Swiss Premium Economy Class 777 300 Er Sitz Fenster 2
10. April 2022 Benedikt 4 Economy Class Review

Review: Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER Zürich – Miami

Mit einem der ersten offiziellen Flüge ging es für mich vor wenigen Tagen in der neuen Swiss Premium Economy Class in der Boeing 777-300ER von Zürich nach Miami. Rechtzeitig zum erneuten Wintereinbruch konnte ich dabei der Schweizer Kälte entgehen und das komplett neue Bordprodukt der Schweizer Lufthansa-Tochter ausgiebig testen…

Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER – Die wichtigsten Daten

  • Airline: Swiss
  • Flugzeugtyp: Boeing 777-300ER
  • Flugnummer: LX64
  • Reiseklasse: Premium Economy
  • Kabinen-Konfiguration: 2 – 4 – 2
  • Kabinen-Größe: 24 Sitze
  • Sitzabstand: 39 Zoll / 99 cm
  • Sitzbreite: 18-19 Zoll / 46-48 cm
  • Bildschirmgröße: 15,6 Zoll / 38,1 cm
  • Recline: 122 Grad / Beinstütze

Ablauf der Buchung

Offiziell verkauft Swiss die Premium Economy Class zunächst erst auf einigen wenigen Routen, wobei Zürich – Miami Ende März den Anfang gemacht hat, bald gefolgt von San Francisco und Sao Paolo. Die Preise ab Zürich waren dabei mit über 2.000 Euro für meinen Geschmack etwas zu hoch, zumal ich ja nicht einmal wusste, was mich überhaupt erwartet. Also habe ich mich für Amsterdam – Zürich – Miami und zurück entschieden, was mit 775 Euro deutlich besser zu verkraften war und mir dank der Miles & More Kulanzangebote außerdem noch den Frequent Traveller bei Miles & More sichert. Alternativ ist auch eine Buchung für 80.000 Miles & More Meilen zuzüglich 350 Euro Steuern und Gebühren möglich, was sich aber wohl in den wenigsten Fällen lohnen dürfte.

Ein fader Beigeschmack bei der Buchung sind die aufgerufenen 50 Euro pro Strecke für eine Sitzplatzreservierung, welche lediglich für Miles & More Senatoren und HON Circle Member nicht fällig wird. Alle anderen Passagiere, auch Star Alliance Gold Mitglieder, werden zur Kasse gebeten. Soviel zum Premium Faktor…

Besuch der Lounge und Boarding

Im Gegensatz zu SAS Plus, bei welcher der Loungezugang inkludiert ist, müssen Passagiere der Swiss Premium Economy Class dafür bezahlen. Mit 49 Franken ist der Zutritt nicht sonderlich günstig und dürfte sich wohl nur bei längerem Aufenthalt lohnen. Durch meinen Star Alliance Gold Status von EuroBonus hatte ich während meines kurzen Layovers in Zürich allerdings dennoch Zugang zur Senator Lounge E Gates.

Etwa 20 Minuten vor Boarding begab ich mich zum Gate um die dortige Passkontrolle zu erledigen und so früh wie möglich boarden zu können. Pünktlich um 12:30 begann dann das Boarding für Passagiere der First Class sowie HON Circle Member, anschließend durften Business Class Reisende und Star Alliance Gold Mitglieder an Bord.

Swiss 777 300 Er Zuerich Gate E
Meine 777-300ER von Zürich nach Miami, HB-JNB

Die Premium Economy Class war bis auf einen oder zwei Plätze ausgebucht, so dass ich dieses mal nicht das Glück eines freien Nebensitzes hatte.

Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER – Die Kabine

Bisher ist die Premium Economy Class bei Swiss erst in einigen Boeing 777-300ER verbaut, die Airbus A340-300 sollen anschließend folgen, zudem wird “zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert” wann die neue Reiseklasse auch in den Airbus A330-300 eingebaut werden wird. Die Konfiguration in der 777 entspricht 3 Reihen in einer 2-4-2 Anordnung, insgesamt also 24 Sitze. Damit ist es wohl eher eine kleine Premium Economy Class, aber ich vermute, dass man hier bei Bedarf noch mehr Sitze auf Kosten der Economy Class hinzufügen kann.

