Lange Zeit bot Lufthansa ihren Kunden eine einheitliche Hardware in der Business Class auf der Langstrecke an. In letzter Zeit hat sich dies jedoch geändert, und in den kommenden Jahren wird es unterschiedliche Produkte in der Business Class geben. Deshalb geben wir einen Überblick über die aktuellen und zukünftigen Business-Class-Sitze bei Lufthansa.
Der eingesetzte Sitz in der Business Class war einheitlich und unterschied sich dabei nicht innerhalb des eingesetzten Fluggeräts. Darauf konnte man sich bei Lufthansa jahrelang verlassen. Dann hatte Lufthansa kurzfristig fünf Boeing 787-9 und vier Airbus A350 übernommen, die mit einem anderen Business-Class-Produkt ausgestattet waren. Außerdem wurde die neue Langstreckenkabine „Allegris“ eingeführt und eine neue Business Class für den Airbus A380 vorgestellt. Dadurch wird es in absehbarer Zukunft mehrere verschiedene Sitzmodelle geben, die Lufthansa ihren Kunden auf der Langstrecke je nach Fluggerät anbietet.
Der Allegris Business Class Sitz
Ende 2017 stellte Lufthansa erstmals Pläne zu ihrer neuen Business Class vor. Im Rahmen der Produktoffensive Allegris wurde dann Anfang Mai 2024 der neue Business-Class-Sitz eingeführt, der in einer ungewohnten Konfiguration verbaut ist. Von einer 1-2-1-Konfiguration kann man nicht wirklich sprechen. Lufthansa hat sich bei Allegris gegen ein Standardmodell entschieden und stattdessen den Business-Class-Sitz von Grund auf selbst entwickelt. Die drei großen und bekannten Hersteller Stelia, Collins und Thompson produzieren den Sitz nun nach den Plänen der Lufthansa. 
Passagiere können in der Business Class zwischen fünf verschiedenen Sitztypen wählen, die sich hauptsächlich von ihrer Lage und dem „Drumherum“ unterscheiden. So bietet die Business-Class-Suite in der ersten Reihe der jeweiligen Business Class-Kabine beispielsweise verschließbare Türen und höhere Wände. Der Business-Class Extra Long Bed lässt sich beispielsweise in ein extra langes Bett (2,2 Meter) ausfahren. Eine detaillierte Vorstellung der Allegris-Sitze findet ihr hier: Die Lufthansa Allegris Sitztypen in der Übersicht.
Allegris Rollout im Überblick
Mit der Allegris-Kabine werden rund 80 werksneue Langstreckenmaschinen der Lufthansa Group ausgestattet. Es handelt sich hierbei um die Flugzeugtypen Boeing 787-9, Airbus A350 und Boeing 777-9. Im Sommerflugplan 2026 sind voraussichtlich zehn Airbus A350-900 (stationiert in München) und zehn Boeing 787-9 (stationiert in Frankfurt) mit der Allegris-Kabine ausgestattet und im Linienbetrieb im Einsatz. Welche Maschinen das genau sind und auf welchen Routen sie eingesetzt werden, lest ihr hier: Alle Lufthansa Allegris Strecken & Ziele.
Zusätzlich werden ab dem zweiten Quartal 2026 alle Boeing 747-8 mit dem Allegris-Sitz ausgestattet (allerdings nur die Business Class-Sektion im Hauptdeck). Im Jahr 2027 dürften erstmals Boeing 777-9 Flugzeuge zur Lufthansa-Flotte stoßen, nachdem sich deren Auslieferung wiederholt verzögert hat. Zudem dürften die ersten Airbus A350-1000 im Jahr 2027 eingeflottet werden. Den Retrofit-Beginn der Airbus A350-900 mit dem alten Standardsitz terminiert Lufthansa aktuell auf das Jahr 2027. Bis 2030 sollte dann die flächendeckende Einführung des Allegris-Produkts inklusive Retrofits erfolgt sein. Einen Blick in die Kabine könnt ihr hier werfen:
- Review: Lufthansa Allegris Business Class Airbus A350 von München nach San Francisco (inkl. Blick in die Allegris First Class)
- Review: Lufthansa Allegris Business Class Airbus A350 Toronto & München
Der (alte) Business Class Standardsitz
Beim derzeitigen Sitz, den Lufthansa noch in vielen Flugzeugen verwendet, handelt es sich um eine stark angepasste Version des Diamond Parallel Sitzes des US-amerikanischen Sitzherstellers Collins Aerospace. Man findet ihn derzeit in allen Langstreckenflugzeugen der Typen: Airbus A340-300, Airbus A340-600, Airbus A330-300, Boeing 747-400, Airbus A380 (bis zum Retrofit), Boeing 747-8 (bis zum Retrofit) sowie in allen Airbus A350-900 (bis zum Retrofit), die vor November 2023 ausgeliefert wurden. In der Boeing 747-400 ist der Sitz auf dem Main Deck in einer 2-3-2-Konfiguration eingebaut. Im Upper Deck der Boeing 747-400 und Boeing 747-8 findet man eine 2-2-Konfiguration vor. Bei allen anderen Flugzeugtypen ist der Sitz stets in einer 2-2-2-Anordnung verbaut. Der Sitz bietet wenig Privatsphäre und relativ kleine Bildschirme.

