Thai Airways setzt auf der Strecke von Bangkok nach Singapur unter anderem die Boeing 777-200ER ein – ein Flugzeug mit einer Business Class, die sichtbar in die Jahre gekommen ist, aber dennoch einen interessanten Blick auf ein früheres Produkt der Airline ermöglicht. Ich bin die Strecke im Oktober 2025 im Rahmen einer größeren Prämienreise nach Australien geflogen und konnte mir so einen aktuellen Eindruck der Royal Silk Business Class in der alten 2-2-2-Konfiguration verschaffen.
Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Die wichtigsten Daten
- Airline: Thai Airways
- Flugzeugtyp: Boeing 777-200ER
- Kennzeichen: HS-TJW
- Flugnummer: TG401
- Flugzeit: 2 Stunden
- Tag/Nacht: Abendflug
- Reiseklasse: Business Class
- Kabinen-Konfiguration: 2-2-2
- Kabinen-Größe: 30 Sitze in 5 Reihen
Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Buchung
Gebucht habe ich den Flug als Teil einer größeren Prämienreise mit Miles & More, die mich ursprünglich nach Neuseeland führen sollte. Da im Oktober 2025 jedoch keine durchgehenden Business Class Verfügbarkeiten von Deutschland nach Neuseeland zu finden waren, wich ich auf Australien als alternative Destination aus. Nach etwas Suche blieben für Verbindungen nach Melbourne nur noch wenige Optionen ab Paris und Stockholm übrig – letztlich entschied ich mich für Stockholm. Für die gesamte Strecke Stockholm – Meklbourne via Bangkok und Singapur waren 107.500 Miles & More Meilen sowie 3.857 SEK Zuzahlungen (rund 350 Euro) fällig. Zum Vergleich: Vor der Umstellung auf das neue dynamische Preissystem bei Miles & More hätte dieselbe Verbindung 97.000 Meilen gekostet.

Um die Einordnung etwas greifbarer zu machen, lohnt sich ein Blick darauf, was ein Business Class Prämienflug auf der Strecke von Bangkok nach Singapur üblicherweise kostet. Je nach Vielfliegerprogramm und Airline schwanken die Meilenpreise deutlich. Über Miles & More kostet ein Business Class Oneway mit Thai Airways 30.000 Meilen und rund 80 Euro Steuern und Gebühren.

Über Air Canada Aeroplan ist dieselbe Strecke bereits ab 20.000 Punkten und etwa 45 Euro Steuern und Gebühren in der Thai Airways Business Class buchbar.

Über Singapore Airlines KrisFlyer finden sich auf dieser Strecke Verfügbarkeiten in der Thai Airways Business Class ab 26.500 Meilen und etwa 80 Euro Steuern und Gebühren.

Über KrisFlyer konnten wir außerdem kurzfristig im Rahmen der KrisFlyer Spontaneous Escapes Verfügbarkeiten in der Singapore Airlines Business Class finden – ab 17.500 Meilen und rund 21 Euro Steuern und Gebühren.

Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Check-in & Boarding
Mein Layover in Bangkok dauerte rund 13 Stunden – genug Zeit für eine kleine Tour der Star Alliance Lounges, die am Flughafen Bangkok angesiedelt sind. Auf meiner Runde habe ich die EVA Air Lounge zum Duschen, die Singapore Airlines SilverKris Lounge zum Essen, die teils überfüllte Thai Airways Orchid Lounge für einen Cocktail sowie die Turkish Airlines Lounge zum Ausruhen besucht.

Das Boarding für diesen Abendflug nach Singapur startete pünktlich. Business Class Passagiere und Star Alliance Gold Statusinhaber wurden zuerst geboardet. Für die Business Class ging es über Tür 1L an Bord, die Economy über Tür 2L – so blieb die vordere Kabine beim Einsteigen angenehm leer und geordnet.
Vorab hatte ich mir Sitz 16A – die letzte Reihe am Fenster – gesichert. Die Auslastung sah zunächst vielversprechend aus, denn 16B war laut Sitzplan noch frei. Beim Betreten der Kabine stellte ich jedoch fest, dass der Platz doch belegt war: bereits komplett in Angled-Flat-Position, Schlafmaske auf und meine spätere Sitznachbarin offensichtlich nicht in Bestform. Kein Problem, nur anders als erwartet. Kaum angeschnallt, erschien auch schon das Tablett mit den Welcome Drinks: Champagner, Orangensaft, Wasser und ein Thai Signature Drink, begleitet vom heißen Tuch. Ich entschied mich für den Champagner.