Swiss Boeing 777 300 Er Seat Map
Swiss Boeing 777-300ER Seat Map © Seatguru

Die erste Reihe beginnt direkt nach Tür 3, wobei die zwei Sitze links und rechts jeweils die meiste Beinfreiheit haben dürften, da sich hier direkt der Notausgang befindet, was im Gegenzug aber auch bedeutet, dass hier keine richtigen Fenster zu finden sind. Die mittleren 4 Sitze haben hingegen einen Bulkhead vor sich.

Was nicht ganz zum Premium-Anspruch passt: Die Premium Eco ist keine gesonderte Kabine und weder durch eine Wand noch durch einen Vorhang vom Rest der Economy Class abgetrennt.

Swiss Premium Economy Class 777 300 Er Kabine 1
Swiss Premium Economy Class Kabine

Wie auch bei anderen Premium Economy Produkten werden die WCs der Economy Class genutzt, was einen kurzen Gang nach hinten bedeutet. Dafür hat es hier auch gleich vier Stück, so dass selten ein Warten nötig war.

Durch die fehlende Abtrennung verschmilzt die Kabine teilweise mit der Economy Class, was auch während des Fluges in Form von Gesprächsfetzen bemerkbar ist. Auch das Design orientiert sich sehr stark am hinteren Teil der Kabine. Zugegeben, mein Fall ist es nicht. Da gefällt mir das helle Grau von SAS deutlich besser, aber sowas ist ja Geschmacksache.

Nachdem das Boarding beendet war ging es relativ bald einmal mit dem Taxi und den Sicherheitsanweisungen los, eher wir pünktlich auf Piste 16 in Richtung Miami starteten.

Swiss Premium Economy Class 777 300 Er Winshot
Aussicht aus Reihe 22

Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER – Sitz

Der Sitz in der Swiss Premium Economy Class läutet das neue Zeitalter für die gesamte Lufthansa-Gruppe ein, denn dieser Sitz soll auch bei den übrigen Airlines der Gruppe Einzug finden. Der Sitz ist dabei etwas ungewöhnlich, wenn auch nicht ganz neu vom Konzept her. Air France zum Beispiel hat ebenfalls Fixed Shell Sitze in ihrer Premium Eco. Dies bedeutet, dass sich der Sitz beim Zurücklehnen innerhalb seiner Verschalung verschiebt aber dabei nicht den persönlichen Raum des Hintermannes einschränkt. Im Falle von Swiss sind die Sitze vom deutschen Hersteller ZIM.

Die Premium Economy Class bietet im Vergleich zur Economy Class deutlich breitere Sitze, wobei jeder Passagier eigene Armlehnen hat, sowie erheblich mehr Beinfreiheit. Bei den Sitzen am Fenster hat nur Reihe 22 zwei Fenster, Reihe 20 hat kein Fenster bzw. nur eines weit vorne in der Türe, und Reihe 21 hat ein einzelnes Fenster. Minimal störend sind die vertikalen Verstrebungen auf denen die Sitze befestigt sind, aber das ist allemal besser als eine IFE Box im Fussraum zu haben.

Die mittleren Sitze (E und F) in Reihe 21 und 22 haben die Besonderheit, dass die mittleren Armlehnen hochgeklappt werden können (gut zu sehen im folgenden dritten Bild). Das dürfte vor allem für zusammenreisende Paare eine angenehme Option sein, wenn man schon mittig sitzt.

Bereits zum Boarding befand sich an jedem Sitzplatz eine verschweißte Decke sowie ein Kopfkissen, ebenfalls wartete eine Wasserflasche auf den Konsolen zwischen den Sitzen.

Jeweils zur Mittelkonsole hin befinden sich zwei Knöpfe zum Einstellen des Sitzes. Einer ist dabei für die Neigung, der andere für die Beinstütze. Auf den Bildern ist es relativ schwer zu erkennen, aber die Neigung des Sitzes innerhalb der Verschalung ist größer als man vermutet. Und sofern man kein absoluter Riese ist sollte es auch kein Problem darstellen, dass dadurch die eigene Beinfreiheit eingeschränkt wird. Etwas unnütz, jedenfalls für mich, ist die Beinstütze. Damit konnte ich nichts anfangen, lieber wäre mir eine Fußstütze gewesen.