In den kommenden Jahren wird dieser Sitz, der so lange das Bild der Lufthansa Business Class geprägt hat, sukzessive verschwinden. Denn Lufthansa plant bis 2027/2028 alle Airbus A340-300, A340-600, A330-300 und Boeing 747-400 entweder stillzulegen oder an Tochtergesellschaften abzugeben. Wie oben beschrieben, werden alle Airbus A380, Boeing 747-8 (vorerst nur im Hauptdeck) und Airbus A350-900 umgerüstet und erhalten den Allegris-Sitz. Einen Blick auf den Standardsitz könnt ihr hier werfen: Review: Lufthansa Business Class A350 Washington nach München
Der Business Class-Sitz in den “Hainansa”-Dreamlinern
Im Mai 2021 kaufte Lufthansa fünf kurzfristig verfügbare Boeing 787-9 “White Tails”. Das bedeutet, dass die Flugzeuge eigentlich für andere Fluggesellschaften produziert und ausgerüstet wurden, diese die fertiggestellten Flugzeuge jedoch nicht übernahmen. Da die Boeing 787-9 eigentlich für die chinesischen Fluglinien Hainan Airlines und Suparna Airlines vorgesehen waren und Lufthansa sich dazu entschloss, die bereits verbaute Kabine zu behalten und nur das Design der Sitze anzupassen, hat sich für diese fünf Maschinen der Spitzname „Hainansa“-Dreamliner etabliert. Ende August 2022 wurde die erste Maschine an Lufthansa ausgeliefert und es sind alle fünf “Hainansa”-Dreamliner im Flugbetrieb unterwegs. In diesen Flugzeugen findet man jeweils 26 Business Class-Sitze des Typs Super Diamond von Collins Aerospace vor. Der Super Diamond ist das hochwertigere Modell der Diamond-Reihe des Herstellers. Im Vergleich zum einfachen Diamond-Sitz bietet er durch die Verschalung etwas mehr Privatsphäre und auch größere Ablageflächen. Außerdem kommt er stets in einer 1-2-1 Reverse-Herringbone-Konfiguration.

Diesen Business Class-Sitz findet ihr bei Lufthansa tatsächlich nur in den fünf Flugzeugen mit folgenden Kennzeichen (Folgt dem jeweiligen Link, um zu sehen, welche Ziele damit zuletzt angeflogen wurden):
Ab März 2026 werden die “Hainansa”-Dreamliner allerdings schrittweise an Austrian Airlines übergeben. Im Jahr 2027 sollte es dann diesen Business Class-Sitz nicht mehr in der Lufthansa-Flotte geben.
Der Business Class-Sitz in den “A350-Sprintern”
Neben den fünf „Hainansa“-Dreamlinern hat sich Lufthansa im Herbst 2021 kurzfristig auch vier gebrauchte Airbus A350-900 gesichert, die Philippine Airlines aufgrund einer Restrukturierung an die Leasingunternehmen zurückgeben musste. Ähnlich wie bei den oben beschriebenen Boeing 787-9 hat Lufthansa die Kabine mehr oder weniger unverändert vom Vorbesitzer übernommen. Philippine Airlines hat in diese vier Airbus A350-900, die innerhalb der Lufthansa Group auch “Sprinter” genannt werden, den VantageXL des britischen Herstellers Thompson Aero Seating einbauen lassen. Dieses Modell bietet im Vergleich zur Vorgängerversion, dem Vantage, eine breitere Sitz- und Liegefläche, die mindestens 23,3 Zoll beträgt, und mehr Beinfreiheit.

Dieses Sitzmodell wird in einer 1-2-1-Konfiguration verbaut. Folgend die Kennzeichen dieser vier besonderen Airbus A350 (Folgt dem jeweiligen Link, um zu sehen, welche Ziele zuletzt angeflogen wurden):
Neben dem Kennzeichen erkennt man diese A350-900 auch daran, dass nur 30 Business Class-Sitze verfügbar sind. In den A350-900, die mit dem Standardsitz ausgestattet sind, verfügt die Business Class-Kabine über 48 Sitze. Die Allegris-A350 erkennt man an den 38 Sitzen in der Business Class und an ihrer First Class.
Die vier von Philippine Airlines übernommenen Flugzeuge werden ab Mitte 2027 an die Tochtergesellschaft Discover Airlines übergeben. Einen Blick auf diesen Business Class-Sitz bei Lufthansa könnt ihr hier werfen: Review: Lufthansas “neue” Business Class A350-900 Montreal nach München
Der neue Business Class-Sitz im Airbus A380
Zwar werden die A350-Sprinter ab Mitte 2027 die Lufthansa verlassen, der Thompson VantageXL hingegen wird bei Lufthansa bleiben. Denn im Februar 2026 startet Lufthansa den Retrofit der Business Class in allen Airbus A380, der bis Mitte 2027 abgeschlossen sein soll. Gleichzeitig wird die Business Class-Kabine von 78 Sitzen auf 68 verkleinert. Lufthansa hat sich für einen Business Class-Sitz von der Stange entschieden, den Thompson VantageXL. Im Gegensatz zum alten Standardsitz von Lufthansa ist jeder Sitz vom Gang aus direkt zu erreichen. Denn der Thompson VantageXL wird in einer 1-2-1-Konfiguration verbaut. Es gibt also Einzelsitze am Fenster und die “Honeymoon”-Variante in der Mitte. 
Die verschiedenen Lufthansa Business Class-Sitze – Fazit
War das Business Class-Produkt bei Lufthansa in den vergangenen Jahren einheitlich, wird es in den kommenden Jahren unübersichtlicher werden. Denn Lufthansa befindet sich in einer Übergangsphase, in der das Business Class-Produkt bei Lufthansa deutlich flugzeugabhängiger ist. Mehrere Teilflotten werden ausgemustert oder an Tochtergesellschaften weitergegeben. Zudem kommen ab 2027 neue Flugzeugtypen hinzu. Gleichzeitig werden mehrere Bestandsflotten (teilweise) umgerüstet. Ab 2030 sollte sich die Situation dann spürbar harmonisieren.
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