesmacherei, schauen wir uns nun den Ablauf Stück für Stück an. Ihr seid telefonisch gebrieft worden und macht euch nun auf den Weg zum Auftraggeber, um das Gepäckstück abzuholen. Jetzt ist es Zeit für die erste Nachricht an den Vermittler, z.B. „Bin auf dem Weg zum Pickup in Musterstraße 9, Hamburg.“ Wenn ihr das Gepäckstück entgegen genommen und quittiert habt, ist ein „Shipment übernommen, bin auf dem Weg zum Flughafen“ angebracht.

Am Flughafen angekommen geht es direkt zum Check In. In der Regel wird für euch Economy gebucht, so dass ihr in der Schlange stehen müsst, wenn ihr nicht als Statusinhaber Priority Check-In habt (Die 7 besten Wege zum Star Alliance Gold). Wenn Maße und Gewicht es zulassen, ist das Gepäck immer als Handgepäck mit sich zu führen, damit ihr es nicht aus den Augen lasst. Wenn euch am Check-In aus welchen Gründen auch immer gesagt wird, dass das Gepäck aufgegeben werden muss, weist freundlich darauf hin, dass ihr Onboard-Kurier seid und das Gepäck nicht aufgeben dürft. Nicht vergessen: Ihr seid nicht James Bond und habt keine Lizenz, den Luftverkehr zu gefährden. Also freundlich bleiben und um eine Ausnahme bitten.

Wenn sich der Check In-Türsteher gar nicht erweichen lässt, ruft euren Vermittler an und fragt ihn, wie es weitergehen soll. Nur er kann Entscheidungen fällen, die vom Briefing abweichen, also lieber einmal mehr fragen als zu wenig. Manchmal, z.B. wenn ihr die EU verlasst, kann eine Export-Verzollung notwendig sein. Dies wird euch aber natürlich im Briefing mitgeteilt und es werden euch dann die erforderlichen Dokumente mitgegeben. Macht euch am besten auf dem Weg zum Flughafen schlau, wo genau die Customs für die Export-Verzollung sitzt, damit ihr nicht durch Pass- und Sicherheitskontrolle geht und dann merkt, dass der Zoll davor liegt. Ihr müsst für die Verzollung nicht über Geheimwissen verfügen. Einfach das Frachtgut und die Begleitpapiere abgegeben und lächeln. Wenn es Probleme gibt: den Vermittler anrufen.

Onboard Courier auf Mission
Onboard Courier auf Mission

Auch bei der Sicherheitskontrolle gibt es manchmal Regeln, die sich einem nicht sofort erschließen. Auf Diskussionen hat man gerade unter Zeitdruck natürlich noch weniger Lust, aber denkt einmal mehr daran: Ihr habt keine Sonderprivilegien. Also freundlich bleiben und ggf. telefonieren, wenn der Sicherheitsmann euch nicht mit eurem Shipment durch die Siko lassen will. Um fair zu bleiben, muss ich sagen, dass fast nie eines der oben beschriebenen Probleme auf dem Weg ans Gate auftaucht. Man wird mit einem Lächeln eingecheckt, Exportverzollung fällt selten an und die Siko ist meistens auch stressfrei.

Onboard Courier Mission: Lounge ja oder nein?

Wenn das alles so schnell gegangen ist, habt ihr ja noch Zeit für einen gerührten Vodka Martini in der Lounge vorbeizuschauen?

Natürlich nicht, denn ihr seid ja nicht auf dem Weg in den Urlaub sondern bei der Arbeit und da ist Alkohol strengstens verboten. Ein großer Anbieter hat kürzlich Schlagzeilen gemacht, als er seinen Onboard-Kurieren den Aufenthalt in Lounges generell untersagen wollte. Da gibt es naturgemäß ein geteiltes Echo. Für den direkten Weg zum Gate spricht, dass man zu Beginn des Boardings sicher am Gate ist und weniger Gefahr läuft, das Handgepäck wegen Überbelegung der Gepäckfächer doch noch einchecken zu müssen. Insofern seid ihr tatsächlich angehalten sicherzustellen, dass ihr zu Beginn des Boardings am Gate seid, um die Beförderung eures Shipments als Handgepäck nicht zu gefährden.

Trotzdem spricht natürlich nichts gegen einen Aufenthalt in der Lounge (Weltweit Lounge-Zugang mit Priority Pass auch ohne Status), wenn die Zeit es zulässt. Oft sind auch noch Dokumente wie Zustelladresse am Zielort oder Quittung für die Übergabe auszudrucken, was für die Lounge spricht, weil dort die entsprechende Infrastruktur vorgehalten wird. Alkohol bleibt aber selbstredend tabu. Bedenkt auch immer, dass ihr euer Gepäck niemals aus den Augen lassen dürft. Wenn ihr also in der Lounge mal auf Klo müsst, nehmt euer Handgepäck mit. Begebt euch dann rechtzeitig zum Gate, damit ihr (als Statusinhaber) beim Priority Boarding dabei seid und euer Gepäck so verstauen könnt, dass ihr es immer im Blick habt. Idealerweise wird das unter dem Vordersitz sein, was extrem unbequem sein kann, weil man die Beine dann nicht mehr ausstrecken kann.

Alternativ könnt ihr das Gepäckstück auch in dem gegenüberliegenden Gepäckfach verstauen, wo ihr es normalerweise auch im Blick behaltet. Wenn euer Flieger dann schließlich abhebt, könnt ihr euch selbst gedanklich auf die Schulter klopfen. Ihr habt den ersten Teil eurer Onboard Courier Mission erfolgreich bestanden.

Im nächsten Teil unserer Artikelreihe zum Job eines Onboard Couriers geht es um Ankunft und Übergabe eurer wertvollen Fracht.

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2 Kommentare

    • Hi Nico,
      der Lohn sind viele neue Stempel im Reisepass und ein steigendes Thrombose-Risiko im Alter. ;-)
      Spaß beiseite: Die Vergütungsfrage ist ein bisschen komplexer, weil sie sich aus mehreren Komponenten zusammensetzt und abhängig vom Vermittler, Reiseziel und Reisedauer ist. Wir gehen da in einem weiteren Artikel noch etwas genauer drauf ein.
      Aber klar ist: Am Ende ist es eine Anlerntätigkeit, für die man keinerlei Berufsausbildung benötigt. Und die Broker haben eine volle Kartei mit Studenten, die schon glücklich sind, wenn sie umsonst fliegen und die Meilen behalten dürfen. Das hat natürlich Auswirkungen auf die Bezahlung insgesamt.

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