Ich finde man merkt, dass bei der Entwicklung des Sitzes auch Überlegungen zum Stauraum bzw. allgemein zur Praktikabilität gemacht wurden. Das beginnt bei den Kleiderhaken und dem Stromanschluss zwischen den Vordersitzen,…

…geht weiter zu den Halterungen für die Kopfhörer zwischen dem eigenen und dem Nachbarsitz,…

…bis hin zu den verschiedenen Möglichkeiten verschieden große Dinge zu verstauen. Zwischen den Vordersitzen gibt es eine Halterung für die Wasserflaschen, das Zeitschriftenfach ist groß genug für Decke, iPad, Laptop und andere flache Sachen, und unter der Mittelarmlehne gibt es eine kleine Ablage für Dinge wie einen eReader oder das Smartphone. Hier gibt es zudem noch einen zusätzlichen USB-Anschluss.

Schließlich gibt es noch ein einstellbares Leselicht im Sichtschutz zum Sitznachbar.

Zwischen den Sitzen befindet sich eine kleine Konsole, zum Beispiel für Wasserflaschen. Für alles weitere empfiehlt sich der aus dem Vordersitz herausklappbare und faltbare Tisch. Die Stabilität fand ich dabei besonders bemerkenswert, kein Nachgeben nach unten oder ein seitliches Absacken.

Viel Verbesserungspotenzial sehe ich ehrlich gesagt nicht beim Premium Economy Class Sitz der Swiss. Wenn die Kabine räumlich von der Economy Class getrennt wäre und das Design etwas frischer/moderner wäre gäbe es im Bereich Sitz/Kabine die volle Punktzahl von mir.

Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER – Entertainment und WiFi

Mit 15,6 Zoll ist der IFE Screen in der Swiss Premium Eco wohl einer der größten überhaupt. Bedient wird dieser ausschließlich via Touch, eine Fernbedienung gibt es nicht und ist auch nicht nötig. Zwei Dinge sind mir besonders positiv aufgefallen. Zum einen ist die Reaktionsgeschwindigkeit des Screens besser als alles was ich bisher kenne, zum anderen wurde ein matter Bildschirm verbaut, so dass auch bei Tagflügen nur geringe Spiegelungen auf dem Monitor zu sehen sind.

Die Film- und Serienauswahl war ganz in Ordnung. Es gab durchaus einige neue Filme, aber auch Klassiker. Zudem gab es bei den Serien ganze Staffeln zu schauen, nicht nur einzelne Episoden. Etwas merkwürdig waren die fehlenden Vorschaubilder, egal ob bei Filmen, Serien, oder Spielen.

Die Airshow ist nichts Außergewöhnliches, bietet aber die wichtigsten Übersichten und Informationen. Leider gibt es keine Außenkameras, von welchen man das Geschehen mitverfolgen könnte.

Swiss bietet ihren Passagieren die Möglichkeit das WiFi an Bord zu nutzen, lässt sich aber auch fürstlich dafür entlohnen. Gratis WLAN gibt es nur in der First Class, und selbst dort sind es nur 50 MB.

Swiss Wifi 2
Swiss WiFi Preise

Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER – Essen und Service

Das Highlight der Swiss Premium Economy ist aus meiner Sicht definitiv das kulinarische Angebot. Hier wurde sowohl bei der Auswahl als auch bei der Präsentation eindeutig mehr auf die Business Class als auf die Eco geschielt. Das fängt beim Welcome Drink an (ein nichtalkoholischer Hollunder Drink), geht über eine Menükarte und echtes Porzellan und Besteck beim Essen bis zur Qualität des Essens selbst. Noch während des Boardings ging es los mit dem Welcome Drink.