Die Crew merkte schnell, dass es meiner Nachbarin nicht gut ging, kümmerte sich proaktiv – und ich bot an, mich bei Bedarf umzusetzen. Zunächst hieß es, das sei wegen erwarteter Umsteiger eines ausgefallenen Fluges nicht möglich (die Business Class werde voraussichtlich voll sein). Kein Thema – meine Essenswahl wurde aufgenommen, der Service lief freundlich und professionell weiter. Wenige Minuten später kam die Purserin erneut mit Neuigkeiten: 11A und 11B blieben überraschend frei. Ob ich wechseln wolle? Gerne.

Als Geste der Freundlichkeit bekam ich zur “Entschuldigung” (für eigentlich nichts) ein weiteres Glas Champagner. Ich freute mich – und erfuhr kurz darauf den wahren Grund: Der IFE-Screen an 11A war defekt. Da jeder das Safety-Video sehen muss, bat mich die Purserin, für dessen Dauer kurz auf 12B umzusteigen. Wir mussten alle lachen – die charmanteste Form eines “technischen Workarounds”, die ich seit Langem erlebt habe. Nach einem kurzen Gang zur Toilette stand bereits das nächste frische Glas Champagner auf meinem Tisch – “für die Umstände” und wegen des leicht verzögerten Abflugs, da wir noch auf Economy Class Passagiere warteten. Sehr aufmerksam, sehr Thai. Ich habe dann freundlich gebeten, es bei diesem Glas zu belassen – irgendwann weicht die Rezension sonst der Weinkarte.

Zwischen Seat-Shuffle, Safety-Video-Zwischenstopp und Champagner-Nachschub blieb immer das Gefühl: Hier wird nicht nur gearbeitet, hier wird spürbar menschlich agiert.
Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Kabine
Die Thai Airways Boeing 777-200ER präsentiert sich in einer klassischen Royal Silk Business Class mit insgesamt 30 Sitzen in einer 2-2-2-Konfiguration, verteilt auf fünf Reihen.

Es wirkt alles deutlich “old school”, aber gleichzeitig strahlt die Kabine eine gewisse nostalgisch-royale Atmosphäre aus, die man aus den 2000er-Jahren kennt. Die Kabine ist sehr offen gestaltet, da es keine hohen Trennwände oder modernen Suite-Elemente gibt. Das führt zu einem luftigen Gesamtbild – man sieht praktisch die gesamte Business Class auf einen Blick. Die niedrige Bauhöhe der Sitze verstärkt den Eindruck eines großzügigen, leicht “retro-futuristischen” Raums.
Besonders positiv fällt auf: Die Kabine und vor allem der Gang zwischen den Sitzen ist extrem breit und wirkt im Vergleich zu vielen modernen Pods weniger eingeengt. Auch wenn die Sitze nicht einzeln in Schalen verbaut sind, entsteht ein Gefühl von Bewegungsfreiheit, das man in heutigen, dicht gepackten Business Class Suiten oft nicht mehr findet.

Trotz ihres Alters ist die Kabine in einem bemerkenswert gepflegten Zustand. Alle Oberflächen waren sauber – weder abgenutzt noch zerkratzt. Thai Airways scheint die alternde 777-Flotte sehr konsequent zu warten. Zumindest fühlte sich dieser Innenraum deutlich besser an, als das Design vermuten lässt.
Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Sitz
Der Stelia Aerospace Evolys ist ein klassischer Angled-Flat-Liegesitz der früheren Generation – aus einer Zeit, in der Business Class eher einem sehr bequemen Sessel als einem echten Bett glich. Der Sitz lässt sich auf rund 160 Grad neigen (kein vollflaches Bett) und bietet dank großzügiger Grundfläche ein angenehm “Armchair-artiges” Sitzgefühl. Seine geschwungenen Linien und grauvioletten Akzente verleihen dem Sitz einen raumschiffartigen Look.

Das Design ist sichtbar in die Jahre gekommen, doch beim Hinsetzen folgt die positive Überraschung. Der Sitz ist bequemer als erwartet, mit weicher Polsterung und großzügigem Sitzgefühl. Der Liegewinkel ist nicht vollständig horizontal – für Overnight-Strecken ein sehr großer Nachteil, für den knapp zweistündigen Hüpfer von Bangkok nach Singapur jedoch völlig ausreichend. Der Sitz weckte bei mir sofort Erinnerungen an die angled-flat Business Class von Lufthansa aus den 2000er-Jahren, die ich selbst nur von Fotos kenne. Dieses Produkt nie erlebt zu haben, machte den Flug fast schon zu einer kleinen Zeitreise in diese Ära.

Der Sitz wird über ein klassisches Tastenpanel gesteuert – simpel, intuitiv und keinerlei Touchscreen-Spielereien. Die Mechanik ist veraltet, aber zuverlässig.
Wie bei einer 2-2-2-Konfiguration nicht anders zu erwarten, bietet der Sitz nur begrenzte Privatsphäre. Der Sitz bietet zudem viel Beinfreiheit, da kein enger Fußkasten verbaut ist. Eine Steckdose ist vorhanden, USB-Anschlüsse fehlen allerdings.

Vor Abflug lagen Kopfkissen und Decke bereit – identisch zu den Langstreckenflügen. Der Tisch ist stabil und groß genug zum Arbeiten.
Das Entertainment-System wirkt deutlich überholt und trägt kaum zum Gesamterlebnis bei – funktional, aber weit weg vom heutigen Business Class Standard.
Ich habe das IFE auf diesem Flug daher schlicht nicht genutzt und mich stattdessen für etwas Wertvolleres entschieden: eine Stunde Schlaf. Und das spricht durchaus für den Sitzkomfort – der Evolys Sitz lässt sich in der angewinkelten Liegeposition erstaunlich gut für einen Kurzstrecken-Flug nutzen, vielleicht sogar besser als ein enges modernes Lie-Flat-Pod. In meinem gejetlaggten Zustand war das vermutlich eine gute Wahl.

Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Essen & Service
Der Service auf diesem kurzen Flug von Bangkok nach Singapur war eine der positivsten Überraschungen des gesamten Erlebnisses. Thai Airways hebt das Produkt vor allem durch die Qualität der Crew auf ein deutlich höheres Niveau. Während des gesamten Fluges war der Service freundlich, professionell und proaktiv. Getränke wurden – wie bereits erwähnt – mehrfach ungefragt nachgeschenkt, und die Crew blieb dabei stets aufmerksam und herzlich. Für einen kurzen innerasiatischen Flug war das Gesamtpaket aus Freundlichkeit, Effizienz und Charme stark und trug maßgeblich dazu bei, dass sich der gesamte Flug überraschend hochwertig anfühlte. Das Essen war sehr gut, wenn auch nicht herausragend.
Eine separate Getränkekarte wurde auf diesem Flug nicht verteilt. Das Angebot wirkte in der Breite jedoch vergleichbar mit der Thai-Langstrecke (Review: Thai Airways Business Class Airbus A350-900 von Stockholm nach Bangkok). Die Speisekarte sah wie folgt aus:
The Starters
- Thai-style eggplant salad
- Grilled Hokkaido scallop with red capsicum sauce
The Mains
- Sous Vide Beef Short Rib with Massaman Sauce served with Thai jasmine rice and sauteed mixed vegetables with garlic
- Grilled Tiger Prawns with Lobster Cream Sauce served with lemon risotto and assorted vegetables
- Wok-fried Cod Fish with Spicy Bean Sauce served with Thai jasmine rice, sauteed pak choy, carrots and gingko nuts
The Baked
- Laugen long roll
- Multigrain roll
- Garlic bread
The Bites
- Assorted cheese and fruits with crackers
The Sweets
- Fruit tart
- Thai mung bean flour and coconut milk
Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Amenity Kit, Bad und WiFi
Ein Amenity Kit wird auf diesem kurzen Regionalflug verständlicherweise nicht verteilt. Vom Waschraum habe ich leider keine Fotos gemacht. Er entspricht dem erwartbaren Standard dieses älteren 777-Produkts – optisch etwas in die Jahre gekommen, aber sauber. WiFi wird auf der Thai Airways Boeing 777-200ER grundsätzlich nicht angeboten, was das ohnehin veraltete Entertainment-Angebot zusätzlich einschränkt, auf einem zweistündigen Flug aber verschmerzbar ist.
Thai Airways Business Class Boeing 777-200ER – Fazit
Die Business Class der Thai Airways Boeing 777-200ER ist ein Produkt aus einer anderen Ära: sichtbar retro, aber sauber, gepflegt und überraschend bequem. Wer ein modernes Business Class Erlebnis erwartet wird hier selbstverständlich enttäuscht. Wer jedoch ein geräumiges, nostalgisches und gut gewartetes Setup schätzt, kann auf dieser kurzen Strecke positiv überrascht werden. Gleichzeitig lässt sich nicht leugnen, dass diese Kabine im Jahr 2025 nicht mehr konkurrenzfähig ist. Vor allem deshalb, weil Thai Airways auf vielen innerasiatischen Strecken bereits deutlich modernere Produkte einsetzt – etwa im Airbus A350-900, in der Thai Airways Boeing 787 oder in der Boeing 777-300ER mit echter Lie-Flat Business Class. Singapore Airlines setzt auf dieser Strecke zudem auf noch modernere Kabinen, die die Messlatte hochlegen.
Trotzdem bleibt ein stark positiver Eindruck – die Crew herzlich und proaktiv. Für Kurzstrecken wie Bangkok–Singapur ist die Kabine in dieser Boeing 777-200ER akzeptabel, wirkt aber wie ein gut gepflegtes Relikt – nicht wie das, was Thai Airways heute eigentlich zu bieten hat.
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