Swiss Premium Economy Class 777 300 Er Welcome Drink
Swiss Premium Economy Class Welcome Drink

Kurz darauf wurde die Menükarte für den Flug, LX64 von Zürich nach Miami, verteilt. Als Passagier der Premium Economy Class gibt es die Auswahl zwischen drei verschiedenen Optionen als Hauptspeise, wobei die Gerichte ebenso wie in der First- und Business Class einem gewissen Kanton zugeordnet sind (derzeit ist das die luzernische Küche).

Irgendwann zwischen Boarding und der Snack- bzw. Getränkerunde wurde die Bestellung dann aufgenommen. Der Snack bestand aus gesalzenen Nüssen und war so ziemlich das einzige Unpassende im Vergleich zum Rest, denn diese wurden in der Tüte serviert. Dazu gab es freie Auswahl an alkoholischen und nichtalkoholischen Getränken, in meinem Fall war das ein Gin-Tonic.

Swiss Premium Economy Class 777 300 Er Snacks Drinks
Snack- und Getränkerunde

Kurz darauf ging es dann schon los mit dem Essensservice. Ich habe mich für die Hacktäschli Luzerner Art entschieden und meine Entscheidung kein Stück bereut. Alles an dem Essen – Vorspeise, Hauptgang, Beilagen und Desserts – war sehr lecker und deutlich hochwertiger als zum Beispiel das Essen in der SAS Plus.

Ebenfalls erwähnenswert war die Geschwindigkeit des Service. Ich bin mir sicher, dass die Passagiere in der letzten Reihe der Business Class länger auf ihr Essen warten mussten als das bei mir in Reihe 22 der Fall war. Knapp 1:15 Stunden nach Servicebeginn war alles schon wieder abgeräumt. Übrigens, die Brötchen werden jeweils warm serviert, noch ein Bonuspunkt :)

Nach einigen Stunden gab es einen kleinen Midflight Snack in Form eines Mövenpick Vanille-Eis’, welches ebenfalls auch in der Galley Bar zu finden war.

Swiss Economy Class Galley Bar
Galley Bar mit Midflight Snacks zur Selbstbedienung

Den Abschluss machte dann schließlich das Pre-Arrival Meal, etwa 90 Minuten vor der Landung in Miami. Hier gab es ein Chäschüechli zusammen mit einem cremigen Dessert. Auch hier hat wieder alles gestimmt. Die Economy Class erhält das gleiche Essen, allerdings in einer Kartonschachtel verpackt und ohne Besteck.

Abschließend noch ein paar Worte zum Service. Dieser war sehr effizient, und wenn auch nicht gerade überschwänglich freundlich wie zum Beispiel bei SAS, so doch immerhin höflich; auch auf Anfragen zu weiteren Snacks oder Getränken wurde eingegangen. Insgesamt also ganz in Ordnung.

Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER – Amenities

Für alle Passagiere in der Swiss Premium Economy Class gibt es ein mit dem nötigsten ausgestattetes Amenity Kit, welches offenbar aus recyceltem Papier hergestellt wurde. Darin befinden sich Zahnbürste und Zahnpasta, Ohrstöpsel, sowie eine Schlafmaske.

Swiss Premium Economy Class Boeing 777-300ER – Fazit

Anfangs war ich ja sehr skeptisch, denn über Fixed Shell Sitze gibt es mehr Schlechtes als Gutes zu lesen und zu hören. Und ich bin mir sicher, dass sich auch beim Produkt von Swiss die Geister scheiden werden, aber ich für meinen Teil war insgesamt sehr zufrieden mit dem Gebotenen. Die Sitze sind bequem, der IFE Monitor sehr groß, und das Essen überdurchschnittlich gut. Punktabzug gibt es dennoch für die fehlende räumliche Abtrennung zur Economy hin sowie für die unverschämten 50 Euro Gebühr für eine Sitzplatzreservierung pro Richtung.

Ich bin mittlerweile so weit und würde sagen, dass ich auf einem Tagflug keine Business Class mehr brauche, sondern ein gutes Premium Economy Produkt vollkommen genügt, und das nicht zuletzt dank der Swiss Premium Economy Class.

Was haltet ihr von der Swiss Premium Economy Class? Könntet ihr euch vorstellen damit zu fliegen?

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